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Starnberg bereitet Öffnungen vor:Ab in den Biergarten!

Frühlingswochenende - Ausflügler am Starnberger See

Ausflügler am Starnberger See: Bald könnten auch die Schiffe wieder fahren, der niedrigen Inzidenz sei Dank.

(Foto: dpa)

Starnberger See und Ammersee melden seit Tagen mit die niedrigsten Inzidenzen in Bayern. Wenn das so bleibt, stehen in wenigen Tagen Lockerungen an. Wirtshäuser, Kinos, Hotels und Schifffahrt bereiten sich vor.

Von SZ-Autorinnen und Autoren

Das Fünfseenland macht sich locker - nach Monaten der Entbehrungen, Schließungen und Verbote. Von Montag an locken Biergärten, Kinos, Kultur und womöglich die Schifffahrt, elf Tage später die Hotels. All das darf öffnen, wenn Besucher Corona-Regeln wie Abstand, Maske und Testpflicht einhalten und die Inzidenz stabil unter dem Grenzwert von 100 bleibt.

Danach sieht es derzeit aus. Der Landkreis Starnberg hat sich wie auch das Westufer des Ammersees im Landkreis Landsberg zum Niedriginzidenzgebiet entwickelt: Die Werte rangieren seit Tagen unter 100. Starnberg liegt am Mittwoch bei 68,0, Landsberg sogar bei 61,5 - mit die niedrigsten Inzidenzen in Bayern.

Starnbergs Landrat Stefan Frey (CSU) macht das stolz. Die Inzidenz sei Verdienst der Menschen, die sich dank Selbstdisziplin "so gut" an der Bekämpfung der Pandemie beteiligten. Er will alle Öffnungen ermöglichen, hat sich sogar schon am Montag nach den allerersten Ankündigungen nach den Modalitäten erkundigt. "Die Bereiche hatten genug zu leiden", sagt er. Jetzt gelte es, "die Gelegenheit beim Schopf zu packen". Wenn sich die Möglichkeit ergebe, würde er selbst gern mit seiner Frau mal wieder im Biergarten vorbeischauen.

Dafür darf die Inzidenz in den kommenden Tagen die 100 nicht reißen. Frey bleibt optimistisch: Dank immer mehr Impfungen setzt er auf ein "stabiles Geschehen".

Einer Ausflüglerwelle sieht der Landrat gelassen entgegen, obwohl das Fünfseenland die niedrigsten Inzidenzen rund um München meldet. "Wenn schönes Wetter ist, sind unsere Seen dicht. Egal, ob dort jemand einen Aperol trinken darf oder nicht."

Es geht wieder aufwärts im "Seehof"

Herrsching: Seehof - Gerda Reichert

"Seehof"-Gastronomin Gerda Reichert: "Wir fangen langsam an".

(Foto: Nila Thiel)

Wenn man Gerda Reichert vom "Seehof" in Herrsching am Ammersee zuhört, dann spürt man förmlich, wie sehr es die Wirtin in den Fingern juckt, endlich wieder Gäste empfangen zu dürfen. Auch wenn dies vorerst nur in ihrem Biergarten sein wird und sie damit rechnet, nur maximal die Hälfte ihrer 300 Plätze dort belegen zu dürfen: "Aber ich freu' mich narrisch drauf", sagt sie. Eine gewisse Vorsicht ist ihr nach mehr als einem halben Jahr Schließung aber auch anzumerken: "Wir fangen langsam an, erst einmal rein mit unserem Selbstbedienungsbereich."

Denn für sie gilt es nun, sich in dieser Woche auf die Öffnung vorzubereiten. Was das im Detail bedeutet, kann sie am Dienstag unmittelbar nach der Kabinettsentscheidung noch nicht sagen, nur eines: "Ich werde erst einmal die 23 Mitarbeiter anrufen, die ich noch habe, wovon derzeit 15 in Kurzarbeit sind. Ich muss ja wissen, ob die dann auch wirklich für mich arbeiten wollen." Natürlich müssen auch die Tischgarnituren aufgestellt und natürlich die neuen Verfügungen des Landratsamts studiert werden, die noch ausstehen: "Ehrlich gesagt, ich weiß im Moment nicht genau, wie wir das alles umsetzen werden und müssen, nur eines: Das Gröbste haben wir jetzt überstanden, jetzt geht es wieder ein bisschen aufwärts."

Doch ob sie ein spezielles Biergartentisch-Reservierungssystem einführt und wie das genau funktionieren könnte, ob sie sich nur Impfpässe vorlegen lassen darf oder wie sie mit Genesenen umgehen soll, das weiß Gerda Reichert noch nicht. In einem Punkt ist sie allerdings bestens vorbereitet: auf die Testpflicht. Bereits vor einem Monat hat sie einen Teil ihrer Gaststuben für ein Corona-Schnelltestzentrum zur Verfügung gestellt. Eine Investition, die sich nun lohnen könnte: "Es ist beruhigend, das im Haus zu haben. Für meine Mitarbeiter wie für meine Gäste."

