Resi Huber Ein Wirtshaus für strenggläubige Veganer und blutrünstige Karnivoren

Ein gutes Restaurant für Vegetarier und Fleischliebhaber gleichermaßen: das Resi Huber.

(Foto: Robert Haas)

Im Bio-Restaurant Resi Huber kommt jeder auf seine Kosten.

Von Iwan Lende

Also sprach Anton, ein großer Kenner der bayerischen Küche: "Des is fei koa Wirtshaus ned!" Um die Wucht dieses Satzes zu erkennen, ist anzumerken, dass Antons Worte getragen sind von einem Klang tiefer Bewunderung dahingehend, dass man Koch und Küche dieses Restaurants gar nicht hoch genug loben könne. Dass also das Bio-Restaurant Resi Huber (man schreibt es "resihuber", was uns aber als etwas zu exaltiert erscheint) seine Gäste weit über dem Niveau des an guten Küchen reichen Viertels Untersendling versorgt.

In der Tat ist vieles recht außergewöhnlich am Resi Huber. Das beginnt beim Namen und endet nicht an der die Nerven der Betreiber arg strapazierenden Geschichte, als kurz nach der Eröffnung im Frühjahr 2018 ein gewaltiger Wasserschaden den Betrieb für Monate lahmlegte. Nun darf wieder gekocht werden.

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Bevor es ans Eingemachte geht (eine Metapher, die falscher nicht sein könnte, denn eingemacht ist hier gar nichts, sondern alles ist wirklich frisch), also: Bevor es um Speis und Trank geht, muss man noch kurz der Örtlichkeit Aufmerksamkeit schenken: Der Resi-Huber-Platz ist benannt nach einer tapferen Frau, die im Konzentrationslager Dachau den Kräutergarten pflegte und die Häftlinge mit Post und Lebensmitteln versorgte.

Er konnte es in seiner Schmucklosigkeit lange Zeit fast mit dem Ratzingerplatz aufnehmen. Nun wurden dort ein paar Bäume gepflanzt, es entstand ein Studentenheim namens "Reserl", und daneben eröffnete eine Filiale der Biomarktkette Vollcorner, womit wir wieder beim Essen und der Geschichte des Restaurants Resi Huber wären. Denn dieses im selben Gebäude beheimatete Restaurant ist der wahr gewordene Traum von Birgit Neumann und Willi Pfaff, die vor 30 Jahren in der Maistraße den ersten Vollcorner-Laden eröffneten. Es wundert also nicht, dass hier alles unter dem Signum "Bio" steht.

Erfreulich ist, dass vom strenggläubigen Veganer bis zum blutrünstigen Karnivoren jeder auf seine Kosten kommt, also die weit verbreitete Unsitte missionarisch gefärbter Speisekarten hier nicht zum Tragen kommt (damit sind auch Wirtshäuser gemeint, wo nichtfleischliche Angebote bestenfalls am Rande notiert sind). Man kann sich also ein dreigängiges veganes Menü zusammenstellen, ein vegetarisches und eines mit Fleisch oder Fisch.

Es passt einfach alles perfekt zusammen

Um es vorweg zu nehmen: Jede Variante ist zu empfehlen. Lende schalt sich dann selber, als er, einer alten Gewohnheit folgend, der veganen Vorspeise "Dreierlei vom Blumenkohl" dem Pfirsich mit Serrano-Schinken den Vorzug gab. Der Blumenkohl kam als Pannacotta, geröstet und als Couscous zur Nachbarin. Blumenkohl als Couscous? Da hat der Koch gezaubert mit Kräutern und Gewürzen.

Überhaupt die Kräuter! Ob bei der in Münchner Gin gebeizten Lachsforelle mit marinierter Gurke, ob bei der Pfirsich-Schinken-Kombination, Kräuter machen die Musik. Natürlich ist das Renkenfilet (gedoppelt und nach Cordon Bleu-Art mit feinem Streichkäse gefüllt) schon wegen seiner Roggenbrotkruste eine knusprige Überraschung, aber erst die Kombination mit Fenchel, Sauerrahm, Dillkartoffel und Kräutern macht daraus ein kulinarisches Kunstwerk. Selbiges gilt auch für die Involtini von der Rinderhüfte, klein, zart, gefüllt mit Kräutern und Zwiebeln, begleitet von gebratener Polenta, Ochsenherztomate und Aubergine; nach Dogma des Hauses ist Fleisch eine Beilage. Lende hasst eigentlich Aubergine, hier nicht!

Und dann die Hühnerbrust mit Lardo und Salbei, Zitronen-Bohnen-Risotto und bunten Karotten: Alles zusammen führt zur von Gastrokritikern gern benutzten Metapher der Geschmacksexplosion; anders ausgedrückt: Es passt einfach alles perfekt zusammen. Da fallen die Nachspeisen fast ein wenig ab: Die Heumilch-Topfenknödel waren recht wuchtig; zart und auf der Zunge zergehend aber gelang die Zitronentarte mit Blaubeersorbet.

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Man speist in angenehmster Atmosphäre

Das trifft Speis, das trifft Trank; der schwülen Hitze zu Testzeiten geschuldet ist die Vernachlässigung des Weines zugunsten von köstlichem Lammsbräu-Edelhell, wobei später dann der Silvaner vom Bio-Winzer Roth und der Dornfelder von Bürklin-Wolf am intensivsten im Gedächtnis geblieben sind. Und das trifft auch das Interieur: helle freundliche Eiche selbst an der riesigen Bar, angenehm locker gestellte Tische und an der Wand Schwarzweiß-Fotografien mit Motiven aus der Nahrungsgewinnung, vom Bauern bis zum Bäcker (das Brot im Resi Huber stammt übrigens aus der Grünwalder Bäckerei Brotzeit, die auch Lende sehr gerne heimsucht).

Die Preise liegen etwas über dem in dieser Gegend üblichen Niveau. Man kann also die 50-Euro-Grenze pro Person locker reißen. Aber man speist in angenehmster Atmosphäre mit ebensolchem Service, getragen von der Freude des Wirtspaares Neumann und Pfaff, einen Traum verwirklich zu haben. So ist das Resi Huber vielleicht doch ein Wirtshaus - im besten Sinn des Wortes.