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Seenotrettung:Hunderte Münchner demonstrieren für Kapitänin Rackete

Demo für Carola Rackete

Trotz des spontanen Aufrufs haben manche Demonstranten noch Banner und Plakate zum Protest gegen die Festnahme der Sea-Watch-Kapitänin mitgebracht.

(Foto: Sara Maria Behbehani)

Vor dem italienischen Konsulat versammeln sich recht spontan 700 Menschen und fordern die Freilassung der deutschen Kapitänin.

"Free Carola": Unter diesem Motto haben am Sonntagabend hunderte Menschen vor dem italienischen Generalkonsulat in München für Carola Rackete demonstriert. Die deutsche Kapitänin des Schiffs Sea-Watch 3 war mit 40 geretteten Flüchtlingen an Bord trotz Anlegeverbots in den Hafen von Lampedusa eingefahren - nach 17 Tagen auf See - und wurde dann in Italien festgenommen. "Die Frage, ob man Menschen rettet, ist doch keine politisch-strategische. Menschenrechte gelten überall. Auch auf dem Mittelmeer", sagte die Grünen-OB-Kandidatin Katrin Habenschaden. Doch mit dem Finger nur nach Italien, nur auf Salvini zu zeigen, sei zu einfach. "Natürlich ist Salvini das Allerletzte", sagte Habenschaden. "Aber was hier passiert, ist auch Ausfluss der deutschen Bundespolitik." Mit ihren Worten erntete die Grüne an diesem Abend viel Applaus. Etwa 700 Menschen kamen der Polizei zufolge zu der Demonstration, sie alle wollten ihre Solidarität mit der Kapitänin bekunden.

Organisiert wurde sie unter anderem von Benjamin David, Vorsitzender von Isarlust e.V., und verantwortlich für den Kulturstrand. Die Demo hatte kaum Vorlauf, es zeigt sich offenbar, dass man in München nach den großen Protesten des vergangenen Jahres schnell Hunderte Menschen mobilisieren kann. An diesem Sonntag, so sagte David, war es Zeit, dass München seine Solidarität mit der Kapitänin bekundete, ganz nach dem Motto "Wehret den Anfängen". Auch Claus-Peter Reisch ist vor das italienische Konsulat gekommen. Jener Kapitän, der mit dem Schiff Lifeline Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettete und der noch immer mit der Justiz kämpft. Der "zweite Kapitän, der zum Symbol geworden ist für mutige Menschen, die an den Rand von Europa fahren", wie Benjamin David ihn beschrieb.

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Und noch jemand trat auf, der bei Münchner Demonstrationen inzwischen Bekanntheit erlangt hat: Thomas Lechner, Organisator der #ausgehetzt-Demo und OB-Kandidat der Linken ist gekommen und nimmt bei seiner Rede die Politik in die Pflicht. "Wer schweigt, stimmt zu", sagte er. "Und das gilt auch für die Verantwortlichen in der EU." Besonders an die zur Demonstration erschienenen Jusos richtete er die Worte: "Sorgt dafür, dass die Taktiererei ein Ende hat. Die Heuchelei zwischen Spitze und Basis muss aufhören." Er forderte, dass sich München als nächste Stadt der Bewegung "Sichere Häfen" anschließt. Eine Bewegung auf Initiative der "Seebrücke", bei der sich immer mehr große und kleine deutsche Städte zu sicheren Häfen erklären. Mit ihrem Beitritt zu dem Bündnis erklären sie, mehr Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, als es ihre Pflicht ist.

Auch Lechner wurde von den Demonstranten viel bejubelt, besonders als er sagte, "Carola Rackete ist keine Verbrecherin. Salvini ist der Verbrecher". Zum Abschluss seiner Rede forderte er die Menge dazu auf "Free Carola" zu rufen. Es sind Worte, die die Menschen dem Konsulat entgegen schmetterten.

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