Klimawandel:So wenig Wasser wie seit vier Jahren nicht

Klimawandel: Am Starnberger See trennen den Wasserspiegel lediglich noch neun Zentimeter vom niedrigsten Stand, der in den vergangenen 114 Jahren jemals gemessen wurde.

Am Starnberger See trennen den Wasserspiegel lediglich noch neun Zentimeter vom niedrigsten Stand, der in den vergangenen 114 Jahren jemals gemessen wurde.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Pegelstand im Starnberger See ist so niedrig wie zuletzt 2018. Im Gegensatz zum übrigen Bayern leidet der Landkreis Starnberg bislang aber noch nicht unter sommerlicher Dürre. Dennoch sind Seenspiegel und Grundwasserstände auch im Fünfseenland deutlich gesunken.

Von Armin Greune

Mehr als die Hälfte Bayerns wird derzeit von extremer Dürre heimgesucht, vor allem Franken ist betroffen. Aber auch weite Bereiche Oberbayerns werden im aktuellen Niederschlagsindex des Landesamtes für Umwelt (LfU) als sehr trocken eingestuft. Das Fünfseenland gehörte bis Anfang dieser Woche noch zu den wenigen Regionen im Freistaat, deren Wasserhaushalt als "normal" galt. Damit ist es nun vorbei: Seit diesem Mittwoch fällt auch das Fünfseenland in die Kategorie "mäßig trocken", die südlichen Uferbereiche des Starnberger Sees sind schon "sehr trocken".

Der Wasserspiegel des zweitwasserreichsten Sees Deutschlands hat sich seit Jahresbeginn um 27 Zentimeter abgesenkt. Am Pegel Starnberg werden inzwischen nur 45 Zentimeter gemessen - lediglich neun Zentimeter mehr als das absolute Minimum der vergangenen 114 Jahre. Einen niedrigeren Wasserstand wies der Starnberger See zuletzt im November 2018 auf. In einem durchschnittlichen Sommer sinkt das Niveau nicht unter 59 Zentimeter. Auch der Ammersee ist zwar ebenfalls auf dem niedrigsten Stand seit Jahresbeginn, aber dort halten sich heuer die Schwankungen mit 17 Zentimeter in recht engen Grenzen. Im Sommer füllte die Ammer nach ergiebigeren Regenfällen am Alpenrand den See immer wieder auf und im Frühjahr blieben Hochwasser nach der Schneeschmelze oder Unwetter aus. In Stegen wird derzeit ein Pegel von 1,27 Meter gemessen; weil der See seit 50 Jahren durch eine Auslaufschwelle reguliert wird, kann das Niveau nicht mehr tiefer als 1,25 Meter fallen. Zuvor war dies freilich fast jährlich der Fall.

Auch an den Grundwassermessstellen ist der Pegelstand sehr niedrig

Außer Starnberger See, Würm und Amper weisen auch die drei LfU-Grundwassermessstellen in der Region laut Definition "sehr niedrige" Pegel auf - was bedeutet, dass dort der gegenwärtige Wasserstand unter zehn Prozent des Durchschnittwerts liegt. In der Station Unering (Gemeinde Seefeld) ist das Grundwasser seit Jahresbeginn um 25 Zentimeter zurückgegangen. An der Messstelle am Starzenbach bei Gilching steht das Wasser jetzt schon in 3,64 Meter Tiefe. Abgesehen von saisonalen Schwankungen sinkt der Pegel dort beständig: 2014 betrug er noch 1,50 Meter, zu Jahresbeginn 2022 drei Meter.

Klimawandel: Der Pegelstandsmesser an der Wassersportsiedlung in Starnberg hat momentan nicht viel anzuzeigen.

Der Pegelstandsmesser an der Wassersportsiedlung in Starnberg hat momentan nicht viel anzuzeigen.

(Foto: Georgine Treybal)

Dennoch sind die Brunnen der Gilchinger Gemeindewerke noch lange in der Lage, die Bürger mit Wasser zu versorgen. "Die Lage ist definitiv nicht besorgniserregend", sagt der Technische Leiter Albert Pfannes. Denn die Quellen bei Rottenried und am Frauwiesenweg stießen 14 Meter unter der Oberfläche auf einen 15 Meter tiefen Grundwassersee. Zwar sei der Pegel seit Dezember auch hier um 60 Zentimeter gesunken, doch derartige Schwankungen hat Pfannes in den 13 Jahren seiner Tätigkeit immer wieder erlebt.

Eine katastrophale Dürre würde sich in Dießen erst verzögert auswirken

Das Landesamt für Umwelt registriert auch laufend die Ergiebigkeit einiger Quellen. Im Fünfseenland werden dabei nur die in Bischofsried erfasst, aus denen die Gemeinde Dießen ihr Trinkwasser fördert. Dort beträgt die "Quellschüttung" - also der natürliche Wasserabfluss pro Zeiteinheit - zur Zeit 80 Liter pro Sekunde und wird von der LfU ebenfalls als sehr niedrig eingestuft. Allerdings werden derzeit nur zwei von drei Quellen genutzt und erfasst, die nördlichste leite man vorher aus, erklärt Dießens Wassermeister Michael Deininger. In der Summe stünden maximal 108 Liter/Sekunde zur Verfügung. Freilich dürfe man nur 59 l/s für die Trinkwasserversorgung entnehmen, weil sich auch die Elektrizitätswerke im Ort rechtlichen Anspruch auf Wasserkraft gesichert haben. Allerdings würden selbst jetzt maximal 35 Liter benötigt und zwölf Stunden am Tag reichten aus, um damit die Speicher zu füllen. Selbst eine katastrophale Dürre würde sich in Dießen erst verzögert auswirken, weil man auf zwei bis 15 Jahre altes Wasser zurückgreifen könne. Aber auch in Bischofsried lässt der Quellfluss gerade nach: Im Oktober sprudelten noch 85 Liter pro Sekunde, im Juni 2020 waren es freilich auch bloß 71 Liter.

Für die Quelle Mühltal verzeichnet das Landesamt mit 6,8 Liter pro Sekunde einen bislang nicht dagewesenen Mindestwert

"Vor allem fehlt im Winter der Schnee, der dann im Frühjahr taut und das Wasser allmählich in den Boden sickern lässt, während bei Starkregen das meiste abfließt", erklärt Deininger. Dennoch sei die Wasserversorgung Dießens derzeit "eigentlich sehr gut" gewährleistet. Nur wenige Kilometer östlich des Landkreises Starnberg sieht die Lage schon wieder anders aus: Für die Messstelle Mühltal zwischen Isar und Straßlach (Landkreis München) verzeichnet das Landesamt mit 6,8 Liter pro Sekunde einen bislang nicht dagewesenen Mindestwert. Und würmabwärts ist in Obermenzing das Grundwasser ebenfalls auf ein absolutes Minimum gesunken.

Selbst wenn im Fünfseenland derzeit noch keine akute Dürre eingetreten ist, rufen die Landratsämter Starnberg und Landsberg ihre Bürger weiterhin dazu auf, sparsam mit Wasser umzugehen. Dies gilt umso mehr, weil die aktuelle Wetterlage vorerst keine Regenfälle erwarten lässt. Zum ungetrübten Sonnenschein kommt noch starker Wind hinzu, der Böden und Vegetation noch rascher austrocknen lässt und zur Verdunstung von Gewässern beiträgt.

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