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Wörthsee:Wenn Biergarten-Besucher sich nicht an die Corona-Regeln halten wollen

Wörthsee Augustiner

Ärgert sich über einige Gäste, die sich nicht an die Regeln halten wollen: Wirt Till Weiß vom Augustiner am Wörthsee.

(Foto: Georgine Treybal)

Nur zwei Familien an einem Tisch? Um 20 Uhr ist Schluss? Der Wirt vom Augustiner am Wörthsee, Till Weiß, macht seinem Ärger über Querulanten in sozialen Medien Luft.

Die Sonne steht schon tief über dem Wörthsee, als am Ufer vor der Wiese beim Gasthof Augustiner ein Boot anlegt. Es sind zwei Musiker mit Klarinette und Tuba, die im milden Abendlicht ein Spontankonzert geben. Die Gäste genießen die Stimmung und applaudieren. "Da lacht das Herz", schwärmt der Wirt Till Weiß, als er davon erzählt. Es ist einer der schönen Momente in dieser für Gastronomen schwierigen Zeit.

Nur Stunden vorher das andere Extrem: Ein Gast, der reserviert hat, macht Ärger. Wie sich am Eingang herausstellt, sind es drei Paare, die sich an einen Tisch setzen wollten; doch das ist nach den Abstandsregeln nicht erlaubt. Nur Angehörige aus zwei verschiedenen Haushalten dürfen demnach zusammensitzen. Der Gast, der seine Pläne für einen Gaststättenbesuch mit Bekannten durchkreuzt sieht, wird ausfallend, beschimpft das Personal und zieht schließlich von dannen. Auch so etwas kommt vor in der ersten Woche Biergartenbetrieb nach Corona-Regeln.

Kontaktdaten aufschreiben? "Sind wir bei der Stasi?"

Die Wirte im Landkreis Starnberg, die nach zwei Monaten Zwangspause ihre Lokale nun wieder öffnen dürfen, machen ganz unterschiedliche Erfahrungen. Das reicht von einer Kapitulation wie am Maisinger See über eitel Sonnenschein in Krailling bis zu einer durchwachsenen Bilanz wie im Augustiner am Wörthsee.

Dabei ist dem Wirt Till Weiß eines ganz wichtig: "Wir haben ganz viele tolle Gäste. 95 Prozent verhalten sich ganz prima und machen mit." Es gibt aber auch die Ausnahmen, die ihn so weit gebracht haben, seinem Ärger in den sozialen Medien Luft zu verschaffen. Da beschreibt er, was alles vorkommt, was sich er und seine Kollegen anhören müssen.

Deftige verbale Entgleisungen zum Beispiel, wenn eine Gruppe Ausflügler erfährt, dass sie nicht wie gedacht an einem Tisch sitzen können: "Wie, nur zwei Haushalte an einem Tisch? Was ist das denn für ein Riesensch...? Sie können mich mal." Dafür fahre er doch nicht extra raus. Oder: "Warum muss ich meine Kontaktdaten hier lassen? Sind wir jetzt alle bei der Stasi oder was?"

Immer wieder gebe es Diskussionen über die Abstandsregeln. Damit die Stühle weit genug voneinander entfernt sind, gibt es nur 140 Sitzplätze; sonst sind es 320. Manche lassen sich mehrfach auffordern zu gehen, wenn um 20 Uhr der Biergarten schließen muss. Kritik erntete Weiß auch für einen Aufschlag von einem Euro, den er für seinen zusätzlichen Aufwand für die Hygienevorschriften verlangt; dabei habe er allein für 1000 Euro Desinfektionsmittel gekauft.

In Krailling gibt es keinen Ärger

"No-Gos" nennt er solche Beschwerden und Quertreibereien. Wer einen Gasthof besuchen wolle, könne sich zuvor darüber informieren, was dabei zu beachten ist. Die "Spielregeln", wie Weiß das nennt, hängen bei ihm außerdem direkt am Eingang und stehen auf der Rückseite der Speisekarte. Von den Gästen erhält er viel Zustimmung; in mehr als 50 Kommentaren ist das nachzulesen.

1,50 Meter

Dieses allgegenwärtige Maß für den Mindestabstand zu anderen Menschen gilt nun auch im Biergarten. Wirte stellen Tische und Stühle deswegen weit auseinander. Auf den Bierbänken bleiben Plätze frei. Näher zusammenrücken darf, wer zu einer Familie oder einem Haushalt gehört, außerdem jeweils zwei Personen, die nicht in dieser Art naher Beziehung stehen. Biergärten schließen um 20 Uhr, damit die Abstände nicht zu später Stunde immer kleiner werden.

Sabri Konxheli, der Pächter der Kraillinger Brauerei, dagegen kommt mit den Vorschriften offenbar ganz ohne Reibereien zurecht. "Wenn es so bleibt, hätten wir nichts dagegen", sagt er. Probleme habe es nicht gegeben, "jeder hält sich dran". Das Verhalten seiner Gäste nennt er "vorbildlich". Vor allem seien sie froh, dass sie nun wieder kommen können. Es gibt nur noch einen Zugang zu dem großen Gelände mit Tischen und Bänken unter mächtigen Kastanienbäumen. An diesem Eingang werden die Kontaktdaten notiert, ehe es zum Tisch geht.

Der Maisinger Seehof hat gar nicht erst aufgemacht

Im Maisinger Seehof wollten sich die Wirte all das gar nicht antun. "Bei uns ist das fast nicht möglich, das so umzusetzen. Das ist kaum praktikabel", sagt Michael Smolka, einer der beiden Geschäftsführer, über die derzeitig gültigen Corona-Regeln. Allein die Zugangskontrolle. Zum Seehof gelangen die Ausflügler von verschiedenen Seiten; von zwei Parkplätzen aus, von Wanderwegen oder über einen kleine Brücke über einen Bach. Um Gäste nur einzeln einlassen und zu Tischen bringen zu können, müsste das ganze Gelände abgeriegelt werden. Der Biergarten am Maisinger See bleibt daher geschlossen; ihre Gründe erläutern die Wirte ausführlich in einem Aushang. Die Regeln zu beachten, hieße demnach, "dem Biergarten am Maisinger See genau den Charakter zu nehmen, der ihn eigentlich ausmacht: Offenheit und Ungezwungenheit".

Dafür läuft weiter der Kiosk-Betrieb, und das nicht schlecht: ziemlich ungezwungen und ohne rot-weiße Absperrbänder. Zwar gibt es das Bier nur in der verschlossenen Flasche und den Kaffee nur im Becher, aber an Christi Himmelfahrt musste man manchmal schon anstehen an der Ausgabe. Auch einige Gerichte und Kuchen stehen auf der Karte. Gegessen und getrunken wird dann in der Wiese sitzend, ohne Maske und ohne die Verpflichtung, Telefonnummer und Namen zu hinterlassen.

Mit großem Interesse verfolge er die Resonanz bei seinen Kollegen, sagte Smolka. "Ich hoffe, dass die Vorgaben sich so ändern, dass wir sie auch umsetzen können." Vom kommenden Montag an dürfen Wirte ihre Gäste auch wieder im Restaurant bedienen und nicht nur draußen. Dann müssen sie wieder neue Spielregeln einhalten.

© SZ vom 23.05.2020

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