Kunst am Ammersee:Letzte Ausstellungen

Kunst am Ammersee: Ein "figürlicher Bildhauer der alten Garde" - so nennt Ausstellungsmacher Matthias Rodach den Künstler Dietmar Scharfe (im Bild), dessen Werke nun im Dießener Taubenturm zu sehen sein werden.

Ein "figürlicher Bildhauer der alten Garde" - so nennt Ausstellungsmacher Matthias Rodach den Künstler Dietmar Scharfe (im Bild), dessen Werke nun im Dießener Taubenturm zu sehen sein werden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Zwei Kulturbeflissene hören auf: Dießens Heimatvereinsvorsitzender Matthias Rodach will wieder mehr Zeit für sich als Bildhauer, Kurator Harry Sternberg möchte sich ins Private zurückziehen.

Von Katja Sebald, Utting/Dießen

Zwei Ausstellungsmacher am Ammersee-Westufer hören auf: Harry Sternberg zieht sich nach sechs Jahren als Kurator im "Raum B1" am Uttinger Bahnhofsplatz aus gesundheitlichen Gründen zurück. Matthias Rodach, seit 2021 erster Vorsitzender des Dießener Heimatvereins, legt im April sein Amt nieder, um wieder mehr Zeit für seine Arbeit als Bildhauer zu haben. Beide verabschieden sich jetzt mit einer letzten Ausstellung.

Rodach richtet für den Bildhauer Dietmar Scharfe aus Dettenhofen eine ganz besondere Geburtstagsparty aus: Am 29. Februar 1940 geboren feiert Scharfe nur in Schaltjahren "offiziell" Geburtstag, in diesem Jahr also erst zum 21. Mal. Für den aus dem Schwäbischen stammenden Künstler ist das Datum eher unangenehm: "Alle reiten immer darauf herum", sagt er, für ihn selbst sei das nicht wichtig. Er freue sich jedoch sehr über die Gelegenheit, noch einmal seine Arbeiten aus den zurückliegenden Jahrzehnten zu zeigen. Die Porträts, die er in den Sechzigerjahren von seiner mittlerweile verstorbenen Frau schuf, seien für ihn auch eine Art Zeitreise und mit vielen Erinnerungen verbunden.

Für Rodach ist Dietmar Scharfe ein "figürlicher Bildhauer der alten Garde, der seine Arbeiten vom Raum her denkt und die Volumina fein ausbalanciert". Dabei soll das Typische eines plastischen Themas oder Motivs - ganz gleich, ob Mensch, Tier, Porträts oder Statuette - hervorgehoben werden. Der Künstler mit seinen individuellen Eigenschaften tritt ganz hinter seinem Werk zurück. Solche auf klare Formen reduzierte Porträts und Figuren seien völlig aus der Mode gekommen, sagt Rodach. Es sei jedoch die Art der Bildhauerei, die auch er selbst noch in seiner Ausbildung gelernt habe. Deshalb sei ihm diese Ausstellung ein besonderes Anliegen.

Kunst am Ammersee: Bildhauer Matthias Rodach hat schon mehrfach am Ammersee ausgestellt - hier 2020 bei der Eröffnung seiner Installation "Auf Knopfdruck".

Bildhauer Matthias Rodach hat schon mehrfach am Ammersee ausgestellt - hier 2020 bei der Eröffnung seiner Installation "Auf Knopfdruck".

(Foto: Georgine Treybal)

Scharfe studierte nach einer Lehre zum Steinbildhauer bei Hans Wimmer an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg Bildhauerei. In den vergangenen Jahren trat er kaum mehr als Künstler in Erscheinung, von ihm geschaffene Auftragsarbeiten sind aber rund um Dettenhofen und weit darüber hinaus zu finden. Unter anderem schuf er für den ehemaligen Augsburger Bischof Josef Stimpfle zwei goldene Tauben, für die er den Vogelflug in allen Feinheiten studierte. Es sei schade, dass ausgerechnet die beiden Tauben "momentan nicht abkömmlich" seien und die Ausstellung im Taubenturm ohne sie auskommen muss, schreibt Rodach in der Einladung.

