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Tarifverhandlungen:Sorge um den Münchner Nokia-Standort

Nokia Mitarbeiter demonstrieren gegen Stellenabbau in München, 2016

Nokia-Mitarbeiter demonstrieren im Frühjahr dieses Jahres gegen den Stellenabbau in München, am Firmensitz in der Werinherstraße 91.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mehr als 300 Stellen will die finnische Firma ohnehin streichen - doch es könnten noch mehr werden.

Der Betriebsrat von Nokia Deutschland bangt um den Standort in München, denn das Unternehmen hat die bundesweiten Tarifverhandlungen mit der IG Metall überraschend abgebrochen. Das Management von Nokia habe nicht garantieren wollen, dass die übrigen Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten und der Münchner Standort erhalten bleibe, heißt es von Seiten der IG Metall.

Bereits im Mai dieses Jahres hatte die finnische Firma für Telekommunikation angekündigt, in Deutschland im Zuge der Übernahme des Konkurrenten Alcatel-Lucent etwa 1400 Stellen einsparen zu wollen. 354 davon in der bayerischen Landeshauptstadt - damit fielen bis Ende 2017 an fast keinem anderen deutschen Standort so viele Arbeitsplätze weg wie in München. Die Details sollten in einem "Sozial- und Zukunftsvertrag" geregelt werden.

Nokia sah keine Möglichkeit zur Einigung

Während der Verhandlungen war eine der wichtigsten Forderungen der Arbeitnehmer, dass Nokia nach dem Stellenabbau den 1150 übrigen Münchner Mitarbeitern verspricht, ihre Arbeitsplätze zu sichern. "Wir wollten den Personalabbau schnell über die Bühne und dann endlich wieder Ruhe in die Firma bringen", sagt der Betriebsrat Carsten Riedl. Doch Nokia hat die Gespräche nach zwei Monaten und sieben Verhandlungsrunden beendet; man habe keine Möglichkeit für eine Einigung gesehen, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Man wolle aber mit den Betriebsräten weiter verhandeln.

Clemens Suerbaum, Chef des Gesamtbetriebsrates von Nokia Deutschland, fürchtet nun, dass noch mehr Münchner Stellen wegfallen könnten. Denn die finnische Firma hat noch nicht komplett benannt, wo sie in Deutschland die 1400 Stellen sparen will. Laut Suerbaum steht das noch für 400 Stellen aus. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass in Stuttgart und München reduziert werde, weil es an beiden Orten im Gegensatz zu Ulm und Nürnberg keine großen Entwicklungsabteilungen gebe, auch wenn München gemessen an der Zahl der Mitarbeiter noch immer der größte Nokia-Standort in Deutschland sei.

Bisher habe man für etwas weniger als die Hälfte der 354 Menschen, deren Arbeitsplatz Nokia in München einsparen will, eine Lösung gefunden, sagt Betriebsrat Riedl. Der kleinere Teil der Leute habe einen neuen Job gefunden, andere hätten Abfindungen angenommen oder seien in Altersteilzeit gegangen. Die drängendste Frage sei nun, was mit der anderen Hälfte der Mitarbeiter passiere. Anfang Dezember soll es neue Gespräche zwischen dem Management und dem Münchner Betriebsrat geben.

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