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Landwirtschaft in Bayern:Gautinger Bauer baut Cannabis als "Superfood" an

Gauting Hanffeld

Landwirt Max Stürzer ist immer auf der Suche nach neuen Absatzmärkten. Nun also Cannabis.

(Foto: Georgine Treybal)

Bei Erzeugnissen wie Mais, Getreide oder Raps war Max Stürzer den Marktmechanismen ausgeliefert. Nun geht er neue Wege - und baut Hanf an. Welche Vorteile das "Superfood" für Landwirte hat.

Von Michael Berzl

Es ist Cannabis, aber als Rauschmittel eignet sich das Kraut nicht, das da auf einem Acker bei der Reismühle südlich von Gauting heranwächst. Der Bauer Max Stürzer aus Gut Hüll hat den Hanf dort ausgesät, um auszuprobieren, wie sich dieses bisher noch eher unkonventionelle Produkt in der Landwirtschaft vermarkten lässt. Verwendet werden nur die Samenkörner, die zwei Jungunternehmer aus Mamming in Niederbayern aufkaufen, um es als "Superfood" zu vermarkten.

Der Hanfanbau in Gauting hat einen ernsten Hintergrund. Landwirt Stürzer hat, flapsig ausgedrückt, die Nase voll davon, den Marktmechanismen in der Agrarwirtschaft mit herkömmlichen Erzeugnissen wie Mais, Getreide oder Raps wehrlos ausgeliefert zu sein. Stets sei er mit einem Überangebot konfrontiert, Preise würden gedrückt. "Wir werden doch gnadenlos ausgelutscht", sagt er.

Darum probierte er immer wieder neue Produkte aus, auf Feldern, in denen das Angebot und damit die Konkurrenz noch nicht so groß ist. "Auf ein paar Hektar bin ich immer am Probieren", sagt er. Ausprobiert hat er zum Beispiel auch schon die Durchwachsene Silphie, ein Korblütler, der ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist, in Deutschland vor allem als Futter- und Silagepflanze angebaut wird und bis zu drei Meter hoch werden kann. Und nun eben Hanf.

Kniehoch sind seine Pflanzen auf dem etwa neun Hektar großen Feld südlich von Gauting derzeit, bald werden sie blühen. Wenn die Pflanzen dann Samenkörner gebildet haben, werden sie mit einem Mähdrescher abgeerntet. Ein Ertrag von einer Tonne pro Hektar wäre das Ziel von Stürzer. "Die haben einen tollen nussigen Geschmack und sind ernährungsphysiologisch sehr wertvoll", meint Stürzer, der die Samenkörner aus Eigenanbau schon probiert hat. Etwa 400 Wirkstoffe enthalte die Pflanze, habe er bei einer Informationsveranstaltung erfahren. Die Samen können zum Backen verwendet werden, auch Öl kann daraus gewonnen werden.

"Der Hanfbayer" nennt sich die Zwei-Mann-Firma, an die Stürzer die Körner verkauft. Von wertvollen Inhaltsstoffen wie mehrfach ungesättigte Fette oder Magnesium schwärmen die Aufkäufer Daniel Baumann und Markus Kneissl, die die Hanfsamen dann als "Superfood" für 7,80 Euro pro 250-Gramm-Beutel verkaufen. Die Niederbayern haben sich vorgenommen, "die alte Wunderpflanze zurück aus der grauen Ecke zu holen und in ein neues, frisches Licht zu rücken". Mit der grauen Ecke ist die Verwendung als Droge gemeint.

Dafür ist das Cannabis unbrauchbar, das bei der Reismühle wächst. Das überprüft mehrmals die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Die Mitarbeiter messen den THC-Gehalt. Das Tetrahydrocannabinol darf nur in sehr geringen Mengen enthalten sein, so dass sich die Pflanzen eben nicht als Rauschmittel eignen.

Das sieht man den Cannabis-Gewächsen nicht unbedingt an. Darum haben es experimentierfreudige junge Menschen offenbar selbst ausprobieren wollen, was sich damit noch so anfangen lässt, wie Stürzer im vergangenen Jahr bei seinem ersten Anbauversuch auf einem Feld bei Gilching feststellte. Da hätten schon mal welche ein Beutelchen voll davongetragen. "Aber da hätten sie die ganze Tüte auf einmal durchjagen können, ohne dass sie high werden", lacht der Hanfbauer.

© SZ vom 20.07.2020/mmo
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