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Schädling:Wie sich Gärtner gegen den Buchsbaumzünsler wehren

Kampf dem Buchsbaumzünsler ; Kampf dem Buchsbaumzünsler

Gerhard Pfeffer spritzt seine Hecke mit dem Hochdruckreiniger ab.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Raupen haben sich von Krailling nach Gauting durchgefressen. Manch ein Experte spricht schon vom Ende der Hecken.

Eine der liebenswerteren Bezeichnungen, die Gerhard Pfeffer für den Buchsbaumzünsler übrig hat, lautet: "Bösartig." Die Raupe des Schmetterlings bedroht das gärtnerische Meisterwerk des 74- Jährigen: eine 16 Meter lange, etwa 1,60 Meter hohe Buchsbaumhecke, die sein Grundstück zur Straße hin abgrenzt. In den frühen 80er-Jahren hat er die 50 Pflanzen zu 1,99 Mark das Stück gekauft und selbst gesetzt. Aktuell treiben sie zur Freude des Kraillingers hellgrün aus - weil dieser bereits vor sechs Wochen den Kampf gegen den Zünsler eröffnet hat. Pfeffer kennt den Fressfeind bereits vom Vorjahr und hat sich gewappnet.

2018 eroberte der Schädling Krailling, jetzt hat er sich in Richtung Süden ausgebreitet. "Der Buchsbaumzünsler ist in Stockdorf und Gauting angekommen", meldete die Gemeinde Gauting am Donnerstag - und versetzt damit Gartenbesitzer in Sorge. Denn der hübsche Falter macht mit den dekorativen, immergrünen Kugeln und Hecken kurzen Prozess: Er legt seine Eier in Buchsbäumen ab, die Raupen fressen diese kahl, der Baum geht ein. "Erste Gräber im Friedhof Gauting sind bereits befallen", heißt es. Auf dem Kraillinger Friedhof sowieso - "es ist ein Trauerspiel", sagt Gerhard Pfeffer.

Ein Gegengift hilft - bis der nächste Schmetterling seine Eier ablegt

Landschaftsgärtner Robert Bertler aus Krailling sagt, das ganze Würmtal sei betroffen. "Die meisten Pflanzen sind nicht mehr zu retten." Er prophezeit gar "das Ende des Buchsbaums".

So drastisch mag es Klaus-Dieter Gruber, Leiter des Gartencenters Kiefl in Gauting, nicht formulieren. Aktuell aber stehe das Telefon kaum noch still. Zehn bis 15 Anrufe von ratlosen Gartenbesitzern gingen täglich ein, alle bäten um Hilfe. "So viel können wir gar nicht helfen", sagt Gruber. Denn beim Zünsler müsse man sofort reagieren, mit Terminvereinbarungen habe man bereits verloren. Bacillus thuringiensis heißt das biologische Gegengift, angeblich bienenfreundlich. "Es ist nicht ganz einfach, weil es zur wirksamen Anwendung weder Regen noch Sonne geben darf", sagt Gruber. Außerdem müssen die Temperaturen über 15 Grad Celsius liegen. Es sei aktuell das bestverkaufte Pflanzenschutzmittel, noch vor dem Schneckenkorn. "Man kann die Pflanzen damit schon retten", sagt Gruber. Jedenfalls solange, bis der Schmetterling erneut seine Eier darin ablegt.

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Die Raupen des Buchsbaumzünslers.

(Foto: imago)

Gerhard Pfeffer kontrolliert darum ständig, wie er sagt. Denn im Kampf gegen die gefräßigen Raupen hat nur eine Chance, wer den Befall frühzeitig entdeckt - was gar nicht so leicht ist, weil die grünen, schwarz-gepunkteten Raupen gut getarnt sind. Gärtnermeister Markus Menzinger aus Oberbrunn empfiehlt deshalb, eine Folie unter die Pflanze zu legen und diese zu schütteln: "Wenn keine Raupen herunterfallen, dann in jedem Fall deren Kot, kleine schwarze Kügelchen."

