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Hickory Grill & Smokehouse:Der Tempel des Fleisches

Im Hickory Grill & Smokehouse an der Blutenburgstraße wird das Fleisch vor dem Grillen über der Glut von Hickoryholz geräuchert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im "Hickory" wird gegrillt und über amerikanischem Walnussholz geräuchert. Auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten.

Es grassiert das Vegetariertum. Manch einer erinnert sich, wie es vor vielen Jahren war in manch bayerischem Dorf, als die ersten Protestanten dort auftauchten. "3231 Seelen und drei Evangelische" lautete da oft die Antwort auf die Frage nach der Einwohnerzahl. Und in ohnehin verdammungswürdigen Mischehen gab's oft Streit, wenn es um die Bedeutung von Allerseelen oder Reformationstag ging.

Das ist weitgehend Vergangenheit. In der Gegenwart aber geht ein ähnlicher Riss durch manche Familien, wenn (meist) der Nachwuchs beschließt, zum vegetarischen Leben zu konvertieren - oder gar zum veganen. Deshalb nun ein Härtetest: Kann eine Familie, bestehend aus Carnivoren und Pflanzenfressern, streitfrei gemeinsam essen gehen, so dass es beiden schmeckt?

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Im Bio-Restaurant Resi Huber kommt jeder auf seine Kosten.   Von Iwan Lende

Iwan Lende beschloss, dazu ein Lokal namens Hickory aufzusuchen, das sich "Homemade BBQ, Ribs, Smokehouse" auf die Fahne geschrieben hat, welches also ein echter Fleischtempel ist, aber auf der Karte auch die Abteilungen "Fisch" und "Salate, Bowls, Vegetarisches" anpreist. Um es vorwegzunehmen: Die Pflanzenfreunde haben überlebt. Man verließ nach zwei Stunden kulinarischen Genusses wohlgelaunt das Lokal.

Das kleine Restaurant mit knapp einem Dutzend Tischen an der Ecke Blutenburgstraße/Landshuter Allee strahlt dezent amerikanisches Flair aus mit Emaille-Schildern etwa von der Route 66 und einer hölzernen Wand, in die großflächig der Name und limonadenähnliche Bullen eingebrannt sind. Der Begriff Hickory ist insofern Programm, als das Fleisch vor der Zubereitung über der Glut von Hickoryholz geräuchert wird, was einen angenehmen, aber nicht zu dominanten Geschmack und ganz außergewöhnliche Zartheit provoziert. Hickory, das nur nebenbei, ist ein Walnussbaum mit besonders hartem Holz, aus dem früher die Indianer ihre Bögen schnitzten und welches ältere Skifahrer hierzulande noch von den Hickory-Skiern kennen, die besser waren als die aus Esche.

Schon bei der Vorspeise, gegrillte Kirschtomaten mit Mozzarella, Rucola und Parmesan (6,90 Euro), schmeckt man den feinen Touch des Rauches, die zwei Teller waren ratzfatz leer, auch dank der Vegetarier. Die glücklichen Gesichter blieben nach der Bunten Reispfanne mit Zitronengras-Kokossauce (9,90) und dem Salatteller mit heiß geräuchertem Lachs (12,90), wobei der Fisch so gar nicht trocken war und die gegrillten Auberginen ein deutliches Geschmackskontra boten.

Das Fleisch fällt zart vom Knochen

Jetzt aber ran an die Fleischtöpfe! Vornehmlich an die mit Spareribs. Die werden hier, vor der Endfertigung, vier Stunden geräuchert, was einerseits einen ähnlichen Effekt hervorruft wie das Vorkochen in Brühe: Sie fallen vor lauter Zartheit fast von den Knochen. Andererseits schmeckt man, weil nicht mariniert, hier Fleisch pur und kann dieses dann bei der klassischen Version in eine scharfe Sauce tunken oder etwa in koreanischer, wasabischarfer, mit Whiskey angereicherter Variante ordern; für Freunde schärferer Arten stehen "Flaming Hot"-Rippchen auf dem Programm (13,90 bis 15).

Der Hang zum koreanischen Gewürz ist wohl der Herkunft der Wirtin geschuldet. Nun ist es aber so, dass man Spareribs (auch die hier verwendeten Babyribs, die fleischigeren Kotelettrippchen) per Hand zum Mund führt, was bedeutet, dass die Finger sehr, sehr fettig werden. Im billigem Ambiente der Biergärten hilft man hier mit Papierservietten aus, in besseren Restaurants gibt es meist ein Schälchen mit heißem Wasser, Zitronenscheibe und/oder fettlösender Serviette. All dies fehlt hier, was zu Lasten der Jeans geht.

Ähnlich hilflos bleibt der Gast auch beim Korean BBQ Beef, weil dieses händisch in ein Salatblatt gewickelt wird, inklusive Coleslaw. Dass hier Salatblatt und Fleisch größentechnisch nicht ganz korrelieren, kommt in die allerdings extrem kurze Minusspalte. Denn natürlich ist auch hier das Schweinenackensteak von beeindruckender Qualität. Wobei Rump- und Ribeye-Steak vom Rind auf den ersten Plätzen landen, was, als die Vegetarier kurz weghörten, einer von Lendes Mitessern mit dem Satz bestätigte: "Das hätte ich auch roh gegessen!"

Nachspeisen passen immer noch rein, weil die Beilagen, erwähnter Krautsalat oder Rosmarinkartoffeln, nicht gänzlich vertilgt wurden, dazu ist das Fleisch einfach zu köstlich. Also gibt es gegrillte Banane mit Schokolade und Rum, wobei die Banane samt eingeschnittener Schale übers Hickoryholz gehalten wird, eine Variante, die man gerne daheim nachahmen kann.

Bleibt noch das Getränke-Resümee: Von den probierten Weinen blieb keiner im Gedächtnis, das Münchner Hofbräubier, Lendes Liebling, ist gut gepflegt. Freunde von Craft-Bieren aber schwärmten von der Kombination aus Trank und Fleischspeisen. In summa versteht man, warum sich eine Reservierung hier dringend empfiehlt.