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Wohnen in München:"Wir wollten nie so viel Kohle rauspressen wie möglich"

Astrid Mokesch-Michalovic und Familie.

(Foto: privat)

Astrid Mokesch-Michalovic und ihr Mann erlassen ihren Mietern in Neuhausen zum zehnjährigen Mietverhältnis eine Monatsmiete - das Ehepaar will so seine Dankbarkeit zeigen.

Anfang 2009 haben Astrid Mokesch-Michalovic und ihr Mann eine Wohnung in Neuhausen gekauft. 750 Euro kalt bezahlen ihre Mieter jeden Monat für die 58 Quadratmeter. Zehn Jahren leben die Mieter nun schon dort. Dafür haben sie vom Vermieterpaar eine Dankeskarte bekommen. "Wir freuen uns auf ein weiterhin gutes Verhältnis", schrieben sie - und kündigten ein besonderes Geschenk an.

SZ: Sie haben zum zehnjährigen Mietverhältnis Ihren Mietern in Neuhausen gerade eine Monatsmiete erlassen. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen?

Astrid Mokesch-Michalovic: Das war die Idee meines Mannes. Er ist Amerikaner, und in den USA ist es durchaus üblich, etwa vom Arbeitgeber zum Jubiläum etwas geschenkt bekommen. Wir sind wahnsinnig zufrieden mit unseren Mietern und wollten unsere Dankbarkeit zeigen. Wie könnte man das besser machen als so?

Man liest sonst eher von steigenden Mieten. Als Mieter ist man da sicher erst mal ganz schön überrascht.

Das kann sein, gerade in München. Wir sind kleine Privatinvestoren, die Wohnung ist unsere Altersabsicherung. Wir wollten nie so viel Kohle rauspressen wie möglich, unser Motto ist: leben und leben lassen. Man muss ja auch auf das große Ganze schauen - die Mieter helfen uns, unser Darlehen abzubezahlen. Wir schätzen uns gegenseitig. Auf die Ankündigung, dass sie im März keine Grundmiete bezahlen müssen, haben die Mieter mit einer sehr netten Mail reagiert.

Haben Sie denn renoviert oder die Miete in den zehn Jahren mal erhöht?

Wir haben die Wohnung renoviert, als wir sie vor elf Jahren gekauft haben - aber nicht luxussaniert. Da muss sicher irgendwann auch mal wieder was gemacht werden. Für die Mietersuche hatten wir einen Makler, wir waren ja unerfahren. Wir haben drei in die engere Auswahl genommen und uns für die entschieden, bei denen wir das beste Bauchgefühl hatten. Und damit lagen wir offensichtlich nicht falsch. Die Miete haben wir 2018 nach acht Jahren einmal um 100 Euro erhöht. Wir haben einfach gesehen, was sich getan hat auf dem Markt. Es gab überhaupt kein Murren bei den Mietern - irgendwie hat es mir trotzdem Leid getan. Wenn ich lese, dass die Quadratmeterpreise mittlerweile teils bei 20 Euro sind, denke ich: Man muss doch die Kirche im Dorf lassen.

Viele Vermieter sind zurzeit in Sorge, dass sich Investitionen bald nicht mehr rechnen. Es läuft ein Volksbegehren für einen sechsjährigen Mietenstopp in Bayern.

Da bin ich zwiegespalten. Ich glaube, viele Vermieter pressen so viel raus, wie geht - einfach weil sie es können. Das sagt mir nicht zu. Andererseits: Wenn man 30 000 Euro investieren muss, ist klar, dass man einen Teil umlegen muss. Wäre das nicht mehr möglich, könnte der Schuss auch nach hinten losgehen. Es hat ja niemand etwas davon, wenn der Zustand unserer Wohnungen schlechter wird.

Wie wohnen Sie eigentlich?

In Freising, im noch zu großen Teilen der Bank gehörenden Eigentum. Es war die klassische Stadtflucht. Davor hatten wir auch in unserem Lieblingsviertel Neuhausen gelebt, um die Ecke der Wohnung, die wir dann gekauft haben. Aber mit Kind fanden wir München nicht mehr attraktiv. Als Familie fühlen wir uns in Freising wohler.

© SZ vom 29.02.2020/lfr
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