Hilfsprojekt in Ostafrika Zwei Stunden Fußmarsch für frisches Wasser

In gelben Kanistern schleppen Kinder Wasser nach Gikombe.

(Foto: Heinz Peter Brockhaus/oh)

Über einen Freund erfährt Heinz Peter Brockhaus von den Zuständen in einem Dorf in Ruanda. Nun hat der Mann aus dem Landkreis Starnberg den Bau einer Pipeline gestartet.

Von Christine Setzwein

Manchmal führen zufällige Begegnungen an Orte, von denen man nie geträumt hat. Heinz Peter Brockhaus und seiner Frau Sieglinde machen diese Erfahrung vor zwei Jahren bei einer Zwischenlandung in Amsterdam auf dem Flug von Glasgow nach München. Ein Schwarzafrikaner spricht sie an, in sehr gutem Deutsch. Er erzählt, dass er aus Ruanda stamme, Etienne Ngabonziza heiße, sich aber Stefan nenne, weil der französische Vorname zu sehr an die belgischen Kolonialherren erinnere. Er studiere in Eichstätt und wolle eigentlich Priester werden, aber ganz sicher sei er sich nicht.

Der Ruander und die Wörthseer bleiben in Kontakt und erfahren immer mehr von Stefan, der aus einem kleinen Dorf an der Grenze zu Tansania stammt. Zum Beispiel das, dass mehr als die Hälfte der Einwohner von Gikombe kein sauberes Trinkwasser hat. Jeden Morgen, um sechs Uhr, wenn die Sonne aufgeht und die Eltern zur Feldarbeit müssen, werden die Kinder zum Wasserholen ins benachbarte Dorf geschickt. Nach Gahama sind es etwa zwei Kilometer, die Kinder müssen zu Fuß durch die hügelige Landschaft, über Stock und Stein. Es dauert zwei Stunden, bis sie wieder zuhause sind und in die Schule gehen. Auf dem Rückweg tragen sie gelbe Kanister auf dem Kopf, mit 15 oder 20 Liter Wasser gefüllt.

Der Wörthseer Heinz Peter Brockhaus.

(Foto: Nila Thiel)

Heinz Peter Brockhaus, gebürtiger Westfale, hat Betriebswirtschaft und Maschinenbau studiert und bis zu seiner Rente bei einem großen Industriedienstleister als Projektmanager gearbeitet. Der 64-Jährige hat Ahnung von Zahlen und Technik, er spricht Englisch und Französisch, und vielleicht war es gar kein Zufall, dass der Katholik Stefan genau Brockhaus angesprochen hat, sondern eine göttliche Fügung.

Zuhause fängt Brockhaus zu planen und zu rechnen an. Das Wasser für Gikombe soll aus den Quellen im Nachbardorf kommen. Dazu muss eine neue Pipeline gebaut werden. Maschinenbau kann er, von Brunnen und Wasserleitungen und Zuschüssen weiß er nicht ganz so viel. Also holt er sich Hilfe. Von den Stadtwerken Fürstenfeldbruck bekommt er jede Menge Tipps. Er telefoniert mit dem Außen-, Innen- und Entwicklungsministerium, fragt nach Unterstützung, natürlich auch nach finanzieller. Schließlich wird das ganze Projekt geschätzt etwa 25 000 Euro kosten. Doch für eine Privatinitiative gibt es kein Geld. Nur die Deutsche Botschaft in Kilgari unterstützt Kleinstprojekte mit Zuschüssen. Der Antrag liegt noch.

Auf dem Papier steht das Projekt, als Brockhaus am 2. August 2018 nach Ruanda fliegt. Empfangen wird er in Kigali von Stefan und Laurien Iyakaremye, dessen Vetter und bester Freund. Bei Laurien, dessen Frau Devothe und dem kleinen Sohn Shama, die in einem Vorort von Kigali leben, kann der Wörthseer übernachten. Zwei Wochen hat er Zeit, zusammen mit den Freunden das Vorhaben auf den Weg zu bringen. Sie gründen eine kleine Projektgruppe, in der mit Francoise und Adele auch zwei Frauen mitarbeiten.

Die Gruppe hat Glück. Sie findet in einer Ausstellung in Kigali zwei einheimische Hersteller von Wassertanks und Pipelines. Heißt: Das Material muss nicht teuer importiert werden. Doch als sich Brockhaus und seine Mitstreiter die Wasserzapfstelle in Gahama anschauen und anschließend die oberhalb gelegenen Quellen suchen: blankes Entsetzen und Verzweiflung. Keine weiteren Quellen, kein Wasser. Aber wenigstens ist der Wasserbehälter in gutem Zustand.