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Landtagswahl:Christian Hierneis: "Im Augenblick ist an der Isar Chaos"

Als wäre das Überlebens-Duell Spaenle gegen Zacharias noch nicht spannend genug, drängt im Stimmkreis 108 auch noch einer in den Landtag, der für sich wohl ein grünes Herz beanspruchen würde: Christian Hierneis, 54, tritt hier erstmals für die Grünen an, als Nachfolger der langjährigen Fraktionschefin Margarete Bause, die inzwischen im Bundestag sitzt. Wenn Spaenle und Zacharias hofften, dass ihre Mission damit leichter würde, könnten sie sich getäuscht haben. Die Grünen erfahren gerade bayernweit Rückenwind und Hierneis ist ein anderer Typ als die gewandte, aber eher kühle Bause, die zuletzt auf Platz drei in Schwabing gelandet war.

Er raucht schon mal eine Zigarette, wenn er zum Wahlkampf-Spaziergang an die Isar einlädt, um über die Vorteile des ökologisch einwandfreien Wasserkraftwerks an der Praterinsel zu referieren und über die Zukunft des Flusses. "Durch die Renaturierung stürmt alles dahin, weil es so schön ist", sagt Hierneis. Eine klare Trennung sei nötig: Bereiche fürs Feiern und Orte, an denen die Natur Vorrang genießt. "Im Augenblick ist an der Isar Chaos."

Erklärung

München hatte bei der Landtagswahl 2013 noch einen Stimmkreis weniger. Das Statistische Landesamt hat berechnet, wie das damalige Ergebnis (oben) mit dem neuen Zuschnitt (unten) ausgesehen hätte.

Wie der Konkurrent Spaenle, so spielt auch Hierneis Doppelpass mit sich selbst. Nicht als Ex-Minister und Plakatierer, sondern als Kandidat und Kreischef des Bund Naturschutz in München. Keine schlechte Ausgangssituation, findet er. Geht es nach den Auguren und ihren Prognose-Algorithmen, ist es sogar eine sehr gute. Dort leuchtet der Stimmkreis Schwabing relativ konstant grün. Viel gibt Hierneis nicht darauf, "ich mache mein Ding". Wie das aussieht, wenn es um das Wachstum und die teuren Mieten geht? Grünflächen schützen und nicht jedes Unternehmen nach München locken, sagt Hierneis.

Der Grüne versucht, eigene Akzente zu setzen. Was ihm nicht schwerfallen dürfte, weil die Konkurrenz bisher vor allem die Politikfelder Bildung, Wissenschaft und Kunst bearbeitet hat. Das gilt auch für einen, der wiederum mit seiner Präsenz im bürgerlichen Milieu das knappe Ergebnis entscheidend beeinflussen könnte: Für die FDP tritt der frühere Wissenschafts- und Kunstminister Wolfgang Heubisch, 72, an.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias macht Wahlkampf auf dem Geschwister-Scholl-Platz.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zwar betont er, wie sehr sich sein Programm von Spaenle unterscheide, doch schaden könnte dem CSU-Mann ein Thema, bei dem die beiden einer Meinung sind: der geplante Bau einer Tramlinie durch den Englischen Garten. Ihr Schwabinger Klientel, um das sie ringen, will keine ratternden Züge vor der Haustüre, die dann durch den Park fahren. Heubisch und Spaenle sind auch dagegen, aber der CSU-Mann hat von seiner Partei in Sachen Glaubwürdigkeit einen Leberhaken verpasst gekommen. Gegen seinen Willen tolerierten die Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Markus Söder sowie 20 von 24 CSU-Stadträte die Pläne der Stadt. "Da steht er total isoliert da", sagt Heubisch.

Christian Hierneis will für die Grünen ins Maximilianeum.

(Foto: Catherina Hess)

Spaenle weiß natürlich, dass er auch diesen Rucksack mitträgt in einem so intensiven Wahlkampf, wie er ihn noch nicht erlebt hat. Also wird er weiter seine eigenen Porträts anbringen und die Leute taxieren. "Ich merke sofort, ob mich jemand erkennt, mag oder nicht mag." Von Umfragen wolle er sich nicht nervös machen lassen, sein Gefühl sage ihm, dass die Stimmung im Juli noch viel schlechter war. Einen "richtigen Widerwillen" habe er gegen die CSU gespürt. Gibt es die Angst vor dem Finale, einer Niederlage? Solche Gedanken müsse er ausblenden, sagt Spaenle. "Das würde mich selbst schwächen."

© SZ vom 02.10.2018/baso
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