Kunst am Ammersee: Kurator Harry Sternberg gibt seinen "Raum B1" ab. Private und gesundheitliche Gründe waren für seine Entscheidung ausschlaggebend.

Kurator Harry Sternberg gibt seinen "Raum B1" ab. Private und gesundheitliche Gründe waren für seine Entscheidung ausschlaggebend.

(Foto: Georgine Treybal)

Harry Sternberg mietet seit 2018 von der Gemeinde Utting das winzige ehemalige Fremdenverkehrsamt am Bahnhofsplatz. Als "Raum B1" stellte er es Künstlern aus der Region für Ausstellungsprojekte zur Verfügung und zeigte dort selbst immer wieder heimatgeschichtliche Dokumentationen. Den Anfang machte er mit der Ausstellung "Häftling Nr. 1" über Claus Bastian, der als Kind in Utting lebte. Als Gründer des "Marxistischen Studentenclubs" verschleppten ihn die Nationalsozialisten im März 1933 in die stillgelegte Pulver- und Munitionsfabrik bei Dachau, wo er als Häftling mit der Nummer 1 des neu eingerichteten Konzentrationslagers registriert wurde.

Uttings Gemeinderat entscheidet über die Weitervermietung des "Raum B1" an ein Künstlerkollektiv

Zum 70. Jahrestag konzipierte Sternberg 2019 eine Ausstellung über das Herbsttreffen der "Gruppe 47", das 1949 im Café Bauer in der Uttinger Bahnhofstraße stattfand. Auch das Haus, das Bert Brecht im Sommer 1932 in Utting kaufte und nur sieben Wochen lang bewohnte, stand im Zentrum einer Ausstellung. Während der Corona-Zeit lud Sternberg verschiedene Künstler ein, das große Schaufenster des Gebäudes zu bespielen. Auch Bildhauer Matthias Rodach machte damals mit seiner Installation "Auf Knopfdruck" viel Furore: Kunsthungrige Passanten konnten das bewegliche Objekt aus drei Scheibenwischermotoren von außen in Bewegung setzen.

Er habe sich mit dem "Raum B1" einen Lebenstraum erfüllt, sagte Sternberg vor nicht allzu langer Zeit. Nach einem Herzinfarkt und anschließender Operation kurz nach seinem 70. Geburtstag im vergangenen Sommer beschloss er jedoch, sich "ins Private" zurückzuziehen, wie er es formuliert. "Ich wollte den Ausstellungsraum sowieso nicht bis in alle Ewigkeit selbst betreiben, sondern ihn irgendwann in jüngere Hände übergeben", erläutert er. In seiner Sitzung am Donnerstag wird der Uttinger Gemeinderat über die Weitervermietung an ein Künstlerkollektiv entscheiden, das sich jetzt mit einem eigenen Konzept beworben hat. Mehr dürfe er noch nicht verraten, sagt Sternberg.

Zum Abschluss präsentiert Multimedia-Künstlerin Milena Meller "am see im raum am baum"

Am Freitagabend aber wird er zum letzten Mal eine Ausstellung als Kurator in "seinem Raum B1" eröffnen. Eingeladen hat er dafür die österreichische Multimedia-Künstlerin Milena Meller, die ein für den speziellen Ort konzipiertes Projekt mit dem Titel "am See im Raum am Baum" zeigen wird. Die Ausstellung besteht aus einer Raum-Klang-Installation, einem "hybriden Objekt" sowie aus Malerei und Fotografie. Erstmals wird dann auch der "Raum B2" Teil eines Kunstprojekts: Es handelt sich dabei um einen bislang unbewohnten Nistkasten im Baum neben dem Ausstellungsgebäude.

Die Ausstellung von Milena Meller wird am Freitag, 1. März, um 18 Uhr eröffnet und ist danach bis zum 1. April jeweils samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Die Ausstellung von Dietmar Scharfe im Taubenturm wird am Donnerstag, 29. Februar, um 19 Uhr eröffnet und ist bis zum 24. März jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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