Prozess Albtraum auf der Uni-Toilette

Im zweiten Stock des LMU-Hauptgebäudes am Geschwister-Scholl-Platz soll der Tatverdächtige die Studentin überfallen haben.

(Foto: Robert Haas)
  • Der 26-jährige Süleyman D. steht vor dem Landgericht München I, weil er eine Studentin auf der Toilette der LMU vergewaltigt haben soll.
  • D. ist psychisch schwer krank und leidet nach Aussage eines Arztes an akustischen Halluzinationen - zu den Vorwürfen konnte er bisher keine Angaben machen.
Von Andreas Salch

Fünf Monate nach der Vergewaltigung einer Studentin in der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hat vor dem Landgericht München I der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der 26-jährige Süleyman D. soll am 27. Januar in eine Toilette in der LMU am Geschwister-Scholl-Platz eingedrungen sein und dort eine Studentin auf brutale Weise sexuell schwer missbraucht haben.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor, er habe nur zwei Tage nach der mutmaßlichen Vergewaltigung erneut versucht, eine Studentin auf einer Toilette der Universität zu vergewaltigen. Kurze Zeit später hatten Polizeibeamte den 26-Jährigen, von dem ihnen eine Beschreibung vorlag, in der LMU festnehmen können. Süleyman D. kam in Untersuchungshaft.

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Zum Auftakt des Prozesses vor der 9. Strafkammer konnte er weder Angaben zu den Vorwürfen aus der Anklage noch zu seiner Person machen. Der 26-Jährige ist psychisch schwer krank und leidet nach Aussage eines Arztes offenbar an akustischen Halluzinationen. Seit Anfang Mai ist D. im Isar-Amper-Klinikum in Haar untergebracht. Die beiden Studentinnen treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Sabine L. (Name geändert), die der Angeklagte vergewaltigt haben soll, war nach der Tat traumatisiert. Als die 25-Jährige den Gerichtssaal betrat, trug sie eine große schwarze Sonnenbrille und eine rote Perücke, um nicht erkannt zu werden. Ihr Rechtsanwalt Jochen D. Uher beantragte, für die Vernehmung seiner Mandantin die Öffentlichkeit auszuschließen. Doch das Gericht entschied anders, mit der Begründung, das Interesse der Öffentlichkeit überwiege in diesem Fall.

Es war gegen 16 Uhr an jenem 27. Januar, als Sabine L. nach einer Vorlesung auf eine Toilette im zweiten Obergeschoss der LMU ging. Als sie die Türe einer Kabine öffnen wollte, bemerkte sie, dass sie verschlossen war. Sie ging in eine andere. Plötzlich habe der Angeklagte die Türe aufgerissen. In diesem Moment habe sie "realisiert, was los ist", sagte sie vor Gericht. "Ich habe gebrüllt wie am Spieß." Doch sie habe erkannt: "Du hast keine Chance."

Süleyman D. ist knapp zwei Meter groß, kräftig und etwas übergewichtig. Sabine L. ist dagegen klein und sehr zierlich. D., der einen Bachelor in Physik hat, soll laut Anklage die junge Frau mit seinem Körpergewicht auf einen Mülleimer in der Kabine gedrückt und sich auf sie geworfen haben. Dabei brach er ihr den rechten Unterarm. Der Arm war nach einer Fraktur 2015 erst gerade wieder verheilt. Die Szenen, die sich in der Toilette abgespielt haben sollen, sind für die Prozessbeteiligten nur schwer erträglich.

Sabine L. berichtete zum Teil mit tränenerstickter Stimme von der Tat. Durch den Bruch ihres Unterarmes musste sie extreme Schmerzen erdulden. In ihrer Verzweiflung biss sie Süleyman D. so fest in die rechte Hand, dass diese blutete. Einem psychiatrischen Sachverständigen hatte D. gesagt, er habe vor den beiden Taten Alkohol getrunken und ein bis zwei Joints geraucht. Sabine L. schrie um Hilfe. Doch Süleyman D. habe ihr Mund und Nase so zugehalten, so dass sie keine Luft mehr bekam. "Dann habe ich aufgehört zu schreien", sagt die 25-Jährige. Sie habe nun versucht, den Angeklagten "einzulullen", habe ihm angeboten, mit ihm in ein Café zu gehen, ihm gesagt, dass er "ein toller Typ ist" und ihm einmal auf die Wange geküsst. "Das war widerlich ohne Ende", so Sabine L.

Süleyman D. habe darauf bestanden, mit ihr Sex zu haben. Als die Studentin ihrem mutmaßlichen Peiniger sagte, dass das nicht mehr gehe, weil er ihr gerade den Arm gebrochen habe, soll der 26-Jährige dies zuerst nicht geglaubt haben. Sabine L. musste unter unbeschreiblichen Schmerzen ihre Daunenjacke ausziehen. "Er fasste den Arm an, aber der Arm klappte weg. Ich habe noch mehr geschrien", so die Studentin. "War er dann überzeugt?", fragte Richter Philipp Stoll. "Ja", antwortet Sabine L. Dann habe D. gesagt: "Scheiße, das wollte ich nicht." Dann sei er "abgehauen".