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Starnberger See:Bürger wehren sich gegen Wohnungsbau-Standort

Berger sammeln Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Ihrer Ansicht nach verhinderte das ein städtebauliches Desaster.

Von Sabine Bader

In Zeiten des Corona-Lockdowns ein Bürgerbegehren zu starten, zählt nicht zu den einfachsten Aktionen. German Schmidt aus Aufhausen hat sich dennoch entschlossen, Unterschriften dafür zu sammeln, dass das geplante "Wohnzentrum Osterfeld" nicht östlich der Oberlandstraße, sondern an anderer Stelle gebaut wird. Mehr als 200 Befürworter stehen nach seinen Angabe bereits auf der Liste. Damit das Bürgerbegehren erfolgreich ist, müssten laut Gemeinde rund 630 Berger unterschreiben. Die Initiatoren sammeln weiter.

"Es bedrückt mich schon, dass ohne Not dieser wunderbare Teil unserer Landschaft geopfert werden soll", sagt Schmidt. Er ist nicht gegen den Sozialbau als solchen, er will ihn nur an anderer Stelle, etwa auf dem gemeindlichen Grundstück gegenüber verwirklicht sehen. "Wir handeln nicht nach dem Sankt-Florian-Prinzip", sagt der 84-jährige Jurist.

Zu den Befürwortern seines Vorstoßes zählt auch Landschaftsarchitektin Ingrid Liebald. Sie hält die Planung städtebaulich für "ein absolutes Desaster". Dabei findet auch sie es "sozialpolitisch absolut richtig und notwendig", günstigen Wohnraum in Berg zu schaffen. Nur: "Bitte nicht an dieser Stelle." Mit "dieser Stelle" meint sie das geplante Baugrundstück am Osterfeld zwischen Aufkirchen und Aufhausen nahe der Himmel-Mutter-Kapelle. Durch das Projekt würden ihrer Ansicht nach die beiden Ortsteile zu einem "undefinierten Konglomerat" verschmelzen. Großes Ziel in der Entwicklung im ländlichen Raum sei es jedoch, klare Grenzen zwischen den einzelnen Dörfern beizubehalten. Liebald: "Dies ist eine der wenigen Stellen, an denen man raus ins Land gucken kann." Zudem liegt das Areal im Landschaftsschutzgebiet. Damit das Vorhaben des Verbands Wohnen überhaupt möglich wird, muss die Fläche vom Kreistag Starnberg aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden. Das Verfahren läuft.

Liebald kann nicht verstehen, warum die Gemeinde dieses Geländes favorisiert und nicht auf das 24 400 Quadratmeter große Grundstück auf der anderen Straßenseite ausweicht. Es gehöre ebenfalls der Kommune und liege nicht im Landschaftsschutzgebiet, sagt sie. Es ist nach ihrer Ansicht wesentlich besser geeignet, da die beiden Ortsteile weiterhin getrennt blieben. Das Argument, man habe bereits viel Zeit und Geld in die Planung investiert, greift für sie nicht, schließlich könne man "die gelungene Planung in der gleichen Art auch drüben verwirklichen". Darum hat sie einen optischen Vergleich beider Möglichkeiten im kleinen Maßstab angefertigt. Natürlich ist auch ihr bewusst, dass der Protest reichlich spät kommt. "Aber nicht zu spät." Sie glaubt: "Noch ist Zeit."

Das sieht Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger anders: "Wir sind jetzt schon im zeitlichen Verzug." Der Rathauschef verweist auf den in Aufstellung befindlichen Bebauungsplan, der mittlerweile satzungsreif sei. Jetzt warte man darauf, dass die Entnahme des Geländes aus dem Landschaftsschutz abgeschlossen werde und das Landratsamt seine Zustimmung erteile. Derweil treibt der Bauherr, der Verband Wohnen, die Ausführungsplanung für die 30 Sozialwohnungen voran. Steigenberger schätzt, dass im Frühjahr 2022 mit dem Bau begonnen werden kann. Das sei bei einem Wechsel auf das gegenüber liegende Grundstück nicht möglich, glaubt er. Für die bisherige Planung östlich der Oberlandstraße spricht für ihn auch, dass die künftigen Bewohner die Läden in Aufkirchen erreichen können, ohne die Staatsstraße zu überqueren. Grundschüler haben einen sicheren Schulweg, und der Kinderspielplatz ist gleich nebenan an der Schwedenstraße. Pläne für das Gelände westlich der Oberlandstraße, das überdies als Regionaler Grünzug eingetragen ist, hat die Gemeinde laut Steigenberger nicht.

© SZ vom 13.01.2021
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