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Ludwigsvorstadt/Sendling:Leuchtendes Prestigeprojekt

Leuchtender Fahrradweg

Ein Radweg der gehobenen Klasse: Zu Ehren des Malers Vincent van Gogh funkeln auf der rund 600 Meter langen von Daan Roosegaarde entworfenen Trasse in der Nähe von Eindhoven die Sterne. Stadtbaurätin Elisabeth Merk kann sich solch einen fluoreszierenden Radweg auch für die Theresienwiese vorstellen.

(Foto: dpa)

Stadtbaurätin Merk möchte Ludwigsvorstadt und Sendling mit einer Rad-Diagonale über die Theresienwiese verbinden. Die Lokalpolitiker sehen darin wenig Mehrwert, sie wollen lieber praktische Verbesserungen

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Sendling

Wer vom Sendlinger-Tor-Platz zum Harras fährt, nimmt meist den direkten Weg entlang der Lindwurmstraße, unter der Lindwurmunterführung durch und den Berg hoch, mit viel Verkehr und Wartephasen an den Ampeln. Dieser Radweg soll nach den Vorgaben des Bürgerbegehrens "Radentscheid" ausgebaut werden. Doch es soll darüber hinaus eine alternative Route verwirklicht werden, eine schönere und verkehrsärmere über die Theresienwiese. Dafür hat Stadtbaurätin Elisabeth Merk einen von unten beleuchteten Fahrradweg über die Theresienwiese ins Gespräch gebracht.

Die Radroute gibt es bereits, zumindest in Teilen. Sie führt vom Sendlinger Tor aus über die Nußbaum- und Beethovenstraße zum Wiesn-Gelände. Doch wer weiter nach Sendling will, wird bislang außen um die Theresienwiese herum geleitet - mit teils unübersichtlichen Straßenverhältnissen. In einer gemeinsamen Sitzung haben der Mobilitätsausschuss des Stadtrats und der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung kurz vor Weihnachten eine Optimierung der Radweg-Verbindung über die Theresienwiese auf einen Antrag der SPD von 2019 hin einstimmig begrüßt. Ziel ist eine direkte Ost-Südwest-Verbindung zwischen den Haupteingängen an der Beethovenstraße in der Ludwigsvorstadt und an der Radlkoferstraße/Lipowskystraße in Sendling.

Viele Wege führen über die Theresienwiese, doch für den Oktoberfest-Auf- und -Abbau wird ein Großteil des Geländes monatelang gesperrt.

(Foto: Robert Haas)

Aus verkehrlicher Sicht eröffne ein solcher "Lückenschluss" die Möglichkeit, eine durchgängig be- und erfahrbare Radwegroute zwischen Altstadt und Sendling, eine erkennbare Verbindung, herzustellen, sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Der reine Fahrzeitgewinn falle gegenüber den derzeit bereits möglichen Strecken entlang der Theresienwiese oder über das vorhandene Wegeraster der Theresienwiese nicht sehr ins Gewicht. Doch könne man mit einer eigenen Radwegführung den Verkehr besser entflechten und die Sicherheit erhöhen. Derzeit werde der als Fußgängerbereich ausgewiesene Alleenring häufig auch von Radfahrern genutzt. Würde der Radweg die Theresienwiese queren, verbessere das auch die Bedingungen für die Radfahrer, die sich jetzt schon "querfeldein über Schotter- und Wiesenflächen" ihren Weg suchten.

Merk schlägt eine Radweg-Diagonale mit einer speziellen Beleuchtung vor, damit ließe sich auch stadtgestalterisch, sofern man sie hochwertig gestaltet, "dem Raum Theresienwiese eine interessante Komponente hinzufügen", sagt sie. Aus Gründen des Denkmalschutzes und auch mit Blick auf das Oktoberfest und andere Veranstaltungen könne man dort keine herkömmlichen Lichtmasten hinstellen.

Elisabeth Merk schlägt Leuchtkörper vor, die niveaugleich im Boden eingebracht werden und von selbst leuchten, also fluoreszieren. Vorbild könnten ähnlich Radwegprojekte in Polen oder in den Niederlanden sein. Merk berichtete im Stadtrat von einem Radwegeabschnitt in Nuenen bei Eindhoven, der nach dem Motiv "Sternennacht" von Vincent van Gogh gestaltet ist. Dieser Radweg sei optisch attraktiv und auch besonders funktional. Dort würden Mineralien verwendet, die durch Lichteinstrahlung Energie aufnehmen, die dann in der Dunkelheit farbig abstrahlt. Im Idealfall sei nicht einmal eine zusätzliche Energiequelle erforderlich, so Merk.

Ob die Diagonale realisiert wird, ist noch offen. Zunächst sollen verschiedene Lösungen untersucht werden. Die angrenzenden Bezirksausschüsse (BA) sind eher skeptisch, was die Diagonale angeht. Im Sendlinger BA kommentierte Dagmar Irlinger (Grüne), die Vorsitzende des Unterausschusses Öffentlicher Raum, in der Sitzung am Montag: "Die Diagonale ist aus unserer Sicht komplett überflüssig." Man solle das Geld besser für den Ausbau der Lipowskystraße, die im Anschluss an die Radlkoferstraße weiter Richtung Harras führt, für Fahrradfahrer verwenden.

Den Bezirksausschüssen Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und Schwanthalerhöhe ist vor allem wichtig, dass die Radverbindung ganzjährig befahrbar ist, denn ein Großteil der Theresienwiese wird für den Wiesnauf- und -abbau monatelang gesperrt. Laut Stadtrat und Stadtplaner Paul Bickelbacher (Grüne) hat die grün-rote Mehrheit im Stadtrat bereits in einem Änderungsantrag ergänzt, dass die Verbesserung der derzeit sehr schmalen Strecke durch die Lipowskystraße geprüft werden soll. Der BA Ludwigsvorstadt hat auch eine Variante entlang der Innenseite der Theresienwiese bis zu Stielerstraße zur Prüfung vorgeschlagen, dort besteht bereits eine Querungsmöglichkeit über die Theresienwiese. Dafür soll der Schotterweg zwischen Beethovenstraße und Esperantoplatz verbessert und dann weiter bis zur Stielerstraße instandgesetzt werden.

Gegen eine direkte Querverbindung zwischen Beethovenstraße und Radlkoferstraße hat auch das Referat für Arbeit und Wirtschaft Einwände, das für die Veranstaltungen auf der Theresienwiese zuständig ist: "Es könnte schwer vermittelbar sein, wenn eine offizielle Radroute über die Theresienwiese den Radfahrern infolge der notwendigen Sperrung mitten in der Radfahrsaison von Juli bis Oktober nicht mehr zur Verfügung gestellt werden kann."

© SZ vom 13.01.2021/van
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