Oktoberfest:18 Zelte, 18 Anzapf-Rituale

Ozapft is - den Spruch kennt man aus dem Schottenhamel, wo der Münchner Oberbürgermeister das erste Fass ansticht. Jedes Zelt hat seine eigenen Besonderheiten.

Von Franz Kotteder

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Festhalle Schottenhamel

Oberbürgermeister Dieter Reiter beim Anzapfen des Oktoberfests 2018 in München

Quelle: dpa

Wer im Schottenhamelzelt anzapft, weiß nun wirklich jeder Münchner: Seit 1950 übernimmt diesen Job der Münchner Oberbürgermeister, und wer diesen Job nicht gerne macht oder nur so tut oder zu viele Schläge braucht, der wird bei der nächsten Wahl ganz sicher abgestraft. Man kann zwar nicht unbedingt sagen, dass Dieter Reiter (SPD) an diesem Samstag seine Wiederwahl in der Hand hat, aber grob danebenhauen sollte er wohl besser nicht.

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Fischer-Vroni

Josef Schmid auf dem Münchner Oktoberfest, 2011

Quelle: Robert Haas

Bisher wurde bei der Fischer-Vroni noch nicht parallel zum Schottenhamel angezapft. "Wir sind ja immer die letzten, die mit der Kutsche an ihrem Zelt ankommen", sagt Fischer-Vroni-Wirt Hans Stadtmüller, "da wird es eh immer ein bissl knapp." Diesmal treibt jemand den Zapfhahn ins Spundloch, der das liebend gerne als Oberbürgermeister im Schottenhamelzelt getan hätte: Josef Schmid ist als Anzapfer zu Gast. Der ehemalige Zweite Bürgermeister und jetzige CSU-Landtagsabgeordnete wird oben auf dem Musikpodium, das aussieht wie ein Schiff, die erste Mass präsentieren.

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Weinzelt

Alternatives Anzapen Weinzelt

Quelle: oh

Weil das Weinzelt ein Weinzelt ist, wird hier natürlich auch kein Bierfass angezapft und kein Krug erhoben. Stattdessen geht Stephanie Kuffler, die Ehefrau von Festwirt Stephan Kuffler, kurz vor zwölf mit einem überdimensionalen Weinglas auf die Bühne, flankiert vom Oberbürgermeister der Winzergemeinde Sommerach, Elmar Henke, und der jeweils amtierenden Weinprinzessin. Sie warten den letzten Böllerschuss ab, erheben das Glas und wünschen allen eine friedliche Wiesn. Fast wie in einem richtigen Bierzelt.

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Ochsenbraterei

Alternatives Anzapfen: Ochsenbraterei

Quelle: Annette Sandner

"Ich bin recht froh, dass mein Vater nie angezapft hat", sagt Antje Schneider, die Wirtin der Ochsenbraterei, "so muss ich das jetzt nicht machen." Davor hätte sie dann doch Respekt, meint sie. Das Eröffnungsritual im Zelt besteht darin, dass sie zusammen mit ihrer Mutter Anneliese Haberl und mit den Musikanten von der Oktoberfestkapelle Matthias Achatz ins Zelt einzieht und eine Runde dreht. Schneider geht dann aufs Podium und begrüßt die Gäste. Der Ausschank beginnt, sobald der zwölfte Böller erklungen ist. "Der Kapellmeister zählt dankenswerterweise für mich mit", sagt Schneider.

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Augustinerzelt

Oktoberfest 2014 - Day Two

Quelle: Getty Images

Im Augustinerzelt ist sowieso immer alles ein bisschen anders als in den anderen Zelten, und ein Anzapfen, bei dem sich zum Beispiel ein Prominenter auf die Bühne stellt und Theater macht, gibt's hier schon gleich gar nicht. Bei Manfred und Thomas Vollmer, den beiden Festwirten, marschiert die Augustinerzelt-Festkapelle, die als einzige auch beim Trachtenzug mitgeht, einmal durchs ganze Zelt, erklimmt das Podium, und auf geht's.

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Schützen-Festzelt

Margrete

Quelle: privat; imago

"Wir lassen jedes Jahr ein anderes Madl anzapfen", sagt Festwirt Ludwig Reinbold, "die kommen aus dem Publikum und können sich bei uns bewerben." In diesem Jahr handelt es sich um ein wirklich gestandenes Madl, nämlich die 37-jährige Margarethe Schlemmer, Rechtsanwältin und vierfache Mutter aus München. "Ich gehe seit 22 Jahren mit voller Inbrunst auf die Wiesn und versuche, so viele Tage wie möglich draußen zu sein", sagt sie. Fürs Anzapfen hat sie schon ein bisschen bei der Brauerei geübt.

