OB-Forum der Grünen:Nicht ganz grün

Münchens Grüne suchen den Oberbürgermeisterkandidat - und der soll nicht im Hinterzimmer bestimmt werden, sondern von der Basis. Beim ersten OB-Forum sind sich die Bewerber Monatzeder, Nallinger und Hoenning thematisch einig. Doch Spannungen gibt es durchaus.

Lisa Sonnabend

So richtig grün sind sie sich nicht mehr. Hier ein genervter Blick, da ein spöttisches Lächeln und ab und an ein verbaler Seitenhieb. Am Donnerstagabend haben sich die drei Münchner Grünen, die Oberbürgermeisterkandidat ihrer Partei werden wollen, bei einem ersten OB-Forum der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Art Talkshow, bei der die Teilnehmer alle aus der gleichen Partei stammen, und es deswegen eher harmonisch als kontrovers zugeht. Da muss man schon genau hinschauen und hinhören, um Spannungen zu entdecken.

OB-Forum der Grünen: Konkurrenzkampf unter drei Grünen: Nallinger, Hoenning und Monatzeder (von links nach rechts) beim ersten OB-Forum im Weyprechthof.

Konkurrenzkampf unter drei Grünen: Nallinger, Hoenning und Monatzeder (von links nach rechts) beim ersten OB-Forum im Weyprechthof.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auf der Bühne stehen: Hep Monatzeder, 60, seit 1996 dritter Oberbürgermeister der Stadt. Sabine Nallinger, 48, seit 2008 Stadträtin in München. Und Nikolaus Hoenning, 40, der eigentlich ohne Chance ist, aber mit seinem Antreten ein Zeichen für mehr demokratische Strukturen in der Partei setzen will - und deswegen von Moderatorin Ulrike Ostner als "Pirat unter den Grünen" vorgestellt wird.

Die Idee hinter den OB-Foren: Der Kandidat soll nicht im Hinterzimmer auserkoren werden, sondern er wird von der Parteibasis in einer Mitgliederbefragung bestimmt. Auf zwei OB-Foren können die Grünen Kandidaten zuvor für sich und ihre Positionen werben.

Etwa 150 Parteimitglieder und Interessierte sind am Donnerstagabend in den Weyprechthof im Münchner Norden gekommen, ein gemütliches Gasthaus mit großem Biergarten. Auf der Bühne wird normalerweise Bauerntheater aufgeführt, die Kulisse ist nun mit einem großen grünen Banner überdeckt worden. Im Saal ist es stickig, draußen braut sich ein Gewitter zusammen. Bratenduft zieht durch die geöffneten Fenster hinein, innen gibt es nur vegetarische Gerichte. Natürlich bio.

Wer denkt, ein OB-Forum laufe ab wie eine Sendung von Deutschland sucht den Superstar, irrt. Rausgewählt wird an diesem Abend keiner. Die Zuschauer haben keinen Telefonhörer zur Hand und auch keine Stimmkarte vor sich, nur durch Klatschen können sie ihre Sympathien bekunden. Nallinger hat mit Abstand die meisten Anhänger in den Münchner Norden mitgebracht. Schon bei ihrer Begrüßung wird minutenlang geklatscht.

90 Minuten diskutieren die Bewerber über ein breites Themenspektrum: Kinderbetreuung, Verkehr, Wohnungsnot, soziale Gerechtigkeit, Frauenförderung. Auch das Publikum darf Fragen stellen. Für eine Antwort hat jeder Politiker 90 Sekunden Zeit, gestoppt wird mit einer großen Sanduhr.

Der vielleicht entscheidende Unterschied

Hin und wieder fällt in diesen 90 Sekunden sogar eine unüberhörbare Spitze gegen den Konkurrenten aus der eigenen Partei. Als Nallinger ihre Idee eines Raumdeals vorstellt, der im Dialog mit der Bevölkerung das Wohnungsproblem lösen soll, entgegnet Monatzeder routiniert: "Ob das nun Deal heißt oder Bürgerbeteiligung, ist mir egal." Als der dritte Bürgermeister die Gleichstellungsstelle der Stadt als geeignetes Instrument der Frauenförderung preist, antwortet Hoenning, der - da ohnehin ohne Chance - sich an diesem Abend auch darauf konzentriert, Nallinger zu unterstützen: "Ich würde mich nicht ausruhen auf einer Stelle, die es seit den achtziger Jahren gibt."

Monatzeder, der gegen die Durchführung der Foren war, blickt hin und wieder genervt zu seinen Anhängern. Nallinger tuschelt mit Hoenning, während der parteiinterne Konkurrent spricht - auch nicht so die feine Art.

Im Prinzip wollen aber natürlich alle drei Politiker das Gleiche. Das Wohnungsproblem angehen? Unbedingt! Die Kinderbetreuung in der Stadt verbessern? Ganz wichtig! Eine Fahrradstadt? Ja, bitte!

Nur Nallinger hat die größeren Worte dafür als der pragmatische Monatzeder. "Im Jahr 2020 haben wir die autogerechte Stadt überwunden und haben stattdessen die menschengerechte Stadt", sagt sei einmal. Sie spricht immer wieder von Visionen, München nennt sie "eine geile Stadt". Ihr Ziel: frischen Wind bei den Grünen reinbringen. "Ich will die Menschen wieder für Politik begeistern", sagt sie bei einem Glas Wein nach dem Ende des Forums. Das könne sie deutlich besser als Monatzeder, ist sie sicher.

Münchens dritter Bürgermeister hat allerdings einen, vielleicht entscheidenden, Vorteil: Er macht seit fast zwei Jahrzehnten Politik - und ist bei den Münchner beliebt und bekannt wie kaum ein anderer Stadtpolitiker. 62 Prozent der Münchner wissen, wer er ist. Das sind deutlich mehr als bei den Konkurrenten: Dieter Reiter, OB-Kandidat der SPD, ist nur 19 Prozent der Münchner ein Begriff und Josef Schmid, OB-Kandidat der CSU, 40 Prozent. Und auch vielen der 1200 Grünenmitglieder in München dürfte Monatzeder vertrauter sein.

Nach dem zweiten OB-Forum, das am kommenden Montag im Kolpinghaus (Adolf-Kolping-Str. 1) stattfindet, werden die Briefe mit den Abstimmungsunterlagen an die Mitglieder verschickt. Das Ergebnis wird Ende Juli erwartet.

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