Münchner Altstadt:Verlängerter Viktualienmarkt

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Verkehrsberuhigte "Sommerstraße" in München, 2020

Das Konzept Sommerstraße kam sehr zur Erleichterung von Wirten und Händlern.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wirte und Geschäftsleute fordern, die Westenriederstraße wieder zur Sommerstraße oder - besser noch - dauerhaft zur verkehrsberuhigten Zone zu machen. Auf die Stadtviertelvertreter können sie zumindest zählen.

Von Julian Raff, Altstadt

Wenn es darum geht, Straßen vom Verkehr abzuhängen, finden sich Lokalpolitiker oft in der Zwickmühle wieder zwischen Befürwortern und Gegnern. In der Westenriederstraße scheint das Meinungsbild klar, mit einem dringenden Appell der Gewerbetreibenden, den westlichen Teil zu beruhigen. Dafür sah sich der Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel vor einem anderen Dilemma: Eine Aufnahme des Straßenzugs ins städtische Sommerstraßen-Programm verspräche womöglich die schnellere Lösung, die dauerhafte verkehrsrechtliche Durchfahrtssperre die nachhaltigere, mit der Option dort in ein paar Jahren eine richtige Fußgängerzone auszuweisen.

Wegen des Anlieferverkehrs für die zahlreichen Geschäfte und Restaurants bleibt der Platz für Schanigärten in der gassenartig engen Straße begrenzt. Dennoch profitierten die Lokale und Geschäfte im Sommer 2020 sehr von der temporären Sperrung für den Durchfahrts- und Parksuchverkehr im westlichen Teil der Straße.

Der Abschnitt bis zum Radlsteg bildet ohnehin eine Art Wurmfortsatz des Viktualienmarkts und sieht wenig Durchgangsverkehr. Ruhe und gewonnener Platz haben geholfen, die Verluste des ersten Lockdowns teilweise wieder einzuspielen und sollen es wieder, so der Appell in einem Brief an Stadtspitze und BA, den sämtliche Gewerbetreibende unterschrieben haben. Wie Valentina Bekech, Betreiberin des "Casa Italia", im Bezirksausschuss noch einmal betonte, gehe es jetzt für die Betriebe schlicht ums Überleben. Eine schnelle Lösung müsse her und verlässliche Planungsperspektiven, schließlich müsse Außenmobiliar beschafft und gelagert werden.

Das Gremium hat die Westenriederstraße zwar wieder angemeldet, die Chancen auf eine erneute Sommerstraße stehen allerdings schlecht, da das städtische Programm nur zehn solcher Ruhezonen vorsieht, noch dazu vor allem in Bezirken, die 2020 leer ausgingen. Selbst im Weg steht sich das Gremium außerdem mit der Entscheidung, die St.-Anna-Straße im Lehel gegenüber der Westenriederstraße zu priorisieren, obwohl eine Baustelle die dortigen Chancen weiter reduziert.

Sommerstraßen

Lichtblick im Katastrophenjahr: Durch die Ausweisung zur Sommerstraße kehrte in der Westenriederstraße für ein paar Monate fast südländisches Flair ein.

(Foto: Florian Peljak)

Den Wirten und Händlern grundsätzlich helfen, auch wenn es dauerhaft mindestens acht Parkplätze kostet, wollen dennoch alle Fraktionen im BA, bis auf FDP/Freie Wähler. Der zuständige Unterausschuss und die Vorsitzende Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) hatten daher vorgeschlagen, die Straße schnellstmöglich und dauerhaft für den allgemeinen Verkehr zu sperren, ausgenommen Lieferfahrzeuge und Rettungsdienste. Hierzu genüge laut Stadler-Bachmaier eine Anordnung und Beschilderung, was sich, mit entsprechendem Nachdruck, genauso schnell umsetzen lasse wie eine Sommerstraße.

Bernhard Wittek und Stefan Blum (CSU) hatten sich demgegenüber für einen Sommerstraßen-Antrag mit geänderter Priorität ausgesprochen und der Grün-Roten-Mehrheit vorgehalten, sie beharre aus parteipolitischen Gründen auf der Alternativlösung und tue sich außerdem schwer, einen Fehler bei der Priorisierung einzugestehen. Mit der BA-Entscheidung haderte anschließend auch Wolfgang Schifferer vom "Sedlmayr", der an einer schnellen Umsetzbarkeit der Sperre zweifelt.

Der BA habe die Option Sommerstraße "für nichts hergegeben", so Schifferer. Wie Stadler-Bachmaier glaubt die Grün-Rote Mehrheit dennoch, dass hier Sperrschilder stehen können, noch ehe Temperaturen steigen und Inzidenzen fallen. Eine echte Fußgängerzone mit Fahrbahn-Rückbau brauche dagegen, siehe Sendlinger Straße, jahrelangen Vorlauf mit Beteiligung gewerblicher- wie auch privater Anlieger, gab Philippe Louis (Grüne) zu bedenken, "so ehrlich muss man sein".

Ganz neu scheint die Idee jedenfalls nicht zu sein: Als er vor 15 Jahren mit dem "L'Aperitivo" anfing, hätten sich die Händler am Viktualienmarkt bereits dringend eine Fußgängerzone in der Westenriederstraße gewünscht, berichtete Wirt Vincenzo Valente.

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