Schädling Diese Raupe Nimmersatt frisst Buchsbäume auf

Der asiatische Zünsler ist im Würmtal aufgetaucht. Experten fürchten um die immergrünen Gewächse in den Gärten des Fünfseenlands.

Von Armin Greune, Krailling

Eigentlich ist er ein attraktiver Zuwanderer: Der aus Ostasien stammende Buchsbaumzünsler schimmert perlmuttartig weiß, seine Flügel sind braun gesäumt. So hübsch der bis zu vier Zentimeter breite Schmetterling anzusehen ist, so verheerend sind die Schäden, die seine Raupen verursachen, ihr Kahlfraß bringt Buchsbäume oft zum Absterben. Die invasive Art breitet sich ständig weiter aus: Vor acht Jahren wurde der Falter erstmals in Bayern gesichtet, nun hat er das Würmtal erreicht.

Charakteristisch für die Raupen der Buchsbaumzünsler ist die schwarze Kopfkapsel. Sie können bis zu fünf Zentimeter lang werden, bleiben aber meist kleiner.

(Foto: Nila Thiel)

In ihrem Wohnzimmer ist Dietlind Freyer-Zacherl das erste Mal auf ihn gestoßen. Mit Hilfe eines Spezialisten konnte er zweifelsfrei als Buchsbaumzünsler identifiziert werden. In ihrem Garten an der Kraillinger Bergstraße entdeckte sie weitere Schmetterlinge; die grünen, schwarz und weiß gestreiften Raupen bleiben zunächst verborgen: "Sie fangen im Strauch von innen heraus zu fressen an", sagt Freyer-Zacherl. Fortan ging die Gemeinderätin mit geschärftem Blick durch Krailling und fand die Schädlinge fast überall: "Es gibt hier wohl keinen Buchs mehr, der nicht befallen ist. Im Friedhof fliegen sie gleich in Scharen herum." Susanne Brittinger, im Rathaus zuständig für Umwelt und Grünflächen, hat vom Befall gehört, fand aber noch keine Zeit, den Verdacht zu überprüfen: "Auf gemeindlichen Flächen stehen ja nur sehr wenige Buchsbäume". Angeblich seien auch die auf dem kommunalen Grund an der Margaretenkirche betroffen.

Den ersten Buchsbaumzünsler hat Dietlind Freyer-Zacherl in ihrem Wohnzimmer gefangen, danach fand sie die Falter an vielen Orten in Krailling, vor allem auf dem Friedhof.

(Foto: Nila Thiel)

Im Fünfseenland sei die Lage "noch relativ entspannt", meint Jürgen Ehrhardt, Kreisfachberater für Gartenbau. Auf einer Exkursion am Donnerstag hat er die Bauhofgärtner der Kommunen im Landkreis befragt: Keiner hat bislang das Vorkommen des Buchsbaumzünslers beobachtet. Allerdings soll bereits ein Buchs mit Befallssymptomen in der Herrschinger Grüngutsammelstelle angeliefert worden sein. Ehrhardt bittet, ihm weitere Verdachtsfälle unter Telefon 08151/148372 zu melden.

Während die Raupen wochenlang in den Buchsbäumen fressen, ernähren sich die nur acht Tage lang lebenden Schmetterlinge von Nektar.

(Foto: Nila Thiel)

Für die Buchsbäume im Landkreis könnte eine massive Verbreitung der Falter existenzbedrohend werden. Denn die immergrünen Sträucher oder kleinen Bäume werden ohnehin seit Jahren durch ein von Pilzen verursachtes Triebsterben dezimiert. Im Waldfriedhof etwa seien die charakteristischen Buchseinfassungen deshalb schon fast verschwunden, sagt Ehrhardt. Gleiches gelte für viele Bauerngärten des Fünfseenlands, wo der leicht durch Schnitt zu formende Buchs bislang ein typisches Gestaltungselement war. "Wir könnten die Restlichen auch noch verlieren, wenn die Zünsler nun in stärkerem Maße auftreten."

Ehrhardt bittet, bei der Garten- oder Grabpflege die Buchsbäume genau unter die Lupe zu nehmen und auf Raupen, feine Gespinste und Kokons im Laub oder olivgrüne Kotkrümel am Boden zu kontrollieren.

Wird ein Befall rechtzeitig festgestellt, können die Raupen noch von Hand abgesammelt werden. Auch ein Rückschnitt wird empfohlen, dann sollten die Zweige verbrannt oder luftdicht verpackt im Restmüll entsorgt werden. In wenigen Tagen fressen die Raupen Hecken kahl, dann nagen sie an den Rinden, bis die Gehölze eingehen. Als Neozoon fand der Buchsbaumzünsler in Deutschland keine natürlichen Feinde vor. Es besteht aber Hoffnung: Es gibt erste Berichte, dass Meisen, Stare und Wespen die Raupen fressen, obwohl die das Buchsbaumgift im Körper anreichern.

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