bedeckt München
vgwortpixel

Starnberger See:Früherer Andechser Klosterwirt soll Tutzinger Promilokal übernehmen

Die Augustiner-Brauerei will das Restaurant im Midgardhaus mit Biergarten betreiben. Als Nachfolger des Wirts Fritz Häring ist Alexander Urban im Gespräch.

Im Prinzip wären sich beide Seiten längst einig: Die Augustiner-Brauerei will das denkmalgeschützte Midgardhaus direkt am Starnberger See in Erbpacht übernehmen - und die Gemeinde Tutzing als Eigentümerin könnte sich auch niemand Besseren für die Immobilie vorstellen. Seit etwa einem Jahr wird auch bereits verhandelt, entsprechende Verträge sind jedoch noch nicht unterzeichnet. Das scheint aber bevorzustehen - zumindest wird sich der Bauausschuss an diesem Dienstag schon mal eingehend mit den Umbauplänen der Brauerei für das Areal befassen. Auch ein möglicher Nachfolger für Wirt Fritz Häring, der nach mehr als 30 Jahren Ende des Jahres aufhören wird, ist bereits im Gespräch: Es handelt sich um Alexander Urban, der den Klostergasthof in Andechs bis Ende 2018 ebenfalls fast 30 Jahre geführt hatte.

Das Midgardhaus direkt am Starnberger See in Tutzing schätzen Prominente, Einheimische und Touristen gleichermaßen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Konkret wird es am Dienstag um zwei Bauanträge gehen. So will die Brauerei in einem ersten Schritt die Biergartenausgabe umbauen und die bislang recht große Garage dort vorerst als WC-Anlage und Lager nutzen. Erst in einem zweiten Schritt soll dann laut Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald (Freie Wähler) diese Garage, "ein bislang recht unauffälliger gemauerter Stadl, wenn Sie so wollen", abgerissen und an seiner Stelle ein Festsaal nebst Verbindungsfoyer gebaut werden. "Eine Art Salettl", sagt Greinwald und betont, dass das "eigentlich schon alles ist, was die Brauerei gern ändern will". Die Aussichten, dass diese Wünsche auch umgesetzt werden können, schätzt sie als "sehr gut" ein. Die Pläne seien in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde und unter steter Einbeziehung des Gemeinderats entstanden, sagt sie: "Wir haben dafür ein beratendes Gremium mit Mitgliedern aller Fraktionen gebildet." Für eine Vertragsunterzeichnung fehlen demnach offenbar nur noch diese Baugenehmigungen - so könnten ihre Äußerungen dazu zumindest verstanden werden.

Andechs Klostergasthof Auszug & Flohmarkt

Alexander Urban hat längst den Klostergasthof Andechs verlassen - er würde nun gern nach Tutzing gehen.

(Foto: Nila Thiel)

Auch seitens der Brauerei fallen ähnliche Sätze: "Wir sprechen grundsätzlich nicht gern über Pläne, für die es noch nicht einmal einen Vertrag gibt", sagt Brauerei-Geschäftsführer Martin Leibhard zwar, aber auch, dass es mit den Bauanträgen darum gehe, Planungssicherheit zu bekommen. Augustiner hatte das Midgardhaus in den vergangenen Jahren mit Bier beliefert. Dass die Brauerei nun schon seit einem Jahr über einen Erbpachtvertrag verhandele, sei "bei einem Objekt wie diesem" nicht lange: "Gut Ding will Weile haben." Das dürfte aber nicht nur den Umbauplänen geschuldet sein, sondern auch dem Erbpachtvertrag von Fritz Häring: Er selbst will zwar Ende des Jahres aufhören, sein Vertrag mit der Gemeinde läuft aber noch bis 2038. Dieser muss nun erst aufgelöst werden, bevor die Gemeinde einen neuen Vertrag abschließen kann. Auch dies dürfte einige Zeit gekostet haben.

Löwenstark

Die prominenten Löwen vor dem Midgardhaus stehen künftig offiziell auf Tutzinger Gemeindegrund. Das maximal ein Meter breite Flurstück bis zum Surfer-Bootshaus weiter nördlich ist in Privatbesitz und oblag bisher der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Es wurde im Jahr 1925 künstlich aufgeschüttet, damals aber nicht -wie andernorts üblich - in die Ufergemeinde eingegliedert. Das Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung hat den Schnitzer jetzt entdeckt - im Zuge der Verhandlungen mit einem neuen Pachtinteressenten für das Midgardhaus. Der Gemeinderat stimmte der "hoheitsrechtlichen Umwidmung" zu. Damit ist gewährleistet, dass Tutzing das Zugriffsrecht hat, wenn es um öffentliche Sicherheit und Ordnung und städteplanerische Belange geht. Das private Besitzrecht ist nicht tangiert. Die beiden Löwen sind somit endlich eingemeindet. manu

Erst wenn all diese Hürden genommen sind - Brauerei und Gemeinde hoffen bis spätestens Ende 2019 -, kann sich die Brauerei auch offiziell einen neuen Wirt für das Objekt suchen. Gespräche werden bereits geführt - auch mit Alexander Urban, der bis Ende 2018 den Klostergasthof Andechs gepachtet hatte. "Es gibt natürlich immer auch andere Kandidaten, aber Alexander Urban ist gut und frei", sagt Leibhard. Und auch Urban selbst bestätigt, mit Augustiner in Kontakt zu stehen und Interesse am Midgardhaus zu haben: "Ein guter Platz, um Heimat zu finden." Bürgermeisterin Marlene Greinwald wäre von Urban als neuem Wirt begeistert: "Die Leute kennen ihn ja schon, es wäre schön, wenn er nach Tutzing käme."

Tutzing Promi-Wirt Fritz Häring hört auf

Starnberger See

Promi-Wirt Fritz Häring hört auf

Bei dem Fernsehkoch geben sich Stars seit mehr als 30 Jahren die Klinke in die Hand. Sein Midgardhaus in Tutzing soll nun eine Münchner Brauerei übernehmen.   Von Manuela Warkocz