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Heroin-Sucht:Der glücklichste Junkie der Welt

Es ging immer rauf und runter mit Alexander Donelly

(Foto: Stephan Rumpf)

Alexander Donnelly spritzte mit 17 Heroin. Eine klassische Drogenkarriere, inklusive Knast und Obdachlosigkeit. Bis zu einem geschickten Schachzug seiner Freundin.

"An glückliche Zeiten in meiner Kindheit kann ich mich kaum erinnern. Meine Mutter war oft vollkommen überfordert. Sie ist selbst mit 15 Jahren zum ersten Mal Mutter geworden. Später hat sie dann meinen viel älteren Vater geheiratet, der nicht der Vater meines Bruders ist, dafür aber eine Tochter aus erster Ehe mitbrachte. Meine Mutter war sehr labil und hatte ein großes Alkoholproblem. Sie verließ uns, als ich zehn Jahre alt war. Etwa ein Jahr später stand sie wieder vor unserer Tür. Kurz darauf erlitt sie jedoch einen Hirnschlag, fiel ins Koma und starb. Da war ich elf. Mein Vater zog uns drei Kinder allein groß.

Ich wurde in Saarbrücken geboren und bin in der vierten Klasse nach München gekommen. Mein Vater war vorher Musiker und hat dann Volkstheater gemacht. Er war der Edi Bierling aus Oberammergau und spielte im Chiemgauer Volkstheater und auf anderen Bühnen. Wir sind damals oft umgezogen, immer im Umkreis von München. Fast jedes Jahr musste ich die Schule wechseln, Freunde konnte ich zu dieser Zeit kaum finden.

Das große Schweigen

Mein Vater outete sich in späten Jahren als homosexuell. Er war ein wenig wie der Walter Sedlmayr. Als ich 14, 15 Jahre alt war, saßen bei uns am Frühstückstisch Stricher, die ungefähr so alt waren wie ich. Erst mit Ende 60 hatte er einen festen Freund, der so Ende 20 war. Es war eine befremdliche Welt. All das kann man doch niemandem erzählen, wenn man selbst in der Pubertät ist. Wie der Tod meiner Mutter wurde auch das totgeschwiegen.

Viel später habe ich eine Psychotherapie begonnen und versucht, mit einem Familienalbum zu arbeiten. Nach dem Tod meines Vaters konnte ich ihm ein Brief schreiben und ihm darin alles mitteilen, was ich ihm zuvor nie gesagt habe. Ich konnte ihm das große Schweigen verzeihen, denn auf seine Art hat er wohl alles versucht. Hat halt nicht immer ganz so geklappt.

Als ich zwölf war, starb meine ältere Halbschwester an einer Überdosis Heroin.