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Ramersdorf:Bei diesem Schulbau wurden die Schüler vergessen

Dreifachturnhalle an der Grundschule Führichstraße. Das Dach des  Hallenneubaus dient als Pausenhof für das Tagesheim der Schule.

Die Tröge aus Metall sehen gut aus auf dem Dach der Turnhalle - womit sie bepflanzt werden, darüber dürfen weder Lehrer noch Schüler entscheiden.

(Foto: Florian Peljak)
  • An der Grund- und Mittelschule an der Führichstraße sollte ein Hort im Obergeschoss einer bestehenden Halle entstehen.
  • Architektonisch ist das Projekt zwar hübsch, für die Hortkinder ist die Freifläche auf dem Dach der Halle jedoch nicht geeignet.
  • Kommunalpolitiker kritisieren, dass Lehrer, Erzieher, Eltern und Kinder nicht in die Planung einbezogen wurden.

Von Melanie Staudinger

Es sollte eines der Vorzeigeprojekte der städtischen Schulbauoffensive werden. Die neue Turnhalle an der Grund- und Mittelschule an der Führichstraße in Ramersdorf sollte nicht nur zeigen, wie dringend benötigte Unterrichtsräume geschaffen werden können, sondern auch, wie das besonders platzsparend passiert.

Denn im Obergeschoss der Halle entstanden neue Räume für den Hort der Schule. Bis zu 100 Kinder können hier betreut werden und sie haben sogar eine eigene Spielfläche. Direkt auf dem Dach der Halle haben die Planer sie gestaltet. "Der Hallenneubau ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie flächensparend Schulbau gelingen kann", sagte Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) im vergangenen Sommer, als sie das Projekt der Öffentlichkeit vorstellte.

Da waren allerdings die Kinder noch nicht eingezogen. Denn die profitieren eher weniger vom architektonischen Leuchtturm, wie die Stadtratsfraktion von Grünen und Rosa Liste nun beklagt. Die Kommunalpolitiker stören sich an den großen Pflanztrögen aus Metall. Diese sind zwar schön anzuschauen, erwärmen sich aber bei sommerlichen Temperaturen so stark, dass niemand mehr auf ihnen sitzen kann, obwohl das eigentlich so gedacht gewesen ist.

Zudem dürften die Pädagogen und Kinder nicht selbständig Pflanzen, Gemüse oder Obst anbauen: Stattdessen wächst dort eine spezielle Grassorte. Überhaupt seien die Tröge so angeordnet, dass sie sich eher für die ruhige Pausen von Büroangestellten eigneten, nicht aber für 100 tobende Kinder täglich. Der Hort hätte gerne noch einen Sandkasten gehabt, berichten die Grünen. Doch der könne aus statischen Gründen auf keinen Fall mehr aufgestellt werden.

Wären Hort und Schule während der Planungsphase der Sporthalle mal nach ihren Wünschen gefragt worden, wäre ein solches Malheur nicht passiert. Deshalb sollen nach Ansicht der Grünen bei künftigen Bauvorhaben die Nutzer, also Leiter, Lehrer, Erzieher, Eltern und Kinder frühzeitig in die Projekte einbezogen werden.

Mehr Mitspracherecht hätten sich andere auch gewünscht. So fehlten im Schulcontainer des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums Ablagen für die Jacken, dafür waren an drei Seiten des Klassenzimmers Whiteboards und Tafeln angebracht. Erst nach mehrfachen Beschwerden sollen die Garderobenhaken geliefert worden sein. Allerdings hängten die Arbeiter die Leisten nicht nebeneinander auf, sondern untereinander. Wenn einer der Fünftklässler seine Jacke von unten herauszieht, kann sich jeder das Chaos vorstellen, das in der Folge entsteht.

© SZ vom 14.06.2017/libo
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