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Landtagswahl:In Schwabing steht Spaenles politische Laufbahn auf dem Spiel

Spaenle Landtagswahl Bayern CSU

Der ehemalige CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle hängt seine eigenen Plakate auf.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • "Wenn ich verliere, ist meine landespolitische Laufbahn nach 24 Jahren beendet", sagt der frühere Superminister.
  • Auch für Isabell Zacharias geht es in Schwabing um jede Stimme. Sie gehört zwar zu den Leistungsträgern der SPD, wird aber von ihrer Partei nach unten gezogen.
  • Christian Hierneis ist der Nachfolger von Margarete Bause, langjährige Fraktionschefin der Grünen. Seine Partei erfährt gerade bayernweit Rückenwind.

Der frühere "Superminister" packt zwei Plastikplakate und hält sie links und rechts an die Metallstange. Zwischen die Zähne geklemmt hat er lange weiße Kabelbinder, von denen er dann einen mit der einen Hand durch die Ösen schiebt, während er mit der anderen seine Plakate an die Stange quetscht. Ein kurzes Ziehen, ein Ratsch, als er den Kabelbinder festzurrt. Der zweite folgt mit geübten Griffen, Ludwig Spaenle, 57, schiebt die nun ordentlich fixierten Plakate am Verkehrsschild nach oben und ist zufrieden. Gleich in dreifacher Ausführung blickt er nun am Odeonsplatz potenziellen Wählern entgegen, oben auf den Plakaten von zwei Seiten und unten live.

Der Spaenle, lange Zeit eines der wichtigsten Mitglieder im Kabinett, immerhin noch Bezirkschef der CSU in München, als Plakatierer auf der Straße? Alltag, sagt der Mann, dem sein Partei- und früher auch persönlicher Freund Markus Söder nicht nur das "Super", sondern auch den Minister genommen hat. Vier bis sechs Stunden sei er täglich auf der Straße. Fast immer, wenn er sich selbst an Verkehrszeichen festhängt, errege das Aufmerksamkeit. "Die Leute sehen und erkennen mich, sprechen mich darauf an und wir kommen ins Gespräch." Diesen Effekt nutze er für seine persönliche Art des Straßenwahlkampfs, die Prominenz wirke da noch.

Die Direktkandidaten im Wahlkreis

Ludwig Spaenle (CSU)

Der Münchner CSU-Chef und frühere Minister, 57, will sein Mandat verteidigen.

Isabell Zacharias (SPD)

Die Abgeordnete, 53, ist hochschulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.

Harald Müller (Freie Wähler)

Der Justizbeamte, 51, arbeitet nebenbei als Statist in der Staatsoper.

Christian Hierneis (Grüne)

Der Kreis-Chef des Bund Naturschutz, 54, ist bereits Mitarbeiter der Fraktion.

Wolfgang Heubisch (FDP)

Der frühere Kunstminister, 72, will nach fünf Jahren Pause wieder in den Landtag.

Martina Ripke (Linke)

Die Personalreferentin, Jahrgang 1962, ist derzeit als Jobcoach tätig.

Angela Settele (Bayernpartei)

Die Soziologin, Jahrgang 1960, arbeitet als Integrationskraft für Flüchtlinge.

Thomas Prudlo (ÖDP)

Der Solar-Unternehmer, Jahrgang 1966, ist Spitzenkandidat der ÖDP in Bayern.

Thomas Mayer (Piraten)

Der Software-Entwickler, Jahrgang 1979, kämpft für einen starken Datenschutz.

Matthias Helmer (AfD)

Der Taxi-Unternehmer, Jahrgang 1952, ist Mitglied im Kreisvorstand Nord.

André Wächter (LKR)

Der Betriebswirt, 45, ist seit vier Jahren Stadtrat in München.

Stephan Lessenich ("mut")

Der Soziologie-Professor, 53, ist Spitzenkandidat seiner Partei.

Lukas Reindl (Die Partei)

Der Informatiker, Jahrgang 1992, hat früher Fernsehserien digital aufgehübscht.

Peter Schippl (Partei f. Gesundheitsforschung)

Der Rentner, Jahrgang 1961, will die medizinische Forschung beschleunigen.

Jürgen Hackbarth (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer) Hubschrauberpilot, Jahrgang 1961.

Spaenle weiß, dass er gerade diesmal jede Stimme brauchen wird. Die CSU ist in den Umfragen unter 40 Prozent gerauscht, seine Karriere hat durch den Rauswurf aus dem Kabinett einen Tiefschlag erfahren und der Stimmkreis Schwabing ist einer der schwierigen für die CSU. Nur wenn er das Direktmandat holt, kann er in Bayern weiter mitmischen. "Wenn ich verliere, ist meine landespolitische Laufbahn nach 24 Jahren beendet", sagt er. Und der Posten als Münchner CSU-Chef in Gefahr.

Also fährt er mit seinem privaten Minibus, über dessen Rückscheibe er mit Paketklebeband ein Plakat von sich befestigt hat, durch die Straßen des Lehels, der Maxvorstadt und Schwabings, vorbei an den Pinakotheken und den Universitäten bis hinaus nach Freimann. Im Rückraum sieht das Fahrzeug so sehr nach Wahlkampf aus, dass ein professioneller Bühnengestalter es nicht besser hätte einrichten können. Metallständer, kleine Plakate, große Plakate, Kleister, Werkzeug, Kabelbinder. "Bayern verpflichtet" steht bei manchen drauf. Die Botschaft: Hier arbeitet ein Staatsdiener, der keinen vergisst. Einer, der sich hemdsärmelig um jeden kümmert. Egal ob Opernbesucher oder Feuerwehrmann.

Für Isabell Zacharias zählt jede Stimme

Alles oder nichts heißt es aber auch für Isabell Zacharias, 53, von der SPD. Sie wird von ihrer Partei ähnlich nach unten gezogen, hat aber immerhin Chancen, über die Liste in den Landtag einzuziehen. Aber dafür müsste sie fast alle Münchner SPD-Kandidaten hinter sich lassen. Jede Stimme zählt. Zacharias gehört zu den Leistungsträgern ihrer Fraktion, in ihren zehn Parlamentsjahren ist sie zu einer wichtigen Stimme in der Hochschulpolitik geworden. Kein Wunder also, dass sie an einem Freitagnachmittag in den Semesterferien vor dem Haupteingang der Ludwig-Maximilians-Universität steht - und trotzdem an die 100 Leute kommen. Sie alle protestieren gegen befristete Arbeitsverträge.

In manchen Studiengängen würden 90 Prozent des Personals unter diesen miesen Bedingungen arbeiten, sagt Zacharias. "Das ist absurd." So sieht das auch ihr prominenter Wahlkampfhelfer an diesem Nachmittag: Kevin Kühnert, Chef der Jusos im Bund. Viele nette Worte über Zacharias sagt er, die er sofort wieder für die SPD in den Landtag schicken würde. Auch wenn dieser Job auf fünf Jahre befristet sei. Dort will die SPD-Frau sich auch um die Probleme "von uns Alleinerziehenden" kümmern, wie sie sagt. Die hohen Mieten, die schwierige Betreuungssituation, all das bekämen Alleinerziehende besonders hart zu spüren. Deshalb gelte: "Wer das Herz an der richtigen Stelle hat, der trägt es links." Und wählt links. Ihren Besuchern hängt sie flugs ein Wiesn-Herz an die richtige Stelle.