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Unwetter im Landkreis Starnberg:Hagelsturm richtet Millionenschaden an

Schondorf Sturmschaden

Mindestens 80 Mal sind die Feuerwehren im Kreis wegen des Unwetters ausgerückt.

(Foto: Georgine Treybal)

Am Ammersee wütet das Unwetter besonders stark - zwei Gärtnereien werden fast komplett zerstört.

Der heftige Hagelsturm am Pfingstmontag hat im Landkreis Starnberg und am Westufer des Ammersees katastrophale Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Zwei Gärtnereien wurden nahezu komplett zerstört. Auto- und Dachfenster wurden durchschlagen, Bäume sind umgestürzt, im Ammersee und im Starnberger See kenterten mehrere Boote. Am Ammersee waren alle Wasserwachten im Einsatz, dort gerieten 13 Segelboote in Seenot. Der S-Bahn-Verkehr auf der Linie 8 nach Herrsching war noch am Dienstag beeinträchtigt. Allein in Inning sei ein Millionenschaden entstanden, schätzt Bürgermeister Walter Bleimaier. Am Ammerseewestufer erwischte die Hagelwalze vor allem Schondorf und Utting.

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitteilt, waren von dem Unwetter besonders der südliche Landkreis Fürstenfeldbruck, der östliche Landkreis Landsberg sowie der nördliche Bereich des Landkreises Starnberg betroffen, ebenso der Starnberger See und der Ammersee. Die Feuerwehren im Kreis hatten an dem Abend mindestens 78 Einsätze wegen des Unwetters, teilt Kreisbrandinspektor Anton Graf mit. Schwerpunkt war demnach der Gemeindebereich Inning mit 48 Einsätzen. Ausgerückt sind nach Angaben der Kreisbrandinspektion auch Rettungskräfte aus Buch, Unterbrunn, Oberbrunn, Pöcking, Krailling, Hochstadt, Oberalting, Steinebach, Weßling, Breitbrunn, Herrsching, Etterschlag, Walchstadt, Gilching, Hechendorf, Oberpfaffenhofen.

Inning Sturm-und Hagelschaden

Mit den ersten Reparaturen ist bereits am Dienstag begonnen worden - wie hier das Dach eines Inninger Hauses.

(Foto: Georgine Treybal)

Auf der Lindauer Autobahn im Bereich zwischen Greifenberg und Weßling führte der starke Hagelschauer nach Angaben der Polizei dazu, dass gegen 17.45 Uhr mehrere Autofahrer unter Brücken anhielten und so die Fahrbahnen in beiden Richtungen zeitweise blockiert war. Per Notruf gingen Meldungen ein, dass sie nicht weiter fahren könnten, weil Hagelkörner Scheiben durchschlagen hätten. Die Tunnels bei Eching und Etterschlag wurden zeitweise wegen Überflutungen gesperrt. Zudem blockierte dort ein Fernlinienbus die Rettungsgasse, da der Fahrer bis zur nächsten Anschlussstelle fahren wollte, um die Wartezeit im Stau zu umgehen, wie die Verkehrspolizeiinspektion Fürstenfeldbruck mitteilt. Der Streifenwagen der Autobahnpolizei konnte nicht bis zum Tunnel vorfahren, sondern musste warten, bis der Bus in eine Lücke zwischen den stehenden Fahrzeugen gelotst werden konnte.

Nachdem der Tunnel Etterschlag für den Verkehr wieder freigegeben werden konnte, kamen den Polizisten auf der weiteren Fahrt zum Tunnel Eching im Bereich der Anschlussstelle Inning ein Wohnmobil mit Pferdeanhänger und zwei Autos entgegen. Die Fahrer hatten offensichtlich wegen der Sperre in Eching gewendet und wollten bis Inning zurückfahren. Erst nachdem die Geisterfahrer von der Autobahn gelotst waren, gelangte das Polizeiauto bis Eching, um dort den Verkehr mit geringer Geschwindigkeit durch den leicht überfluteten Tunnel zu führen. Den Busfahrer erwartet nun ein Bußgeld in beträchtlicher Höhe, die Geisterfahrer zusätzlich ein Fahrverbot.

