Jagd im Landkreis Starnberg:Halali auf die Wildsau

Die Jäger wollen nun doch mehr Schwarzwild schießen. Eine Arbeitsgruppe soll zusammen mit den Bauern Brennpunkte erfassen. Eine Drückjagd im Kerschlacher Forst steht bereits an.

Von Christian Deussing

Die Jäger müssen aufwachen und die Landwirte auch etwas tun, sonst werden immer mehr Wildschweine Felder und Wiesen durchpflügen und weiterhin massive Flurschäden im Fünfseenland anrichten. Das befürchtet der Starnberger Kreisjägervorsitzende Hartwig Görtler und verweist zudem auf die Afrikanische Schweinepest, die aus dem Nordosten Europas bedrohlich näherkommt. Auch wegen der Seuchengefahr sei es jetzt dringend notwendig, das "Phrasen-Pingpong" gegenseitiger Schuldzuweisungen zwischen Jägern und Bauern zu beenden, erklärte Görtler.

Eine "Arbeitgruppe Schwarzwild" mit Vertretern der Jägerschaft, aus Landwirtschaft, Behörden und der Staatsforsten soll nun eine wirkungsvolle Strategie entwickeln, um die Wildschwein-Population in der Region deutlich zu dezimieren. Das habe aber nur Erfolg, wenn "alle an einem Strang ziehen", betonte der Jägerchef im Landkreis, der von einem "Startschuss" sprach.

Er will mit einem Kennzahlensystem Fakten und Daten aus den 95 Revieren im Landkreis Starnberg sammeln, um "Problemzonen und Brennpunkte" systematisch in den Gebieten digital zu erfassen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Das System zeigt an, wie viele Wildschweine pro Hektar Acker- und Wiesenfläche geschossen wurden und vergleicht die Quote mit dem jeweiligen Wildschaden. Es gehe darum, die Entwicklungen der "Strecken" zu erkennen, genau hinzuschauen und "vor Ort geeignete Lösungen zu finden", erläutert Görtler.

Die Untere Jagdbehörde und das Veterinäramt begrüßten das neue Bewertungssystem, weil es bei den Planungen und der Seuchenprävention helfe. Allerdings: Bereits im Dezember hatte die Untere Jagdbehörde sämtliche Reviere wegen der Daten angeschrieben und detailliert befragt, doch nur von gut der Hälfte der Pächter gab es bislang eine Rückmeldung. Das zeige leider, dass nicht nur bei den Landwirten, sondern "auch bei den Jägern noch nicht alle begriffen haben", dass eine offene und dauerhafte Zusammenarbeit nötig sei, um Resultate zu erzielen, sagt der Jägerchef.

Es gehe um richtige Bejagungsstrategien und Lockfütterungen, aber auch um Sichtschneisen, und ob das Getreide bis zum Waldrand angebaut werden müsse, so Görtler. Mit Nachtsichtzielgeräten dürfen die Jäger bisher nicht schießen, aber Drückjagden mit Hundemeuten organisieren. Eine davon findet an diesem Freitagvormittag auf 800 Hektar im Kerschlacher Forst statt.

Diese Bewegungsjagd sei effektiv und habe sich bewährt, berichtet Mitorganisator Wilhelm Seerieder, der zudem Leiter des Staatlichen Forstbetriebs München ist. Er hält es für sehr wichtig, dass die Jagdpächter "gemeinsam und revierübergreifend" die Wildschweine bejagen, um deren Bestand zu reduzieren - wenngleich sich wegen der "hohen Verantwortung" viele Jäger vor Drückjadgen noch scheuten. Saufänge, in denen eingesperrtes Schwarzwild erlegt wird, hält Seerieder dagegen für nicht waid- und tierschutzgerecht.

Das sieht Kreisbauernobmann Georg Zankl aus Gilching anders, der prinzipiell den Saufang als ein mögliches Mittel bezeichnet, die enormen Flurschäden durch Rotten zu vermindern. Dass nun der Kreisjägervorstand mit einem Bewertungssystem die Reviere genauer unter die Lupe nehmen will, findet Zankl gut. Doch diese Strategie komme "leider fünf bis zehn Jahre zu spät", bedauert der Schweinehalter.

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