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Restaurant Rocca Riviera:Stilvoll wie bei 007

Weltstadtflair an der Siemens-Zentrale: Von der umlaufenden Galerie aus schwarzem Glas schweift der Blick durchs Rocca Riviera.

(Foto: Stephan Rumpf)

Gediegen zurück in die Siebzigerjahre-Dekadenz: Das Rocca Riviera im neuen Siemens-Hauptquartier protzt mit gepflegtem Understatement und geballter Gastro-Kompetenz.

Ist das da drüben wirklich Roger Moore? Oder kommt es einem nur so vor, weil dieses neue Restaurant so wunderbar in einen James-Bond-Film aus den Siebzigern passen könnte, mit der Bar aus gebürstetem Messing und Onyx-Marmor, mit der umlaufenden Galerie aus schwarzem Glas oben im ersten Stock. Manche sagen: "Könnte auch in der letzten Staffel von Mad Men vorkommen", oder: "Voll berlinmittig, hier!"

Dabei handelt es sich beim Rocca Riviera um ein Bar-Restaurant im neuen Siemens-Headquarter an der Nordwestecke des Wittelsbacherplatzes. Siemens hat ein Interesse an einem wirklich weltstädtischen Restaurant an einem so repräsentativen Fleck, und so ließ man sich bei der Küchenausstattung nicht lumpen, wie es scheint. Es soll auch einen subventionierten Mittagstisch für Siemens-Mitarbeiter geben, wird am Eröffnungsabend am Mittwoch kolportiert. So et was hilft einem neuen Lokal sicher. Allein die opulente Ausstattung dürfte einige Jahre Betriebszeit brauchen, bis sie sich wieder amortisiert hat.

Die Münchner Innenarchitekten Daniela Wilke und Daniel Hildmann haben einen blaugrünen Traum von Mittelmeer und Dekadenz in die Räume gezaubert, mit Polsterstühlen und runden Sitzinseln im Obergeschoss, mit unbehandelten Eichenbohlen als Parkett und Marmortischen. Sehr edel und stilvoll, auch wenn nüchterne Pragmatiker anmerken: "Jede Wette - alle halbe Jahre müssen die den Boden abschleifen und die Stühle neu polstern, sonst sieht's abgeranzt aus."

Am Eröffnungsabend freilich zeigt sich das Rocca Riviera von seiner besten Seite und stellt damit unter Beweis, dass man auch mit gepflegtem Understatement protzen kann. Gleich fünf Betreiber führen den Laden: Ulli Springer, Dino Klemencic (in der Gastro-Szene bestens bekannt vom Koi, dem Grill im Künstlerhaus und dem Oskar Maria im Literaturhaus), sowie Max Lechner, Michael Dörrenberg und Christian Pachl. Die geballte Ladung Gastro-Kompetenz braucht es sicher, um so ein edles Teil erfolgreich zu betreiben.

Schick und gediegen ist selbstverständlich auch die Karte, gehobene französische und italienische Mittelmeerküche, vom Hummer bis zum Chateaubriand und zu sensationellen Kichererbsencroquettes.

Dazu gehört natürlich ein entsprechend gehobenes Eröffnungspublikum, leider mit Schönheiten in etwas zu engen und knalligen Kleidern, die frappant an eine rosa Presswurst erinnern. Viele sehr junge Frauen mit eher älteren Herren sind da und ein paar Burschen, die sichtlich mal froh sind, aus dem Internat Salem rauszukommen. Jedenfalls tun sie so. Und es fehlt natürlich nicht die Münchner Gesellschaft.

Ach ja, Roger Moore ist allerdings nicht gekommen. Immerhin kann man aufwarten mit einem Produzenten, der den Party-Gesprächen des Abends nach zu urteilen das Etikett "Der Ex von der Ferres" niemals mehr los wird: Martin Krug. Berlinmittig ist das jetzt nicht, aber dafür sehr münchnerisch.