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Coronavirus im Landkreis Starnberg:Maske auf oder Geld her

Unerlaubte Partys und ignorierte Quarantänepflicht: Die Polizei erstattet seit Beginn der Pandemie 650 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Einschränkungen. Das Landratsamt kassiert 80 000 Euro an Bußgeldern.

Von Carolin Fries und Christian Deussing

Fahrgäste wollen ohne Maske auf den Ausflugsdampfer, ein Mann weigert sich in einer Postfiliale Mund und Nase zu bedecken oder aber Wirte, Bedienungen und deren Gäste nehmen es mit den Corona-Regeln nicht allzu genau: In etwa 650 Fällen haben die Polizeidienstellen seit den Ausgangsbeschränkungen Ende März im Landkreis Starnberg Anzeigen wegen Verstößen gegen die Allgemeinverfügung erstattet. Das Landratsamt hat bereits 437 Bußgeldbescheide zwischen 75 und 5000 Euro erlassen.

Auch wenn die große Mehrheit der Menschen im Fünfseenland sich einsichtig und solidarisch zeigt, was die Einschränkungen betrifft: Regelmäßig stellt die Polizei Verstöße fest. Partys werden ohne nötigen Abstand gefeiert oder die häusliche Isolierung wird ignoriert, wie bei einem Ehepaar aus Herrsching, das sich laut Polizei nach einer Reise nicht an seine Quarantäne-Pflicht gehalten hat. Gelegentlich lasse man die Einhaltung der angeordneten Quarantänemaßnahmen kontrollieren, sagt Landratsamtssprecherin Barbara Beck. Das Ergebnis: "Verstöße gab es." Die entsprechenden Bußgeldbescheide würden noch erlassen.

Allein im Starnberger Inspektionsgebiet wurden der Kreisbehörde bisher 233 Verstöße verschiedener Art gemeldet - anfangs seien dies vor allem sogenannte Corona-Partys und Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen gewesen, berichtet Starnbergs Polizeichef Bernd Matuschek. In Gauting sind bislang 157 Fälle aktenkundig - allein 26 Mal wurden auf dem Bahnhofsgelände keine Masken getragen. Inzwischen sind hierfür 250 Euro statt 150 Euro fällig. Zu insgesamt 14 Anzeigen kam es aufgrund von Verstößen in Gaststätten und Geschäften, weil dort mit den Schutz- und Hygieneauflagen "sehr lasch umgegangen" worden sei, sagt Ernst Wiedemann, Leiter der Gautinger Polizeiwache. In Dießen gab es bislang 54 Anzeigen.

In Gilching wurden insgesamt 175 Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz registriert: Zum Beispiel wurde 67 Mal gegen die Ausgangsbeschränkungen und zehn Mal gegen die Maskenpflicht verstoßen, wie die Polizei berichtet. 55 Mal sei man wegen verbotener Ansammlungen eingeschritten. Einem Imbissbetreiber wurde Anfang April untersagt, auch im Außenbereich seine Gäste zu bedienen.

Sehr zufrieden äußert sich die Sprecherin des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) über die Disziplin der Fahrgäste im regionalen Busverkehr im Landkreis Starnberg. Kontrollen hätten im August ergeben, dass sich im "Tageswert 95 bis 100 Prozent" an die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung hielten. Eine ähnlich hohe Quote gibt es laut Bahn auch in den S-Bahnlinien S 6 und S 8 im Landkreis. Die meisten Fahrgäste würden sich an diese Verpflichtung im öffentlichen Nahverkehr halten, so ein Bahnsprecher.

Nach und nach werden die Fälle im Landratsamt abgearbeitet - was durchaus lukrativ ist. So haben die Corona-Bußgelder bislang mehr als 80 000 Euro in die Kreiskasse gespült, wie Beck sagt. Von den insgesamt 437 Bußgeldbescheiden richteten sich 264 an Personen, die ihre Wohnung während der Ausgangsbeschränkungen ohne triftigen Grund verlassen hatten. In 127 Fällen wurden unerlaubt Personen getroffen. 20 Mal verhängte die Kreisbehörde eine Geldbuße, weil kein Mund-Nasen-Schutz getragen wurde, zehn Mal wegen Feierns auf öffentlichen Plätzen. Sechs Personen wurden belangt, weil sie unerlaubt eine öffentliche Veranstaltung durchgeführt oder daran teilgenommen haben. Von den Gewerbetreibenden wurden zehn Betriebe wegen Verstößen belangt.

© SZ vom 29.09.2020

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