Leinen los möglichst am Montag

Michael Grießer, Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt: "Entscheidend ist für uns, wo unsere jeweiligen Heimathäfen liegen".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Für Michael Grießer steht bereits so gut wie fest: Die diesjährige Schifffahrtssaison wird heuer am Starnberger See und am Ammersee eingeläutet - und wenn es nach ihm ginge, gleich am Montag. "Und wenn wir wirklich ablegen können, dann freut uns das sehr", sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt - wenngleich er seine Emotionen als "noch hin- und hergerissen" beschreibt. Denn an all den anderen Seen, für deren Dampfer er verantwortlich ist, also Tegernsee, Chiemsee und Königssee, sind die Inzidenzen noch zu hoch, um in die Saison starten zu können: "Anders im Landkreis Starnberg: Entscheidend ist für uns, wo unsere jeweiligen Heimathäfen liegen und nicht, wo wir zudem auch anlegen." Wie etwa am Starnberger See auch in Gemeinden des Landkreises Weilheim-Schongau oder am Ammersee im Landkreis Landsberg.

"So lange die Inzidenz in Starnberg unter 100 ist, gilt für uns, was dann für die Außengastronomie gilt", erklärt er, auch wenn es derzeit keine Gastronomie auf den Schiffen geben wird: "Aber nachdem wir inzidenzunabhängig sind, orientieren wir uns eben daran." Deshalb äußert sich Grießer auch etwas vorsichtig: "Da sind noch interne Abstimmungen nötig, und wir müssen warten, wie das Landratsamt mit dem Kabinettsbeschlüssen umgeht." Den Start am Montag will er daher als Absichtserklärung verstanden wissen. Klar ist aber, dass dann nach bereits veröffentlichtem Fahrplan gefahren wird - und noch ohne die neue Berg. Sie muss noch getauft werden. Wann? Das ist laut Grießer noch offen.

Rauf auf die Sonnenterrasse

Leoni: Hotel Leoni - Sebastian Schwarz

Hotelmanager Sebastian Schwarz: "Ich habe das Haus nur einen Monat voll erlebt."

(Foto: Nila Thiel)

"Na klar freu' ich mich", ruft Sebastian Schwarz ins Telefon. Der Hotelmanager im "Seehotel Leoni" am Ostufer des Starnberger Sees hat soeben von den geplanten Lockerungen von 21. Mai an für Hotelbetriebe bei niedrigen Inzidenzwerten erfahren. "Wir haben auch jetzt schon Reservierungen von Gästen, die immer noch auf Öffnungen gehofft haben." Der 42-Jährige würde am liebsten sofort aufsperren. Das Schwimmbad im Erdgeschoss mit Zugang zur Liegewiese am See ist frisch renoviert. "Mit unserem Hygienekonzept können wir alle Zimmer belegen, und auch auf der Sonnenterrasse ist die Bewirtung von 60 Gästen locker drin", sagt er. Wenn es nach Schwarz geht, könnten die Gäste schon jetzt auf der Terrasse Kaffee trinken. Was ihm aber Sorge bereitet: "Wir haben keine Planbarkeit. Ich hätte gerne etwas mehr Sicherheit." Schließlich müsse man bald Waren ordern.

Als Schwarz in Leoni anfing, kam gleich der zweite Lockdown. "Ich habe das Haus nur einen Monat voll erlebt", sagt er. Seitdem läuft der Betrieb auf Sparflamme. Nur Geschäftskunden dürften hier derzeit logieren. 69 Zimmer und Suiten hat das Haus, viele davon mit Seeblick, momentan sind im Durchschnitt fünf bis zehn davon pro Tag belegt. "Davon kann man nicht leben", sagt er. "Damit ist keine schwarze Null zu verdienen." Zwischen 109 und 119 Euro kostet das Einzelzimmer für Geschäftsleute derzeit pro Nacht und Person. Das ist natürlich kein Vergleich zur normalen Urlaubssaison. Wer da im Hotel Leoni logiert, der muss für des Doppelzimmer mindestens 220 Euro pro Nacht einkalkulieren.

Applaus im Bosco

Gauting: Bosco:  Absagen wegen des Coronavirus

Kulturzentrum Bosco: Die Vorhänge öffnen sich nun wohl schneller als geplant.

(Foto: Nila Thiel)

Die Freude ist riesig im Bosco und sie kommt vor allem überraschend: Die Vorhang kann sich wieder öffnen. "Wir haben nicht mehr so schnell damit gerechnet", sagt Thomas Hilkert, Vorsitzender des Vereins Theaterforum, der das Gautinger Kulturzentrum verwaltet. Fast sechs Monate, seit dem 16. November, musste es geschlossen bleiben. Ob bereits das Theaterstück "Der Gott des Gemetzels" auf die Bühne kommt, das von Montag bis Mittwoch auf dem Programm steht?

