Raumfahrt Diese Frau spricht mit Alexander Gerst im All - auf Bairisch

Noch ist es ein Pappkamerad, doch im April sieht Berti Meisinger, Missionsdirektorin am DLR in Oberpfaffenhofen, Astronaut Alexander Gerst wieder.

(Foto: Nila Thiel)

Berti Meisinger gilt als die rechte Hand des deutschen Astronauten, von Oberpfaffenhofen aus hat sie seinen Kontakt zur Erde gehalten. Nun macht sie sich bereit für ihre letzte Mission.

Von Patrizia Steipe, Weßling

Als "Draht ins All" oder rechte Hand von Astronaut Alexander Gerst ist sie bekannt geworden. Offiziell fungiert Berti Meisinger als Missionsdirektorin der europäischen Raumfahrtbehörde ESA am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen (DLR), sie hat den Stundenplan für Gerst koordiniert. Jedes Experiment, jede Fitnesseinheit, aber auch jede Erholungsphase musste festgelegt und nicht nur mit Gerst, sondern auch mit den Partnern der internationalen Raumstation ISS abgesprochen werden.

Auch wenn die offizielle Sprache im Weltall Englisch ist, mit Alexander Gerst hat die 61-Jährige deutsch, beziehungsweise bairisch geredet. "Das versteht der Alex", sagt sie. Weil sie auch bei offiziellen Anlässen Dialekt spricht und das Bairische bis ins All ertönen ließ, wurde sie im vergangenen Jahr mit der "Bairischen Sprachwurzel" geehrt. Der Erfolg zeigt, dass man auf Bairisch genauso präzise Anweisungen geben kann wie auf Hochdeutsch - schließlich habe Gerst alle Aufgaben gemeistert, sagt Meisinger erfreut. Im April steht ein letztes Treffen auf dem Programm, eine Nachbesprechung der Mission "Horizons", die von Juni bis Dezember 2018 dauerte.

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Seit 40 Jahren ist die Frau aus Weßling am DLR im Einsatz, die vergangenen zwölf Jahre angestellt bei der ESA. Begonnen hatte sie beim DLR als eine der ersten, die ein duales Studium in den Fächern Informationstechnologie und Mathematik absolviert hatte. Im Oktober beginnt ihre letzte Mission vor der Rente. Dann ist sie für den italienischen Astronauten Luca Parmitano die Verbindung zur Bodenstation. Das ist der Raumfahrer, der 2013 bei einem Außeneinsatz im All fast ertrunken wäre, da Wasser aus dem Raumanzug in den Helm eingedrungen war. Er konnte fast nichts mehr sehen und hören und musste sich in die Raumstation zurückhangeln - dabei stieg noch nicht einmal sein Puls, erzählt Meisinger. "Er ist wirklich cool." Bereits seit Monaten bereitet Meisinger alles für den Einsatz vor. Denn nicht nur die Zeit an Bord der ISS muss getaktet werden, sondern auch auf der Erde muss alles passen. Parmitano soll beispielsweise einen Rover auf Lanzarote vom All aus steuern.

"Die Kollegen wollen immer gern mit mir arbeiten", sagt Meisinger. Die Missionsdirektorin ist für ihre klare Struktur und das straffe Zeitmanagement bekannt. "Das vermeidet Chaos", sagt sie. Schließlich müssen für die Experimente der europäischen Astronauten "viele Leute in ganz Europa verteilt" koordiniert werden.

Die Begleitung von europäischen Astronauten während ihrer Aufenthalte im All ist aber nur eines von vielen Projekten, die Meisinger bereits koordiniert hat. An den Wänden ihres Büros hängen persönliche Widmungen, Danksagungen und viele Fotos, die sie im Dirndl gemeinsam mit verschiedenen Astronauten wie Reinhold Ewald, Thomas Reiter oder Alexander Gerst zeigen. Zu den Höhepunkten ihrer Karriere zählt aber auch der Aufbau eines Kontrollzentrums in Argentinien. Das Foto mit dem südamerikanischen Team ist schon ein wenig vergilbt. Fünfmal war sie in den Neunzigerjahren dort. Am Schluss ließ sie ihr Chef alleine fliegen, um die Ingenieure auszubilden.

Mit der Zeit sei sie toleranter geworden, "ich schimpfe weniger, wenn zum dritten Mal etwas vergessen wurde", sagt sie und lacht. Meisinger hat ihre Tricks, um Partner aus verschiedenen Ländern zur Pünktlichkeit zu bewegen. Ein Flug ins All hat Berti Meisinger nie interessiert, hoch hinaus will sie aber durchaus. Berge sind ihr Element. Und damit sie bei ihren Touren nicht von schlechtem Wetter überrascht wird, holt sie sich die Wettervorhersage ihrer Kollegen aus dem DLR.

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