Gefräßige Raupe

Der Buchsbaumzünsler ist ein kleiner Schmetterling mit weißen Flügeln mit bräunlichen Rändern. Die Art stammt aus Ostasien und wurde vor wenigen Jahren nach Europa eingeschleppt, seit 2006 ist sie in Deutschland nachweisbar. Gefräßig sind aber nicht die Falter, sondern die Raupen. Die Schmetterlinge legen die Eier gezielt in Buchsbäumen ab, wobei sie eine Vorliebe für noch nicht befallene Exemplare zeigen. Die Raupen schlüpfen in bis zu vier Generationen pro Jahr. Sie fressen die Pflanzen binnen kürzester Zeit kahl, erst die Blätter, dann die grünen Zweige. Übrig bleibt ein eingesponnenes Gerippe. Manchmal treibt die Pflanze wieder aus, manchmal sterben aber auch Triebe oder sogar das ganze Gewächs ab.

Die Überreste sollten nicht in der Mülltonne entsorgt werden, warnt der Abfallwirtschaftsverband Starnberg, weder in Bio-, noch in Restmülltonne. Gärtner können befallene Pflanzen an den Grüngutannahmestellen auf den Wertstoffhöfen oder an der Kompostierungsanlage in Hadorf abgeben. Denn nur durch die Wärmebildung bei der Kompostierung würden die Schädlinge an ihrer weiteren Ausbreitung gehindert. Auf gar keinen Fall sollten befallene Hecken in den heimischen Kompost gegeben werden. Die dort erreichten Temperaturen genügten nicht, um die Schmetterlingsraupen unschädlich zu machen. Viel mehr bestehe die Gefahr, dass sie sich ungehindert vermehren.sz

Man kann die Raupen beim Fressen sogar hören

Wer sich nicht auf seine Augen verlassen will: Der Kot stinkt laut Menzinger bestialisch. Ja und sogar hören könne man die gefräßigen Tierchen, wenn man nur nah genug neben einem befallenen Baum stünde. Auch er bestätigt einen massiven Befall der Buchs-Bestände im Würmtal, "in 80 Prozent der Buchsbäume werde ich fündig". Er sammelt die Raupen ab, bevor er das Bio-Gift spritzt. "Ja, wir haben auch schon Buchsbäume rausgerissen", sagt er, doch glaube er fest daran, dass man den Schädling in ein bis zwei Jahren eingedämmt hat. "In anderen Fällen von Schädlingsbefall ist das ja auch gelungen. "

Lothar Viellieber indes hat sich schon damit arrangiert, seine Hecke über kurz oder lang dem Zünsler zu opfern. Im vergangenen Jahr waren die Buchsbäume, welche die Wohnanlage in der Stockdorfer Heimstraße gestalten, erstmals befallen. Der 62-Jährige hat gekämpft, das Problem "erstmal gelöst". Doch heuer seien die Raupen wieder da, wenn bislang auch nur beim Nachbarn. "Über einen längeren Zeitraum hat man da keine Chance", sagt er. Die ersten Eigentümer in der Anlage hätten die Bepflanzung bereits ausgetauscht. Im Gartencenter Kiefl gibt es wegen des Zünslers nur noch wenige Buchsbaum-Exemplare zu kaufen, "wir raten unseren Kunden ganz klar davon ab", sagt Gruber. Beim Firmenchef, der auf dem Gelände wohnt, habe man die immergrünen Kugeln bereits prophylaktisch entfernt - um den Bestand der Gärtnerei zu schützen.

Allein Gerhard Pfeffer lässt sich nicht entmutigen. Noch nicht. Seit mehr als 20 Jahren ist er im Gartenbauverein, ihn schmeißt so schnell nichts um. Der Rentner spritzt die Hecke regelmäßig mit dem Hochdruckreiniger ab ("ein Tipp aus Österreich"), anschließend bringt er das Gift aus. Weil er gehört hat, dass angeblich auch Meisen die Raupen fressen, plant er demnächst eine Großoffensive: Zwei Meisenhäuser will er an der Hecke errichten. Es muss doch gelingen, das Mistvieh zu vertreiben! Und wenn nicht? Dann pflanzt er Hainbuchen. "Oder Stechpalmen."

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