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Bräurosl

Wiesnbierprobe von Hacker-Pschorr im Alten Eiswerk, Ohlmüllerstraße

Quelle: Florian Peljak

In der Bräurosl entscheidet es sich immer sehr kurzfristig, wer das erste Fass anzapft. Darüber entscheidet die Tagesform der beiden Kandidaten: Festwirt Georg Heide oder Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt. Die beiden fahren zusammen in der Kutsche beim Wiesn-Einzug zum Zelt, und dort machen sie dann auch aus, wer auf die Bühne geht und anzapft. Wahrscheinlich ist in diesem Jahr Georg Heide (im Bild) wieder dran. Aber wenn sie das hier lesen: Vielleicht entscheiden sie sich dann mit Fleiß für Steinfatt.

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Paulaner-Festzelt

Alternatives Anzapfen

Quelle: sampics / Stefan Matzke

Im Paulaner-Festzelt darf jedes Jahr ein richtiger Braumeister anzapfen: Christian Dahncke von der Paulaner-Brauerei, der natürlich auch für das Wiesn-Bier verantwortlich ist, auch wenn er sagt: "Da arbeiten noch 120 andere Brauer mit." Vorneweg darf ein "Wiesn-Warmupper", für den man noch keine bessere Berufsbezeichnung gefunden hat, die Stimmung anheizen. Das ist im Paulanerzelt traditionell der Radiomoderator Bernhard "Fleischi" Fleischmann von Bayern 3.

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Hofbräu-Festzelt

Bayerns Finanzminister Füracker beim Maibockanstich im Hofbräuhaus in München

Quelle: dpa

Nachdem Hofbräu dem Freistaat Bayern gehört, hat der amtierende bayerische Finanzminister das Vorrecht des Anzapfens im staatlichen Bierzelt. In diesem Jahr feiert Albert Füracker (CSU) auf der großen Bühne des Hofbräuzelts sein Debüt. Eigentlich wäre er damit schon im vergangenen Jahr dran gewesen, dann aber kam ihm ein Termin dazwischen, und er musste einen Staatssekretär als Vertretung schicken. Dass er's draufhat, hat er in diesem Jahr schon beim Anzapfen eines Fasses Maibock im Hofbräuhaus bewiesen.

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Marstall-Festzelt

Alternatives Anzapfen: Marstall-Festzet

Quelle: privat

"Das Anzapfen ist Sache des Festwirts, ganz klar", sagt Siegfried Able vom Marstall-Festzelt, gleich rechts vom Haupteingang des Oktoberfests. Deshalb geht er gleich nach dem Einzug der Wiesnwirte mit seiner Familie - den Töchtern Verena und Vanessa sowie seiner Frau Sabine - auf das Podest, das einem Kinderkarussell nachempfunden ist. Das Anzapfen verfolgt die Familie dann aus sicherem Abstand. Unnötigerweise, denn ein Malheur ist dabei noch nie passiert.

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Käfer-Schänke

Oktoberfest - FC Bayern auf der Wiesn

Quelle: dpa

Den Begriff "Bescheidenheit" würde man nicht zuvorderst im Käferzelt verorten, aber es ist dennoch wahr: Hier hält man sich vornehm zurück, was irgendwelche Anzapfrituale angeht. Stattdessen wartet man brav ab, bis die Böllerschüsse den Abschluss des Anzapfvorgangs in der Festhalle Schottenhamel verkünden. "Das einzig Spektakuläre", sagt Festwirt Michael Käfer, "sind vielleicht die langen Schlangen vor unseren Schänken, wenn es losgeht."

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Armbrustschützenzelt

Alternatives Anzapfen: Armbrustschützenzelt

Quelle: oh

Selbst ist der Wirt, sagt sich auch Peter Inselkammer vom Armbrustschützenzelt. Hier geht es sowieso eher familiär zu, die Stammgäste kennen sich untereinander, und hier gibt es sogar noch richtige Schafkopfnachmittage. Ehrensache, dass hier natürlich auch der Festwirt höchstpersönlich anzapft. Wie jedes Jahr, so auch heuer wieder.

