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Lkw-Abbiegeunfälle:Ein Spiegel gegen die Todesgefahr

100 Trixi-Spiegel werden gerade in München aufgehängt. Sie sollen Lastwagenfahrern helfen, Menschen zu sehen, die sich im toten Winkel aufhalten.

(Foto: Catherina Hess)
  • In München passieren immer wieder schwere Unfälle durch rechts abbiegende Lastwagen, bei einigen wurden Radfahrer getötet.
  • Die Stadt bringt nun 100 sogenannte Trixi-Spiegel an 40 ausgesuchten, potenziell gefährlichen Kreuzungen an.
  • Die Spiegel sollen den Lastwagenfahrern ermöglichen, auch ohne eingebautes Assistenzsystem Menschen im toten Winkel zu sehen.

In München passieren immer wieder schwere Unfälle durch rechts abbiegende Lastwagen, bei einigen wurden Radfahrer getötet. Im Mai starb ein elfjähriger Bub an der Corneliusstraße. Mit Abbiegeassistenten für Lastwagen, die auf Personen im sogenannten toten Winkel hinweisen, wäre schon viel gewonnen. Doch diese Systeme werden erst von 2022 an für alle neuen Fahrzeugtypen Pflicht, 2024 müssen dann alle Neufahrzeuge über einen Abbiegeassistenten verfügen. Der Stadt geht das nicht schnell genug, wie Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle sagt. "Wenn's nach uns ginge, sollten sie sofort zur Pflicht werden", sagt er.

Immerhin sind etwa 90 Prozent der 800 städtischen Lkw schon jetzt mit einem Assistenten ausgerüstet. Doch weil es mit der allgemeinen Pflicht noch ein paar Jahre dauert, bringt die Stadt nun 100 sogenannte Trixi-Spiegel an 40 ausgesuchten, potenziell gefährlichen Kreuzungen an, darunter sind alle Verkehrsknoten, an denen in den vergangenen Jahren Menschen durch einen Rechtsabbiegeunfall verletzt oder getötet wurden. Die ersten Spiegel hat die Stadt am Freitag an der Kreuzung Arnulfstraße und Paul-Heyse-Unterführung montiert, die nächsten werden dann unter anderem an der Lasalle- und Triebstraße angebracht, an der Pappenheimer- und Marsstraße, an der Schleißheimer Straße und am Frankfurter Ring und weiteren Kreuzungen.

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Die Spiegel sollen den Lastwagenfahrern ermöglichen, auch ohne eingebautes Assistenzsystem Menschen im toten Winkel zu sehen. Vorerst will die Stadt die Spiegel ein Jahr lang testen. Denn auch in anderen Städten kommen sie zum Einsatz, etwa in Freiburg. Dort allerdings, so Böhle, sei man zu keinem eindeutigen Ergebnis über den Nutzen der Spiegel gekommen. In München, wo seit mehreren Jahren immer wieder über die Trixi-Spiegel diskutiert wurde, hat man deshalb noch gezögert. Die tödlichen Unfälle der jüngsten Zeit haben die Stadt aber dazu bewogen, den Test zu starten. "Wir wollen es jetzt wissen", sagt Böhle. Der Verkehrsversuch kostet die Stadt 40 000 Euro.

Die Trixi-Spiegel hat Ulrich Willburger aus Seehausen am Staffelsee erfunden und sie nach seiner Tochter Beatrix benannt. Die war 1994 mit zwölf Jahren von einem abbiegenden Betonmischer überrollt worden und sitzt seitdem im Rollstuhl. Eine sichere Lösung sind sie aber nicht, nicht zuletzt, weil man sich als Radler nicht darauf verlassen kann, dass ein Lkw-Fahrer auch wirklich in den Spiegel schaut. Auch Thomas Böhle, der viel mit dem Rad unterwegs ist, will sich nicht darauf verlassen. Im Zweifel, sagt er, bleibe er lieber stehen.

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