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Starnberg:Landmetzger verkauft künftig nur noch Bio-Gemüse

Unering Konradhof

Konradhof-Chef Stefan Dellinger will in diesen Wochen hundert Rinder schlachten, denn er sieht in der Fleischproduktion keine Zukunft mehr.

(Foto: Nila Thiel)
  • Kunden bedauern, dass der Betrieb in Unering nach 500 Jahren die Tierhaltung aufgibt und auf Gemüse umstellt.
  • Der Grund dafür: Aus dem alten Silo des Hofs tritt Silagesickersaft aus. Dafür kassierte der Direktvermarkter eine Strafanzeige wegen Boden- und Gewässerverunreinigung.

Hunderte E-Mails und Anrufe hat Konradhof-Chef Stefan Dellinger erhalten. Seine Kunden bedauerten, dass die Landmetzgerei die Tierhaltung nach 500 Jahren wegen der Bürokratie aufgibt, sich von den Märkten zurückzieht und auf Bio-Gemüse umstellt, sagt der 40-Jährige. Vergangene Woche wurden in Unering die Schweine geschlachtet. In diesen Wochen will Dellinger hundert Mastbullen notschlachten lassen, um das Fleisch zu vermarkten. Die restlichen hundert Rinder versucht er, noch zu verkaufen.

Ärger mit den Behörden

Der Landwirt sieht keinen anderen Ausweg mehr, er fürchtet, die Tiere nicht mehr füttern zu können. Die Kreisbörde hat ihm wegen "rechtswidriger Zustände" beim Fahrsilo Fristen gesetzt. Dellinger räumt daher nun das undichte, 43 Jahre alte Silo fast komplett aus, aus dem laut Landratsamt Starnberg Silagesickersaft offenbar schon seit längerem ausgetreten und hangabwärts auf eine Wiese geflossen ist. Dafür kassierte der Direktvermarkter eine Strafanzeige wegen Boden- und Gewässerverunreinigung. Er werde jetzt einen Anwalt einschalten, kündigt Dellinger an, der sich von den Behörden schikaniert und ungerecht behandelt fühlt.

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Denn er habe vergebens seit Jahren darauf gewartet, ein modernes Hochsilo bauen zu dürfen, um das alte zu ersetzen, sagt der Landwirt. Überdies seien Gewässerschutz und das Tierwohl seine "Passion", betont der 40-Jährige. In dem Schlachthaus, das Dellinger vor 17 Jahren für 400 000 Euro gebaut hatte, wird bald Gemüse geschält und Salat geputzt. Seine Vermarktungswege für Fleisch seien ruiniert, klagt der Konradhof-Chef. Sollte er nicht alle Bullen "fertig mästen" dürfen, entstehe ihm ein wirtschaftlicher Schaden von rund 50 000 Euro - wegen des geringeren Kilopreises. Dellinger hofft, dass die Kontrolleure der Kreisbehörde, die an diesem Dienstag das Silo erneut inspizieren, ihm eine weitere Frist gewähren. Denn der Uneringer will wenigsten noch bis zum 31. Oktober notwendiges Futter in dem Silo lagern, um die übrigen hundert Rinder, die im Stall gehalten werden, weiter füttern zu können.

Behörden sehen Verstoß gegen die Vorschriften

Dellinger hatte vor einigen Wochen beim Landratsamt angefragt, ob die Maissilage noch bis April nächsten Jahres entnommen werde dürfe - wenn er danach die Rinderhaltung aufgäbe. Doch auf diesen Deal ließ sich die Kreisbehörde nicht ein. Begründet wurde dies damit, dass der "gewässergefährdende Zustand nicht noch länger hingenommen" werden könne. Es gebe auch keine Garantie dafür, dass die "Rinderhaltung tatsächlich im April 2020 aufgegeben werde", heißt es in dem Bescheid des Fachbereichs Umweltschutz an den Konradhof-Betreiber.

Darin wird auch erwähnt, dass die starken Regenfälle vom 20. bis 22. Mai großflächig Pfützen mit Regenwasser und einem Gemisch aus Silagesickersaft gebildet hätten. Überdies wird in dem behördlichen Schreiben auf das Ergebnis einer Wasserprobe vom 8. April im Umfeld des Fahrsilos hingewiesen: Hierbei habe das Landesamt für Umwelt festgestellt, dass die Probe "stark mit Silosickersaft verunreinigt" sei. Bereits am 9. April wurde die Boden- und Gewässerverunreinigung als "Umweltstraftat" der Polizei Herrsching gemeldet, deren Ermittlungen in dem Fall andauern. Jedenfalls habe das Fahrsilo nicht den Vorschriften entsprochen, betont eine Sprecherin des Landratsamtes.

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