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Löwenbräuzelt

Alternatives Anzapfen: Löwenbräuzelt

Quelle: VOLKER LANNERT; Damische Ritter / Michael Blaudszun

Traditionellerweise hat bisher Wiggerl Hagn im Löwenbräuzelt angezapft, er war schließlich seit 65 Jahren auf der Wiesn, die allermeiste Zeit davon als Wirt des "Löwen", wie das Festzelt im Wiesn-Jargon heißt. Nach dem Malheur mit der Umsatzpacht ist seine Tochter Stephanie Spendler jetzt alleinige Festwirtin. Ob sie selbst anzapft, weiß sie noch nicht: "Schon, wenn ich mich trau'..." Auf alle Fälle hilft ihr wie jedes Jahr die Faschingsgilde der "Damischen Ritter", die ziehen jedes Jahr mit der Musik und der Wirtsfamilie ins Zelt ein und sorgen für Gaudi auf der Bühne, bis es die erste Mass gibt.

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Hackerzelt

Alternatives Anzapfen: Hackerzelt

Quelle: Hacker-Pschorr-Pressestelle

Im "Himmel der Bayern", dem Hackerzelt, haben die Roiderers den Schlegel zum Anzapfen fest in der Hand. Die Wirte dort zapfen traditionell selbst an. Viele Jahre war das selbstverständlich der Wiesnwirtesprecher Toni Roiderer. Seit er, der am Sonntag seinen 75. Geburtstag feiern kann, den Sprecherjob vor fast zwei Jahren an Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel übergeben hat, hat er sich auch im Hackerzelt ein wenig zurückgezogen. Sein Sohn Thomas (im Bild) erweist sich aber auch beim Anzapfen als würdiger Nachfolger.

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Zur Schönheitskönigin

Herrsching: Programmpräsentation des Festzelts ' Zur Schönheitskönigin' mit Ilse Aigner

Quelle: Nila Thiel

Das kleine Volkssängerzelt "Zur Schönheitskönigin" ist bereits zum dritten Mal auf der Wiesn, und jedes Mal hat die heutige Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) angezapft. Beim ersten Mal - damals war sie noch bayerische Wirtschaftsministerin - hat sie die vorhandenen Fotografen ordentlich nassgemacht, beim zweiten Mal blieben alle trocken. Wie es an diesem Samstag nach zwölf Uhr wird, lässt sich noch nicht sagen. Ziemlich feucht ging es noch Ende Juli bei der Generalprobe im Herrschinger Seehof zu, wo das Festwirtepaar Gerda und Peter Reichelt das Programm ihres Zelts vorstellten (unser Bild).

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Festzelt Tradition

Alternatives Anzapfen: Festzelt Tradition

Quelle: privat

Im großen Festzelt auf der Oiden Wiesn darf immer ein ehemaliger Wiesn-Stadtrat anzapfen. Seit 2010 und der Historischen Wiesn, aus der die Oide Wiesn hervorgegangen ist, war das oft Hermann Memmel (SPD). Er ist im Frühjahr verstorben. In diesem Jahr ist sein Parteifreund Helmut Schmid der Anzapfer, der diesen Job auch schon öfters zu vollster Zufriedenheit erledigt hat, wie unser Foto beweist.

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Herzkasperlzelt

Anzapfen mit Uli Bauer und Helmut Schleich. Auf der Oidn Wiesn im Herzkasperlzelt

Quelle: Florian Peljak

Im Musikantenzelt auf der Oiden Wiesn zapft ein ehemaliger Ministerpräsident an: Franz Josef Strauß (CSU), in Gestalt des Kabarettisten Helmut Schleich. Natürlich geht das nicht ohne eine flammende Rede ab. Das war im Herzkasperlzelt schon so, als noch Christian-Ude-Double Uli Bauer anzapfte. Die Volksmusik-Fernsehmoderatorin Traudi Siferlinger bestreitet zusammen mit dem Gstanzlsänger Sebastian Daller und den Holledauer Hopfareissern das Vorprogramm, anschließend spielt der Niederbayerische Musikantenstammtisch zum Tanz auf.

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Museumszelt

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Quelle: Stephan Rumpf

Das Museumszelt des "Historischen Gesellschaft Bayerischer Schausteller e.V." hat zwar nur eine kleine Gastronomie mit gerade mal 350 Sitzplätzen. Angezapft wird aber auch dort. Und in diesem Jahr hat man einen wirklich prominenten Mann dafür gefunden: den bayerischen Kunstminister Bernd Sibler (CSU), der das zum ersten Mal hier macht. "Das passt sehr gut", sagt Yvonne Heckl vom Schaustellerverband, "schließlich gehören die bayerischen Museen ja auch zu seinem Aufgabenbereich."

© SZ.de/amm
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