Wintersport Der Rodelbauer vom Ammersee

Schreinermeister Clemens Buck hat seine Leidenschaft fürs Schlittenfahren entdeckt und angefangen, sich die Sportgeräte selbst zu bauen. Nach fünf Jahren Entwicklung fertigt er seinen Schondorfer Rodel in Kleinserie und Handarbeit - das hat seinen Preis.

Von Armin Greune

Stau schon bei der Anfahrt, keine freien Parkplätze an der Talstation, aber lange Schlangen vor den Liften. Und dann ist das Vergnügen im Schnee für eine sechsköpfige Familie mit normalem Einkommen allenfalls wenige Male pro Saison erschwinglich. "Das Skifahren war mir irgendwann too much", sagt Clemens Buck. Er entdeckte das Rodeln als stressfreie und preiswerte Alternative für sich, seine Frau Nicole und die drei Söhne - nur die 18-jährige Tochter zieht da nicht mit. Und weil der Schondorfer nicht nur Schreiner und Möbelbauer, sondern auch ein begeisterter Tüftler ist, kam er auf die Idee, die Sportgeräte für die Familie gleich selbst anzufertigen.

Fünf Jahre und etliche Entwicklungsschritte später ist der Schlittenbau zwar noch kein profitabler Geschäftszweig für Buck, aber die Produktion arbeitet immerhin kostendeckend. Nachdem er 2016 erst zehn und im Jahr darauf zwölf Stück anfertigte, ist im vergangenen Jahr die erste Kleinserie von 20 "Schondorfer Rodel" entstanden. Seine Spezialanfertigungen gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln: Sechs davon hat Buck allein an den zwei Tagen des Schondorfer Christkindlmarkts verkauft - und das, obwohl er für einen Rodel 460 oder 493 Euro verlangt: In jedem Stück stecken nicht nur edle Materialien, sondern auch etwa acht Stunden Handarbeit.

Viel Tüftelei steckt in den Rodeln, die Clemens Buck baut.

(Foto: Nila Thiel)

Nicht eingerechnet sind dabei Entwicklungskosten. Trotz intensiven Studiums der Fachliteratur und höherwertiger Rodel auf dem Markt vorab sei ihm zu Beginn so mancher Konstruktionsfehler im Detail unterlaufen, sagt Buck: "Nur das Lenkverhalten war anfangs schon idea."

In der Schondorfer Werkstatt wird vier bis fünf Millimeter starkes Eschenfurnier für das Gestell selbst zugeschnitten und formverleimt. Die senkrechten Bockteile aber sind aus extrem harter Hainbuche gefertigt. Robuste Lkw-Plane aus PVC bildet die Sitzfläche, sie lässt sich mit Seilen je nach gewünschter Härte justieren und ist hinten zu einem Polster verstärkt. Gummilager zwischen Böcken und Kufen federn die Stöße bei der Fahrt ab, und auf der Oberseite des vorderen Bocks befinden sich Mulden für die Schenkel der Rodler.

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Mit einer speziellen, extrem flexiblen Aufhängung aus Lederschlaufen und einem Stahlseil mit Griff lässt sich der Rodel leicht lenken. Ganz hinten ist das Stahlprofil der Schienen nach außen abgeknickt: Auch das erleichtert es, Kurven zu nehmen, ohne viel an Fahrt zu verlieren. Für besonders rasantes Tempo empfiehlt Buck Laufflächen aus PE 1000 mit Stahlkanten anstelle herkömmlicher Stahlschienen: Das spezielle Polyethylen erfordert wenig Wartungsaufwand und hat den geringsten Gleitreibungswiderstand. Weil man aber mit PE-Laufflächen nicht an Wettbewerben teilnehmen darf, sind sie am Schondorfer Rodel mit Gewindestiften durch die Kufen geschraubt und lassen sich gegen Stahlbeläge auswechseln. Am 13. Januar stellt sich das Gefährt beim Stubaier "Rodeltestival" dem Fachpublikum und der Konkurrenz.

"Es ist eine Mischung aus Sport- und Tourenrodel", erläutert der Konstrukteur: Die Neigung der Kufen liege mit 23 Grad in der Mitte zwischen Alltags- und Rennfahrzeugen. Mit einer Höhe von maximal 23 Zentimetern wirkt Bucks Schlitten ziemlich schnittig, obwohl sich der Schreiner für eine "eher nostalgische Form" mit weit nach oben gebogenen Hörnern entschieden hat. Die bunt gemusterten Sitzflächen sind mit einer modernen Interpretation eines Einhorns, des Schondorfer Wappentiers, bedruckt; bei der Gestaltung hat eine Designerin mitgewirkt. An der Seite trägt eine Kufe das Brandzeichen von Bucks "Formschön"-Werkstatt. Dort können die Rodel auch repariert werden, falls doch einmal etwas zu Bruch gehen sollte.

Jeder trägt eine individuelle Serien-nummer, auch Sonderwünsche wie Zierleisten aus Nussbaum sind möglich.

(Foto: Nila Thiel)

In dem Gewerbegebiet an der Bergstraße hängt auch der Prototyp des Schondorfer Rodels an der Wand. Buck hatte den Erlkönig aus Restholz zusammengesetzt und ist darauf mit seinem heute zehnjährigen Bub Lazar am Buchenberg bei Halblech durch Schnee und Wind geritten. Dessen 20-jähriger Bruder Camillo, der bei einem Raistinger Kollegen die Schreinerlehre absolviert hat, und Azubi Johannes Auernhammer legen nun bei der Rodelfertigung mit Hand an. Für die technische Optimierung aber ist weiter Buck selbst zuständig: Zuletzt hat er etwa das Lenkseil in beide Richtungen begrenzt, damit es nicht mehr auf den Boden fallen kann. Wenn er beispielsweise über Kufenneigung und -profil spricht, wird klar, wie viel geistige Arbeit in seinem Rodelprojekt steckt.

Die "Formschön"-Werkstatt ist vor acht Jahren an Bucks Wohnort Schondorf gezogen und kann über Auftragsmangel nicht klagen. Ein weiterer Meister, zwei Gesellen, eine Gesellin und zwei Azubis sind derzeit in Schondorf beschäftigt; der Chef sucht nach weiteren Fachkräften.

Die Hälfte des Jahresumsatzes macht Terrassen- und Möbelbau aus, die andere Hälfte bringt der von Buck 2009 entwickelte Garten-Kubus ein: Das markante, würfelförmige Gerätehäuschen lässt sich im Baukastenprinzip bis zum Büro oder Haus im Kleinformat - im Fachjargon Tiny House genannt - mit Strom und Heizung ausbauen. Der Schondorfer Rodel schlägt sich in der Betriebsbilanz nicht merklich nieder und wird vielleicht immer eher ein Hobby bleiben, aber das macht Buck nichts aus: "So etwas hält mich zwischen der ganzen Auftragsarbeit am Leben", sagt der 48-Jährige und lacht.

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