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Donnelly Connection:Rettungsanker Rock

Alexander Donelly

Alexander Donnelly füllt seine Songs mit Leben.

(Foto: Silberpfeil PR)

Exzellentes Bluesrock- und Soul-Album aus einem Guss mit beeindruckender Stimme: Alexander Donnelly stellt seine erste Platte "News" vor.

Sex and Drugs and Rock'n'Roll: Dass Musiker in Sachen Stimulanzien besonders gefährdet sind, ist ja ein Klischee. Aber mit wahrem Kern, wie die vielen Drogentoten im Jazz der Dreißiger- bis Fünfzigerjahre und im Rock bis in die Gegenwart hinein beweisen. Musik muss aber nicht der Killer, sie kann auch der Retter sein.

So ist das kontinuierliche Spielen und Touren mit seiner Band für Alexander Donnelly ein echter Stabilitätsfaktor in einem Leben, das mehr als 30 Jahre lang vor allem eine Drogenkarriere war. Mit allem, was dazu gehört: einer traumatischen Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, die starb, als er elf war; vom ersten Joint mit Zwölf bis zur Heroinsucht mit 18; von vielen Gelegenheitsjobs bis zu Gefängnis und Obdachlosigkeit. Zwischendurch heiratete Donnelly eine Australierin (ihren Namen hat er behalten) und wanderte aus. Doch die Ehe scheiterte, und er wurde ausgewiesen.

Jetzt ist Alexander Donnelly 48, seit fünf Jahren vor allem dank seiner Freundin und seinen zwei Kinder absolut clean - und ein aufstrebender Sänger und Gitarrist, der soeben das erstes Album "News" mit seiner Band Donnelly Connection herausgebracht hat. "Eigentlich wollte ich nur mal ein paar Songs als Demo einspielen, um besser an Gigs zu kommen", erzählt Donnelly. "Aber dann lief es so gut, dass wir uns gesagt haben: Machen wir doch ein Album. Während wir die vier fertigen Stücke einspielten, habe ich neue geschrieben. Und das im Studio meines Schlagzeugers Wolf Wolff quasi live eingespielt, einen Song pro Tag."

Das Ergebnis ist ein exzellentes Bluesrock- und Soul-Album mit elf Stücken wie aus einem Guss. Beeindruckend ist schon Donnellys Stimme: Weich und doch mit einem rauen Schmelz, intonationssicher und ausdrucksvoll. Sie verleiht den Texten eine Kraft und Authentizität, die sie selbst dann glaubhaft machen, wenn man Donnellys Leidensgeschichte nicht kennt. Dann aber erst recht, denn natürlich greifen die meisten Songs seine Erfahrungen auf.

Hymne an die heilende Kraft der Musik

Und man spürt, dass Donnelly weiß, wovon er da singt, ob bei "Out Of Addiction", der sozusagen als Kiffer-Reggae beginnt und als geradliniger Rock endet, oder bei den Aufrufen "Learn To Live" und "Not To Live Just To Survive". Auch "Music" bekommt als Hymne an die heilende Kraft der Musik einen tieferen Sinn. Ein erstaunliches Debüt, auch als Produzent: Der Sound ist großartig, nichts kippt da runter, alles bleibt transparent und erdig zugleich.

Wobei nicht zuletzt die "Help of my Friends" eine Rolle spielt. Leadgitarrist Ivan Galic spielt sich beachtlich durch den Eric-Clapton-Kosmos, Wolf Wolff zieht am Schlagzeug ebenso ordentlich an wie Falco Borsinni am Bass. Und Hansi Enzensperger beweist hier wie schon mit seiner eigenen Band Organ Explosion, dass er der Guru für klassische Organ- und Keyboard-Sounds ist. Man hört, dass hier eine eingespielte Truppe mit großer Live-Erfahrung am Werk ist - schon deshalb sollte man sich die CD-Präsentation nicht entgehen lassen.

Donnelly Connection: "News"; Freitag, 9. Februar, 20 Uhr im Maxe Belle Spitz, Sonnenstraße 19, München

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Alexander Donnelly spritzte mit 17 Heroin. Eine klassische Drogenkarriere, inklusive Knast und Obdachlosigkeit. Bis zu einem geschickten Schachzug seiner Freundin.   Protokoll: Lars Langenau