bedeckt München 26°

Münchner Momente:Reiters schwarzer Ritter

Marienplatz in München, 2018

Wenn es Nacht wird am Marienplatz, muss man immer befürchten, dass einem jemand die Schau stiehlt - oder womöglich sogar das Rathaus?

(Foto: Stefanie Preuin)

Der Kampf ums Münchner Rathaus hat begonnen. Schon sucht der Oberbürgermeister Verbündete, Superhelden - aber warum spricht der Mann, der ihm zu Hilfe eilt, fränkisch?

Ist München gar nicht so sicher, wie alle behaupten? Zwei Tage "Bat Night", und nichts ist passiert. Die Fledermaus-Aktion am Wochenende im Tierpark: ein super Ablenkungsmanöver, man will ja schließlich die Bürger nicht beunruhigen. Ein paar Ecken weiter, die Schönstraße runter und den Candidberg rauf, bohren die Flutlichtmasten im Grünwalder Stadion einen Lichtkegel in das Schwarz der Nacht, nur kurz, und auf einer dunkle Wolke erscheint, ebenfalls nur kurz, die Silhouette einer Fledermaus. Oder ist es das Münchner Kindl? Das Licht verlischt.

"Andrä, wieso dauert denn das so lange?" Der Mann mit den silbrigen Locken wird ungeduldig, doch der Polizeichef bleibt ruhig. "Drei Mal kurz, drei Mal lang, drei Mal kurz, bin gleich fertig, Herr Reiter. Ich kann ja auch nichts dafür, dass der Kerl nicht mehr so oft bei Facebook ist und grad nur noch auf Morsezeichen reagiert." Nervös schaut sich der Oberbürgermeister um, doch von den Schurkinnen ist nichts zu sehen. Weder von dieser hyperaktiven Frau, die immer so bunt angezogen ist, ständig grinst und offenbar überall gleichzeitig sein kann; noch von der anderen, die zwar entspannter wirkt, aber in ihrem grünen Kostüm immer so überlegen schaut, und die ihm ein einziges Rätsel ist. Wahlkampf, von wegen. Es ist, als wären der Joker und der Riddler nie besiegt worden. Diese Zwei, die wollen ihm nicht nur die Schau stehlen, sondern das ganze Rathaus. "Andrä, was ist denn jetzt? Wo bleibt denn dieser Dark Knight, wenn man ihn braucht?"

Ein quietschendes Geräusch. Aus dem Schatten der Straßenecke lösen sich zwei vermummte Gestalten, eine große und eine kleine. Kurzes Getuschel, dann fährt eine Rikscha davon. "Ja endlich! Wieso hat denn das so lange gedauert? Was ist denn mit Ihrem Batmobil?" Der Dunkle macht eine energische Handbewegung. Er wirkt größer als sonst, aber irgendwie weniger muskulös. "In der Werggschdadd", gibt er knapp zurück. Sein Begleiter schnauft schwer. Der Oberbürgermeister stutzt, er hatte auch ihn drahtiger in Erinnerung. "Und, ihr dynamisches Duo, habt ihr sie jetzt gefangen?" Der Große braust auf: "Muggsmeislaschdill, du... ". Der Kleine fährt dazwischen: "Was der Chef meint, ist, dass wir die grüne Unbekannte bald haben, und dass von der Kristi... von der anderen ganz bestimmt keine Gefahr ausgeht." Der Große zischt: "Ludwich, etz häddsd uns fasd verrodn."

"Ludwig? Was für ein Ludwig?", entfährt es dem Oberbürgermeister. Wütend zerrt er an der Maske des Kleinen. "Was, Spaenle, Sie?", brüllt er empört. Er fährt herum: "Und wer sind dann Sie, warum sprechen Sie so fränkisch, und was haben Sie mit Batman gemacht?" Doch da ist der schwarze Ritter schon in der Dunkelheit verschwunden.