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Hilfsprojekt in Ostafrika:"Nichts ist wichtiger als Entwicklungshilfe vor Ort"

In Gikombe hat sich mittlerweile ein Wasserkomitee gegründet. Der Vorsitzende hat die erlösende Antwort, erzählt Brockhaus. Offensichtlich ist die Leitung zugewachsen. Außerdem seien im Frühjahr Arbeiter im Auftrag der Behörde dagewesen und hätten die unerschlossenen Quellen weitgehend abgedichtet, weil zu viel Wasser Teile der Bananenplantagen unterhalb des Quellbereichs zerstört hätte. Alles reparabel. Großes Aufatmen.

Ohne Genehmigungen und Ausschreibungen geht auch in Ruanda nichts, das weiß Heinz Peter Brockhaus jetzt. Doch die Freunde können sowohl den Secretary Executive - unserem Landrat vergleichbar - wie auch den Regierungspräsidenten in Kayonza, Jean Claude Murenzi, von ihrem Freiwilligen-Projekt überzeugen. Die Baugenehmigung wird im November erteilt. Erschlossen werden sollen zwei Frischwasserquellen, es werden eine Pipeline und zwei Waschplätze gebaut und vier Frischwasserbehälter angelegt. "Die kompletten Erdarbeiten werden von der Einheimischen Bevölkerung geleistet", sagt Brockhaus. Die Erschließung der Quellen wird von den Behörden beaufsichtigt und geleitet.

Ruanda

Ruanda, das auch "Land der 1000 Hügel" genannt wird, liegt in Zentralafrika und ist Teil der Ostafrikanischen Union (entspricht der Europäischen Union). Die Hauptstadt Kigali liegt hat etwa drei Millionen Einwohner. Insgesamt leben etwa 18 Millionen Menschen in Ruanda. Gikombe, das nahe der Grenze zu Tansania liegt, ist ein entlegener Ort mit knapp 2900 Einwohnern.

Heinz Peter Brockhaus hat Ruanda kennengelernt als ein Land, das zum einen im 21. Jahrhundert angekommen sei - "Internet gibt es bis in die entlegensten Winkel" -, und sich andererseits immer noch im 18. Jahrhundert befinde. Die Stromversorgung ist völlig unzureichend.

Amtssprachen sind Französisch und Englisch. Ein Wort stammt aus dem Deutschen aus der Zeit, als Ruanda noch zur Deutsch-Afrika gehörte: Umuzungu. Die Deutschen errichteten damals viele Schulen und Krankenhäuser und waren gar nicht so unbeliebt. Allerdings bauten sie fast immer dort, wo schon Einheimische lebten. Also kamen die Beamten und Soldaten und gaben lautstark und immer wieder die Anweisung: "Umziehen, Umziehen". Daraus wurde dann Umuzungu. "Ein Umuzungu ist in den Augen der Ruander immer weiß, sehr klug und hat massenhaft Geld", berichtet Brockhaus.

Am Völkermord an den Tutsi leidet Ruanda heute noch. Was die Gleichberechtigung von Frauen angeht, steht das ostafrikanische Land weltweit auf Platz Fünf, mehr als 60 Prozent der Parlamentsabgeordneten sind Frauen - die höchste Quote der Welt. csn

Nach zwei Wochen fliegt Brockhaus nach Hause. Er ist so müde, dass er sogar die Zwischenlandung verschläft. "Ich habe noch nie so intensiv gearbeitet", sagt er. Aber es habe viel Spaß gemacht und sei eine aufregende Zeit gewesen. Jetzt hat er Muße für Haus und Garten in Steinebach, für all die Arbeiten, die vor seiner Rente liegen geblieben sind. Außerdem reisen er und seine Frau gern und viel. "Das ist für uns wichtig, weil es uns neue Erfahrungen und - wie man sieht - auch Freundschaften bringt", sagt er.

Natürlich freut sich die Projektgruppe "Trinkwasser für Gikombe", die aus sechs Mitgliedern aus Ruanda und drei aus Deutschland besteht, über Spenden. Sie können auf ein Spendenkonto des Fördervereins Katholische Landvolk Bewegung (KLB) der Diözese Eichstätt einbezahlt und damit abgesetzt werden. Das Geld kommt ohne Abzüge dem Projekt zugute. "Alle Reisen nach Ruanda wurden und werden privat bezahlt" versichert Brockhaus. Weitere Informationen können auf der Homepage https://waterforgikombe.wordpress.com nachgelesen werden.

Für Brockhaus, der seit 1981 in Wörthsee lebt, ist "nichts wichtiger als Entwicklungshilfe vor Ort. Nur so verhindern wir, dass die Bewohner Afrikas aus ihrer Heimat flüchten, weil sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können". Man lege auch allergrößten Wert darauf, dass die Bewohner aktiv und hart mitarbeiten. "Das tun sie bei uns."

Im September, nach dem Ende der Trockenzeit, soll das Trinkwasser-Projekt fertig sein und eingeweiht werden. Dann werden auch Heinz Peter Brockhaus und seine Frau Sieglinde nach Ruanda fliegen. Wohnen können sie bei Father Kizito in einem Gästezimmer der Priester-Gemeinschaft. Dort gibt es sogar elektrischen Strom, fließendes Wasser, Dusche und ein WC. Bei seinem ersten Aufenthalt in Gikombe übernachtete Brockhaus neben einem Ziegenstall.

Stefan wird übrigens nicht Pfarrer. Er macht gerade eine Ausbildung zum Krankenpfleger in Eichstätt. Dann kann er, wenn er zurück in seine Heimat geht, in seinem Dorf Gikombe eine Krankenstation aufbauen.

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