bedeckt München 17°
vgwortpixel

Polizei in München:Nach Leichenfund im Porsche: 23-Jähriger verhaftet

  • Zehn Tage, nachdem die Leiche eines 25-Jährigen im Stadtteil Am Hart gefunden wurde, hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen.
  • Bei dem 23 Jahre alte Mann handelt es sich um einen Bekannten des Opfers.
  • Offenbar hätte er dem 25-Jährigen an diesem Abend Schulden zurückzahlen sollen, die nach Erkenntnissen der Ermittler aus einem Drogengeschäft resultierten.

Zehn Tage nach den tödlichen Schüssen in der Hugo-Wolf-Straße im Münchner Norden hat die Polizei am Freitagmorgen einen Tatverdächtigen festgenommen. Dem 23 Jahre alten Barkeeper wird vorgeworfen, am Dienstagabend vergangener Woche einen 25 Jahre alten Bekannten mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen zu haben. Die beiden hatten sich vor der evangelischen Versöhnungskirche verabredet gehabt.

Offenbar hätte der Jüngere an diesem Abend knapp 10 000 Euro Schulden zurückzahlen sollen, die nach Erkenntnissen der Ermittler aus einem Drogengeschäft resultierten. Das Opfer hatte offenbar mit Kokain gedealt. Möglicherweise fand die Tat im Porsche Panamera des 25-Jährigen statt. In diesem wurde er am nächsten Morgen tot hinter dem Lenkrad sitzend gefunden. Vom Autoschlüssel und von der Tatwaffe fehlt bislang jede Spur.

Josef Wimmer, Leiter der Münchner Mordkommission, sprach am Freitag von einem "Personengeflecht" rund um Opfer und mutmaßlichen Täter. Ein regelrechter Drogenring sei indes derzeit noch nicht zu erkennen. Die Arbeit der mehr als 20-köpfigen Ermittlungsgruppe Panamera gestaltet sich wohl auch deswegen kompliziert, weil sich die Menschen aus dem Umfeld der beiden Beteiligten wenig kooperativ zeigen und zum Teil widersprüchliche Aussagen machen. Das sei durchaus typisch für das "Milieu", in dem Opfer und mutmaßlicher Täter sich bewegt hatten. Konkrete Hinweise auf mögliche Mittäter gebe es derzeit aber nicht.

Im Porsche fanden Spezialisten wohl Spuren wie DNA oder Fingerabdrücke, die auf den 23-Jährigen hindeuteten. Auch die Telefondaten von Opfer und Tatverdächtigem wurden ausgewertet. Experten des Landeskriminalamts unterstützten die Ermittlungen. Am Freitagmorgen erfolgte dann der Zugriff.

Ein Spezialeinsatzkommando nahm den Barkeeper in der Wohnung seiner Freundin im Münchner Stadtteil Neuhausen fest. Auch weitere Objekte wurden durchsucht. Die Staatsanwaltschaft München I wirft dem 23-Jährigen Mord vor. Er habe heimtückisch und aus Habgier getötet, sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding am Freitag in einer Telefon-Pressekonferenz. Die Ermittlungen der Polizei gehen weiter.

© SZ vom 28.03.2020/lfr
Nußbaumpark in München, 2018

Kriminalstatistik
:In München gibt es keine anderen Täter als in anderen deutschen Großstädten

Immer mehr Sexualdelikte? Besonders viele Tatverdächtige, die keinen deutschen Pass besitzen? Die aktuellen Polizeizahlen entkräften einige Mythen.

Von Martin Bernstein

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite