Tag der Archive:Deutsches Museum gibt Einblick in seine "Schatzkammer"

Tag der Archive: Archivleiter Matthias Röschner zeigt eine Urkunde, in der die Stadt 1907 Ludwig III., der damals noch Prinz Ludwig von Bayern war, ein Denkmal zusicherte.

Archivleiter Matthias Röschner zeigt eine Urkunde, in der die Stadt 1907 Ludwig III., der damals noch Prinz Ludwig von Bayern war, ein Denkmal zusicherte.

(Foto: Robert Haas)

Prächtige Urkunden, seltene Bücher und Fraunhofers Sonnenspektrum: Am Tag der Archive sind zahlreiche wertvolle Originale aus neun Jahrhunderten zu sehen.

Von Patrik Stäbler

Seit einigen Jahren wird in München über ein neues Denkmal für Ludwig II. diskutiert. Nach langer und durchaus kontroverser Debatte hat vor allem ein Verein unter Leitung des Deutsche-Eiche-Wirts Dietmar Holzapfel erreicht, dass im kommenden Jahr eine Gedenkstätte für den Kini auf der Corneliusbrücke errichtet werden soll.

Angesichts der Diskussionen um einen angemessenen Erinnerungsort für Ludwig II., den übrigens schon eine Statue in den Maximiliansanlagen ehrt, gerät gerne in Vergessenheit, dass es von seinem Nachnachfolger auf dem Thron keine einzige Statue in München gibt. Dabei wurde Ludwig III., der von 1913 bis 1918 König war, seitens der Stadt noch 1907 ein Denkmal versprochen.

Der Beweis hierfür findet sich heute im Archiv des Deutschen Museums - in Form einer prächtigen Urkunde. Darin sichert die "königliche Haupt- und Residenzstadt München" dem Museum zu, ein Standbild für dessen Schirmherrn zu errichten, der damals noch als Prinz Ludwig von Bayern firmierte. Allein dieses Versprechen wurde nie eingelöst: Zunächst verzögerte der Erste Weltkrieg die Pläne, und nach dem Ende der Monarchie galt ein Denkmal für einen Wittelsbacher nicht länger als angebracht.

Es sind Anekdoten wie diese, auf die man im Archiv des Deutschen Museums stößt. Auf 4,7 Regalkilometern lagern dort Abermillionen wertvoller Originale aus neun Jahrhunderten - darunter fast 15 000 Urkunden und Handschriften, gut 75 000 Pläne und technische Zeichnungen sowie Filme, Tonbänder, Kassetten und 1,4 Millionen Fotos. Einen kleinen Einblick in diese "Schatzkammer", wie Leiter Matthias Röschner sie nennt, ermöglicht das Museum an diesem Samstag, wenn es sein Archiv aus Anlass des Tags der Archive bei freiem Eintritt fürs breite Publikum öffnet.

Dann wird auch jene Urkunde der Stadt gezeigt, die Röschner nun behutsam und mit weißen Handschuhen an den Fingern in eine graue Schachtel zurücklegt. Das handkolorierte Schmuckstück zeigt nicht nur das erste Logo des Museums samt Eule und Zahnrad, sondern es kommt auch erstaunlich farbenfroh und brillant daher - passend zum Motto beim Tag der Archive, das da lautet: "Farbe im Archiv."

Tag der Archive: Von Joseph Fraunhofers Sonnenspektrum aus dem Jahr 1817 sind nur noch drei Exemplare vorhanden.

Von Joseph Fraunhofers Sonnenspektrum aus dem Jahr 1817 sind nur noch drei Exemplare vorhanden.

(Foto: Robert Haas)
Tag der Archive: Das "Schwazer Bergbuch" bezeichnet Röschner als "einen der größten Schätze" der Sammlung.

Das "Schwazer Bergbuch" bezeichnet Röschner als "einen der größten Schätze" der Sammlung.

(Foto: Robert Haas)

Dies könnte auch als Überschrift für ein besonders wertvolles Ausstellungsstück dienen, nämlich Joseph Fraunhofers Sonnenspektrum aus dem Jahr 1817. Von diesem seien bloß drei Exemplare erhalten, erzählt Röschner, während er ein Papier hervorzieht, das einen Farbverlauf entlang eines Balkens zeigt - unterbrochen von Hunderten schwarzen Linien. Es stellt das Spektrum der Sonne dar, das der Optiker Fraunhofer bei seinen Versuchen zur Reinheit von Glas zutage brachte. Was er dabei nicht ahnte und was erst 40 Jahre später entdeckt wurde: Fraunhofer lieferte damit den Schlüssel für den Geheimcode der Sterne. Denn jene Linien stünden für die einzelnen Elemente, erläutert Röschner. "Das hat vor allem die Astronomie revolutioniert. Denn dadurch konnte man anhand der Strahlung eines Sterns bestimmen, aus welchen chemischen Elementen er besteht."

"Freut euch, es ist ein Bergwerk entstanden, Halleluja."

Viele Menschen würden sich Archive als "eher graue Angelegenheit" vorstellen, sagt Röschner. "Dabei steckt darin auch viel Farbe." Das trifft mitunter sogar auf jahrhundertealte Objekte zu - wie etwa das "Schwazer Bergbuch", das der Archivleiter als "einen der größten Schätze" der Sammlung bezeichnet. Jenes Werk datiert von 1556; heute sind davon nur noch fünf Exemplare erhalten. Das Buch fasst das Wissen der damaligen Zeit über den Bergbau zusammen und ist nach der Tiroler Stadt Schwaz benannt - seinerzeit ein Zentrum des Silber- und Kupferbergbaus. Unter anderem sind darin farbenfrohe Illustrationen der verschiedenen Tätigkeiten beim Bergbau zu sehen. Dessen Bedeutung zu jener Zeit verdeutlicht bereits die Überschrift auf der Titelseite: "Freut euch, es ist ein Bergwerk entstanden, Halleluja."

Gar noch 300 Jahre früher geschrieben als das "Schwazer Bergbuch" ist das älteste Stück im Museumsarchiv - ein Albertus Magnus-Codex zur Physik. Die neuesten Unterlagen stammen derweil aus dem 21. Jahrhundert, darunter etwa der Nachlass des 2011 verstorbenen Physik-Nobelpreisträgers Rudolf Mößbauer. "Wir haben hier eines der weltweit bedeutendsten Spezialarchive zur Geschichte der Naturwissenschaft und Technik", betont Matthias Röschner. Vornehmlich diene es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als wichtige Quelle bei ihrer Forschung. Doch auch für die Öffentlichkeit ist das Museumsarchiv frei zugänglich, wobei um eine Voranmeldung per Mail gebeten wird.

Am Tag der Archive an diesem Samstag, 2. März, beteiligen sich 26 Einrichtungen an 18 Standorten mit Ausstellungen, Führungen und Präsentationen von 10 bis 17 Uhr - vom Archive Artist Publications mit seltenen Münchner Magazinen seit den 60er-Jahren bis zur Von-Parish-Kostümbibliothek. Das Programm findet sich im Internet unter amuc.hypotheses.org/13913. Das Deutsche Museum bietet Führungen an und zeigt den Film "Spiel in Farben"; zudem ist eine Ausstellung zur "Technik- und Wissenschaftsgeschichte in Farbe" zu sehen. Zum Museumsarchiv gelangen Besucherinnen und Besucher nicht über den Haupteingang, sondern über den Eingang der Bibliothek am Museumshof.

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