Gestörter Schienenverkehr:"Das dauert natürlich viel zu lange"

Gestörter Schienenverkehr: Auch am Herrschinger Bahnhof stand alles still. Die Züge sind zugeschneit und müssen technisch überprüft werden.

Auch am Herrschinger Bahnhof stand alles still. Die Züge sind zugeschneit und müssen technisch überprüft werden.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Zugverkehr im Fünfseenland ist noch immer stark beeinträchtigt. Die Bahn verweist auf die Folgen des ungewöhnlich frühen Wintereinbruchs. Doch der Fahrgastverband Pro Bahn ist fassungslos - und auch der Starnberger Landrat Stefan Frey (CSU) ist verärgert.

Von Christian Deussing und Linus Freymark, Starnberg

Am Mittwoch sind noch immer fast keine S-Bahnen und Züge im Fünfseenland unterwegs gewesen. Wann der Betrieb wieder vollständig aufgenommen werden kann, ist nach wie vor unklar. Die anhaltenden Einschränkungen im Schienenverkehr verursachen jedoch zunehmend Verärgerung - zum Beispiel bei Starnbergs Landrat Stefan Frey (CSU). "Das dauert natürlich viel zu lange", findet er. Gleichzeitig glaubt Frey: Schimpfen allein helfe nicht. Wolle man solche Situationen in Zukunft vermeiden, müsse man die Ursachen der aktuellen Lage untersuchen. Und die lägen wie so oft im Finanziellen: Seit Jahrzehnten würden dem Bahnkonzern die notwendigen Mittel fehlen, um neben dem Netzausbau auch für dessen Sicherheit zu sorgen, so Frey. Oberleitungen seien seit langer Zeit nicht ausreichend gesichert, zudem habe man es versäumt, Gelder für neue Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. "Die Investitionen in die Schienen wurden vernachlässigt", moniert der Kommunalpolitiker. "Das rächt sich jetzt."

Will man die Leute von der Straße auf die Schiene bekommen, müssten die bislang ausgebliebenen Investitionen in die Infrastruktur dringend nachgeholt werden. Diese müssten auch Vorrang vor vergünstigten Fahrkarten wie dem Deutschlandticket haben. "Wenn man nicht mit der Bahn fahren kann, bringen diese Aktionen ja nichts", erklärt der Landrat.

Warum im Landkreis Starnberg noch immer kaum ein Zug rollt, weiß Frey nicht. Auch er steht nicht in direktem Austausch mit der Bahn, sondern erhält seine Informationen vom Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV).

Seit Samstag lief auf den Strecken der Linien S 6 und S 8 zwischen München und Starnberg sowie Westkreuz und Herrsching nichts mehr. Erst am Mittwochnachmittag nahm die Bahn auf der Linie S 6 schrittweise wieder den Betrieb auf. Am Mittag wurde zwischen Westkreuz und Herrsching ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Nichts geht aber weiterhin auf der Strecke der Bayerischen Regiobahn (BRB) zwischen Geltendorf und Schongau westlich des Ammersees.

Aufgrund der "großen witterungsbedingten Schäden" müsse man dort bis mindestens Freitagnacht mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen, teilte die BRB mit. Für die Ammerseebahn würden jetzt die Flugbilder eines Helikopters seitens der DB-Netz AG ausgewertet und an die Einsatztrupps verteilt. Zudem sei das Technische Hilfswerk (THW) angefordert worden, berichtete die BRB.

Gestörter Schienenverkehr: Auch Züge der Ammerseebahn- wie hier in Utting - stehen noch still.

Auch Züge der Ammerseebahn- wie hier in Utting - stehen noch still.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ein Bahnsprecher verwies auf den "ungewöhnlich starken Wintereinbruch" und erklärte, dass Bäume unter der Last von Eis und Schnee auf Gleise und Oberleitungen gestürzt seien. Doch das allein lässt der Fahrgastverband Pro Bahn für das Chaos nicht gelten, von dem Zehntausende Menschen täglich im Regionalverkehr betroffen sind. Leider zeige sich erneut, dass die "Infrastruktur der DB überhaupt nicht mehr resilient gegen äußere Einflüsse wie zum Beispiel Wettereignissen ist", klagt Norbert Moy von der Pro-Bahn-Region Oberland. Er kritisiert, dass permanente Störungen und Ausfälle im Bahnbetrieb bei schlechtem Wetter zu einem "massiven Vertrauensverlust der Kundschaft geführt" habe.

Unterdessen erklärte eine Bahnsprecherin, dass noch viele Züge von Schnee und Eis befreit und repariert werden müssten. Es werde daher vor allem im Regionalverkehr auch in den nächsten Wochen zu Einschränkungen kommen, so die Sprecherin. Gleichzeitig seien aber mehr als 1500 Mitarbeitende der DB und von beauftragten Unternehmen unermüdlich im Einsatz, um schrittweise weitere Bahnstrecken in Betrieb zu nehmen.

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