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Musikfestival FK:K:Experimentierlust

Das Musikfestival FK:K in Nürnberg und Bamberg

Von Oliver Hochkeppel, Bamberg/Nürnberg

Viele sind schon ausgefallen, viele fallen noch aus - die Planung eines Festivals gehört in Corona-Zeiten zu den Höchstschwierigkeiten. Trotzdem haben sich Jérémie Gnaedig und Felix Forsbach vom fränkischen "Franz Kafka e.V." an die Ausrichtung des vierten FK:K Festivals gewagt. Ihr engagiertes Team hatte ursprünglich einen Schwerpunkt auf experimentelle Ethno-Musik aus Afrika legen wollen. Doch die interkontinentale Anreise von Künstlern war nun freilich unmöglich. Trotzdem bekam man "die Internationalität hin, die uns sehr wichtig ist", wie Forsbach sagt - "dank der Sogwirkung Berlins auf Künstlerinnen und Künstler". Und der Fokus wurde einfach auf "Soundart und experimentelle Musik" verschoben.

Das Programm wurde auf zwei Spielorte verteilt, ins angestammte Kesselhaus in Bamberg und erstmals in die Nürnberger Kulturwerkstatt auf AEG. In Bamberg sind bereits die ersten Konzerte erfolgreich über die Bühne gegangen. Die jeweils 40 zugelassenen Zuschauer ließen sich jedenfalls dankbar auf die musikalischen Experimente im zum Klanglabor umfunktionierten ehemaligen Kraftwerk ein. Auf die des Bretonen Erwan Keravec an seinem Dudelsack oder des Brüsselers Ben Bertrand an Bassklarinette und Loopstation, an denen er raffiniert mit dem Hall im Kesselhaus spielte. Auf die musikalische Performance der in Paris lebenden japanischen Künstlerin Tomoko Sauvage an sechs Glas- und Porzellanschüsseln wie auf die Ritualmusik, die die aus Simbabwe stammende, in Berlin lebende Stella Chiweshe mitsamt Zaubersprüchen dem Lamellophon und diversen Rasseln entlockt.

Ähnlich Spannendes ist auch in der zweiten Festivalwoche zu erleben. Zunächst in Nürnberg bei vier Mixed-Shows, bei denen am 10. September die Experimental-Trios Contageous und Shrack, das audiovisuelle deutsch-libanesische Quartett Stellar Banger und Avantgarde-Jazzschlagzeuger Lukas Koenig zu sehen sind, tags darauf das Who-Is-Who der experimentellen elektronischen Musik in Nürnberg, am 12. das neue Projekt Fehler Kuti mit den von The Notwist bekannten Musikern Markus Acher und Tobias Siegert und die französische Supergroup Berrocal/Fenech/Epplay. Nach einer dazu passenden Filmdokumentation ist am 13. der zum Weltkulturerbe gehörende albanische Chor Vlora of Independence ein Highlight, das am 15. zum Abschluss und kombiniert mit den Dudelsack-Stücken des Franzosen Loup Uberto in Bamberg wiederholt wird. Dazwischen steht am 14. noch die Multimedia-Performance "RotoR" von Peter Kutins Wiener Kollektiv NO1 an.

FK:K IV, noch bis 15. September, Kesselhaus Bamberg und Kulturwerkstatt "Auf AEG" Nürnberg, www.franzkafkaverein.de/festival-fkk-iv

© SZ vom 10.09.2020

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