Das Bosco werde das Münchner Ensemble "Wirtshausmannschaft" fragen, ob es sich dazu in der Lage sehe, sagt Hilkert. Aber ob bis dahin die neuen Hygieneregeln bekannt, geschweige denn umgesetzt sind? Masken, Abstand, Tests? Hilkert bleibt skeptisch. Ganz abgesehen davon, ob die Karteninhaber kurzfristig erscheinen können und wollen. Nichtsdestoweniger bleibt die Öffnung nur eine Frage der Zeit. "Wir fiebern dem entgegen", sagt Hilkert. "Denn so macht es keinen Spaß." Gesetzt ist dagegen das Konzert aus der Reihe "Gauting.live" am Freitag kommender Woche, 14. Mai, mit den Gruppen Embryo und Joel Frederiksen & Domen Marinčič - der vorerst letzte Livestream aus dem Bosco.

Tretboot ahoi

Seeshaupt: Bootsverleih Andreas LIDL

Bootsverleiher Andreas Lidl: "Wir würden ja gern wieder anfangen".

(Foto: Nila Thiel)

Eine Runde mit dem Tret-, Ruder- oder Elektroboot zählt auf heimischen Seen mit zu den beliebtesten Freizeitvergnügungen im Landkreis Starnberg. Doch die Erwartungen der Bootsbetriebe an den Frühsommer sind höchst unterschiedlich: Während etwa Peter Neuner am Ammersee seinen Verleih in Herrsching schon seit Ostern geöffnet hat und an sonnigen Tagen die Nachfrage kaum mehr bedienen kann, liegt die Flotte von Andreas Lidl in Seeshaupt am Starnberger See coronabedingt weiterhin auf dem Trockenen.

"Ich weiß im Moment nichts, wir müssen uns noch informieren", sagt Lidl. "Wir würden ja gern wieder anfangen mit dem Verleih - wenn die Auflagen nicht zu groß werden." Kompliziert sei alles geworden, sagt Lidl, mit Voranmelden, Reservieren, Abstandsregeln, Masken und Tests. Dabei hatte er erst 2019 investiert und neue Wasserfahrzeuge gekauft, darunter ein "Ferrari"-Tretboot mit Rutsche. Als ein Radiosender für Bootsfahrten warb, meldeten sich Kunden, doch Andreas Lidl sagte ab: "Wir dürfen ja noch gar nicht!" Er hofft darauf, kommendes Wochenende mit Booten und SUP-Brettern ins Geschäft einsteigen zu können.

Bei Neuner indes läuft der Betrieb unter Beachtung von Abstands- und Hygieneregeln wieder; zuständig für den Ammersee ist der Landkreis Landsberg am Lech. Die Reservierung eines seiner rund 20 Wasserfahrzeuge per Telefon oder E-Mail ist allerdings nicht möglich. Wassersport zählt zu den erlaubten körperlichen Ertüchtigungen im Freien, was auch das Fahren mit Elektrobooten mit einschließt.

Hauptsache Kino

Tutzing: Kurtheater: Kichael Teubig in der Coronakrise

Kinobetreiber Michael Teubig: "Ausgangssperre ab zehn? Da sind wir mit Filmen ab 20.15 Uhr noch nicht durch."

(Foto: Nila Thiel)

Drei Filme hat Michael Teubig vom Kino Kurtheater in Tutzing schon parat gelegt, die Sessel für den nötigen Abstand von jeweils zwei Sitzen sind im Saal noch abgeklebt - seit der letzten Vorführung am 1. November. Teubig steht "in den Startlöchern", wie er mit vorsichtigem Optimismus sagt. Er würde gern von Freitag, 14. Mai, an wieder leidenschaftliche Fans des Kurtheaters in seinem Haus begrüßen. Allerdings findet er, was er über die gelockerten Regelungen gehört hat, "noch ziemlich verwirrend". "Weiterhin Ausgangssperre ab zehn? Da sind wir mit Filmen ab 20.15 Uhr noch nicht durch." Dazu die Testpflicht. Auch wenn das Testzentrum in Tutzing nur einen Steinwurf vom Kino entfernt ist - "wer macht das am Nachmittag für einen Besuch am Abend?", fragt sich der Betreiber.

Er werde noch bis Ende dieser Woche genauere Informationen einholen und dann entscheiden. Das schon bewährte Hygienekonzept des Kinobetreiberverbands HFI käme dann wieder zum Einsatz. Die Zuschauer müssen beim Eintritt Masken tragen. Am Sitzplatz dürfen sie abgenommen und auch Popcorn und Getränke konsumiert werden. Etwa 50 von den 127 Plätzen im Kino stehen zur Verfügung. Loslegen würde Teubig mit dem Spielfilm "Die Stimme des Regenwaldes" über Bruno Manser, der 1984 in den Dschungel von Borneo abtaucht. Zudem auf dem Programm: die Komödie "Mit dem Rückwärtsgang nach vorn" und die Dokumentation "Tonsüchtig" über die Wiener Symphoniker. Teubig ist sich sicher, dass es "den Leuten relativ wurscht ist, was sie sehen". Hauptsache gemeinsames Kinoerlebnis.

© SZ vom 05.05.2021/vewo/berk/van
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