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SZ-Adventskalender:"Ich habe versucht, immer positiv zu denken"

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Wegen einer angeborenen Fehlbildung der Nieren muss sich Kevin bald operieren lassen. Er braucht viel Aufmerksamkeit seiner Mutter.

(Foto: Robert Haas)

Der Sohn hat eine Fehlbildung der Nieren, die Tochter Neurodermitis - dann infizierte sich Anita H. mit dem Coronavirus. Für eine Familienerholung fehlt das Geld.

Von Sven Loerzer

Es war kein einfaches Jahr für Anita H., für sie nicht und für ihre beiden Kinder nicht. Der vierjährige Kevin hat schon mehrere Operationen hinter sich, weil er mit einer angeborenen Fehlbildung der Nieren zur Welt kam. Bald steht eine weitere Operation an, sie musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Kevins Schwester leidet an Neurodermitis.

Der Lockdown im Frühjahr mit den Kontaktbeschränkungen setzte der alleinerziehenden Mutter und ihren Kindern sehr zu. Die Umstellung auf Homeschooling klappte nicht reibungslos, "ich habe keinen Drucker gehabt", sagt Anita H., 36. Bei der Mutter eines Klassenkameraden konnte sie die nötigen Unterlagen ausdrucken. Anita H., die früher als Verkäuferin gearbeitet hatte, wollte sich wieder einen Job suchen, als gerade die Pandemie ausbrach. Aber als alleinerziehende Mutter ist sie nicht flexibel in ihren Arbeitszeiten, viele Arbeitgeber fürchten Ausfälle, wenn sich Alleinerziehende um ihre Kinder kümmern müssen, etwa bei Krankheit. Nun hofft sie, Arbeit zu finden, wenn Kevin seine letzte Operation hinter sich hat. "Wenn ich Arbeit habe, dann habe ich Geld."

Sie sei zwar sehr froh, dass sie vom Jobcenter Unterstützung erhält, "aber ich muss sehr sparen, man kann sich nichts leisten". Gerade aber die Pandemie habe das Leben noch teurer gemacht, zusätzliche Ausgaben entstehen für Mund-Nasen-Masken und Desinfektionsmittel. Und dann noch die Angst, "wie sich das alles entwickelt". Manchmal sei ihre Tochter ziemlich gereizt, klagt, "Mama, alles nervt". Für die Elfjährige seien die Kontaktbeschränkungen schwierig gewesen, dazu kamen noch die Probleme mit Allergien. Eine Hautcreme, die ihr bei Neurodermitis geholfen habe, sei sehr teuer, die Krankenkasse übernehme die Kosten nicht.

Kevin wiederum braucht Ergotherapie und Logopädie wegen seiner Entwicklungsstörung, "er redet nicht viel". Nächtliche Angstzustände sind nicht nur für die Mutter anstrengend, sondern rauben auch der großen Schwester den Schlaf, denn in der kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung müssen sich die Geschwister ein Zimmer teilen. "Wenn er schreit, kann meine Tochter nicht schlafen", sagt die Mutter, die ihn mitunter zwei bis drei Mal in der Nacht beruhigen muss. "Es ist nicht einfach für mich." Sie hofft, dass Kevin dank Frühförderung, die in diesem Jahr auch unter den Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie litt, Rückstände aufholt.

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Besonders während des Lockdowns fühlte sich Anita H. völlig auf sich allein gestellt. Sie hatte das Gefühl, dass sie ihrer Tochter zu wenig Förderung geben konnte beim Homeschooling. Gleichzeitig forderte sie Kevin, "er wollte immer raus, er muss rennen und springen". Doch während des Lockdowns waren auch die Spielplätze geschlossen. Eine Entlastung gab es nicht, "ich habe versucht, immer positiv zu denken", sagt die Mutter, "ich muss ja immer funktionieren". Funktionieren musste sie auch noch, als sie sich trotz aller Vorsicht mit dem Virus infiziert hatte. Das war im Herbst. Sie hatte fünf Tage lang Fieber und fürchterliche Kopf- und Gliederschmerzen, verlor Geruchs- und Geschmackssinn. "Ich hatte Angst." Auch um ihre Kinder, aber sie steckten sich nicht an, "zum Glück".

Anita H. isolierte sich in ihrer Wohnung, die Kinder mussten in ihrem Zimmer bleiben. Mit Maske und Einweghandschuhen ausgestattet kochte sie für die Kinder, die Lebensmittel kaufte eine Freundin für sie ein und brachte sie bis vor die Tür. "Ich konnte zehn Tage lang nichts essen, es war richtig schlimm. Ich dachte, ich schaffe es nicht." Nach 15 Tagen war es vorbei, sie hatte die Infektion überstanden. Inzwischen gehe es ihr wieder gut, "Gott hat mir geholfen".

Kein Verständnis hat sie für Menschen, die bestreiten, dass es eine Corona-Pandemie gibt. "Es ist eine gefährliche Krankheit, da muss jeder aufpassen, auf Abstand, Maske und Hygiene achten, um sich und andere zu schützen."

Ihre große Hoffnung für das nächste Jahr sei, "dass alles wieder gut wird". Dann werde sie auch Arbeit finden, "damit meine Kinder wieder stolz auf ihre Mama sein können". Und vielleicht ihren sehnlichen Wunsch erfüllen können, "mit meinen Kindern irgendwo wegfahren, einfach mal abschalten". Eine Familienerholung täte ihr und den Kindern gut, meint auch die Bezirkssozialarbeiterin, aber dafür fehlt der Mutter das Geld.

© SZ vom 02.12.2020/kafe
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