Auf der S-Bahn-Linie 8 war der Abschnitt zwischen Weßling und Herrsching wegen Ästen und Bäumen in der Oberleitung bis zum Dienstagmittag gesperrt. Auf der Strecke wurde ein provisorischer Ersatzverkehr mit Großraumtaxis und Bussen eingerichtet, teilte eine S-Bahn-Sprecherin mit.

Der Strandmarkt in Herrsching ging am Montagnachmittag vorzeitig zu Ende. Auf eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes hin ließt der Veranstalter Gerd J. Jansohn das Gelände auf der Seepromenade räumen; die Besucher wurden per Megaphon-Durchsagen aufgefordert, nach Hause zu gehen. Die Verkäufer wurden rechtzeitig informiert, um ihre Stände zu sichern. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagte Jansohn am Tag danach. Einer der Aussteller habe blaue Flecken am Rücken und den Oberarmen davongetragen, als er sich schützend über ein Kind beugte, um es in einem Toilettenwagen in Sicherheit zu bringen. Das zeigt, wie heftig der Hagelschlag war.

Auf dem Ammersee sowie auf dem Starnberger See kenterten nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern mehrere Boote. Auf dem Wörthsee und dem Pilsensee hat die Wasserwacht mehrere Elektroboote in Sicherheit gebracht, berichtet Sprecher Markus Schmolz. In der Herrschinger Bucht musste die Feuerwehr ausgelaufenes Öl mit speziellen Tüchern aufsaugen, teilt Kommandant Daniel Pleyer mit. Die staatliche Seenschifffahrt sei glimpflich davongekommen, sagte Prokurist Marcus Weisbecker. Auf dem Starnberger See seien an den Schiffen keine Schäden zu verzeichnen, auf dem Ammersee hätten einzelne Stahldächer Dellen davongetragen, der Fahrbetrieb sei aber nicht beeinträchtigt worden. Während des Unwetters hätte ein Schiff den Steg in Stegen angesteuert, dort habe der Kapitän zehn Minuten lang gewartet, bis die Hagelwalze weitergezogen war, erzählt Weisbecker. Nach dem Hagelsturm verschaffte sich die Wörthseer Bürgermeisterin Christel Muggenthal einen Überblick über die Schäden. Viele Solarmodule und Dachfenster seien kaputt gegangen, die Aluleisten an der Schule beschädigt worden. Der Keller des Feuerwehrhauses in Steinebach stand 30 Zentimeter unter Waser, weil die riesigen Hagelkörner die Abläufe verstopft hatten. Auch ein Tor sei stark eingedellt worden, berichtete sie am Dienstag.

In Schondorf musste die Feuerwehr mehr als 50 Einsätze absolvieren: Wasser wurde aus überschwemmten Kellern und Straßen abgepumpt, zerstörte Dächer mit Folien provisorisch abgedeckt. Unterstützung kam dabei von den Dießener Kollegen, die mit einer langen Drehleiter ausgestattet sind und von einem Schondorfer Betrieb, der eine Hubbühne zur Verfügung stellte. "Aber insgesamt waren unsere Einsätze eher marginal, die meisten Betroffenen haben in Eigeninitiave oder Nachbarschaftshilfe selbst aufgeräumt", sagt Feuwehrkommandant Florian Gradl. Die bis zu fünf Zentimeter großen Hagelkuglen hätten in Schondorf mehrere hundert Autos stark beschädigt, viele Scheiben und Schiebedächer gingen zu Bruch. In der Uttinger Gärtnerei von Josef Streicher sind nicht nur alle Glashäuser, sondern auch die vier Folienhäuser zerstört. "Es war schlimmer als 1984", sagt der Inhaber der Gärtnerei. Beim Unwetter versuchte er noch einzugreifen, musste sich dann aber unter einen Türstock retten: "Vor mir prasselte der Hagel herunter, hinter mir die Glasscheiben". Der Betrieb laufe weiter, obwohl man mit den Aufräumarbeiten noch drei Wochen beschäftigt sei, sagt Streicher: "Viele Nachbarn, Kollegen und Freunde helfen mit, es herrscht eine tolle Solidarität."