Schörghuber Gruppe Die Lachse des Immobilienhändlers

Die Schörghuber Gruppe züchtet Lachs in Südamerika.

(Foto: Holger Hollemann/dpa)

Was eines der größten Bauunternehmen Münchens mit einer Fischzucht in Chile zu tun hat.

Von Pia Ratzesberger

In einer Stadt wie München gibt es mindestens zwei Dinge, mit denen man außergewöhnlich viel Geld verdienen kann: mit Wohnungen und mit Bier. Die Nachfrage nach Letzterem mag wohl einfacher zu bedienen sein als die nach Wohnungen, aber eine Firma in der Stadt hat das Glück, sogar mit beidem zu handeln. Denn die Schörghuber Gruppe baut nicht nur neue Wohnungen, bei denen der Quadratmeter schon einmal 20 000 Euro kosten kann, sondern ihr gehört auch noch der größte Teil der Paulaner Brauerei Gruppe. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen beim Bier seinen Gewinn um mehr als 30 Prozent und mit der Bayerischen Hausbau sogar um mehr als 60 Prozent. Der Konzern verdiente insgesamt knapp 300 Millionen Euro, nur die Lachszucht brachte keine so große Rendite wie sonst. Die Lachszucht?

Die Schörghuber Gruppe ist ein äußerst bayerisches Unternehmen und bekanntlich gehört der Lachs nicht zu den Delikatessen des Freistaats - wobei die Fischer Vroni auch Seelachsfilet im Bierteig verkauft, der aber ja nur vorgibt, ein Lachs zu sein. Der Gründer Josef Schörghuber reiste gern durch die Welt, auf der Suche nach immer neuen Geschäftsideen, und so kaufte die Familie in den Achtzigerjahren eine Lachsfarm in Chile. Mit Ausnahme von Norwegen produziert kein anderes Land auf der Welt so viel Lachs, im vergangenen Jahr wurde einem das noch einmal ins Gedächtnis gerufen, als in Chile nach einem Unwetter Hunderttausende Zuchtlachse aus ihren Käfigen entkamen. Ob die Flucht der Fische erklären kann, dass Schörghuber im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro weniger Gewinn mit seinen Farmen machte als im Jahr zuvor?

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Die Unternehmerfamilie hatte zu Beginn die Lachsfarm noch mit ihrem privaten Vermögen betrieben und Jungfische an Firmen verkauft. Mittlerweile aber hat sie das Geschäft ausgebaut, noch ein anderes Unternehmen erworben und die Lachszucht in den Konzern mit aufgenommen. Die Sparte nennt sich "Seafood". Unter diesem Begriff versteht man eigentlich wirbellose Tiere wie Muscheln oder Austern, die Schörghuber bislang nicht im Angebot hat. Aber "Seafood" klingt eben internationaler als "Lachszucht", und die chilenische Küste ist ja dann doch sehr weit weg. Die Lachszucht ist zudem umstritten, wegen der Antibiotika und wegen der kleinen Fischereien, die nicht mithalten können. Vielleicht ist man auch deshalb froh über einen anderen Begriff.

Ein Pressesprecher des Konzerns gibt an, dass es im vergangenen Jahr tatsächlich "einen kleinen Vorfall" gegeben habe und Lachse aus den Käfigen entkommen seien. Dem Sprecher zufolge habe es sich aber nur um eine geringe Menge gehandelt, zudem seien die Lachse noch zu jung gewesen für den Verkauf. Die geflohenen Fische hätten mit der schlechten Bilanz also nichts zu tun. Vielmehr gelte für die Zucht im Meer das Gleiche wie an Land: Man müsse die Anlagen von Zeit zu Zeit ruhen lassen und auf andere ausweichen - dort seien die Bedingungen jedoch nicht so gut gewesen.

Das bayerische Unternehmen verkauft seinen chilenischen Lachs vor allem nach Asien und nach Amerika, in München ist der Schörghuber-Fisch nicht zu finden. Mit ihm wäre in der Stadt wohl ohnehin deutlich weniger Geld zu verdienen, als mit Wohnungen und mit Bier.

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