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Hochschule:So wichtig sind Sozial- und Geisteswissenschaften

Im MCTS werde sozialwissenschaftliche Forschung an technischen Gegenständen betrieben, genau das also, was die TU brauche. Verbindungen gebe es viele. So müssten Forscher, die einen Roboter entwickeln, der als Assistenzsystem ältere Menschen im Haushalt unterstützt, wissen, wie so ein System ausschaut, damit es angenommen wird. "Dazu müssen wir unsere Robotikexperten mit technikorientierten Sozialwissenschaften zusammenbringen."

Ein ähnlich komplexes Arbeitsfeld ist die Künstliche Intelligenz (KI), die vielen als Schreckgespenst gilt. Die Frage sei, wie die TU das Thema so in die Gesellschaft bringen könne, dass man den Mehrwert sehe. "Die Chancen für Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft sind enorm. Diese lassen sich aber nur nutzen, wenn wir die KI-basierten Systeme sicher, ethisch und moralisch einwandfrei ausgestalten." Diesen Dialog könne man nur mit der Gesellschaft führen, "da sind wir wieder beim Austausch".

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TU München

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1750 Plätze, 7300 Essen pro Tag: Die TU hat nun die größte Selbstbedienungsmensa Deutschlands. Für Studierende und Forscher verbessert sich die Lage auf dem Campus in Garching enorm.   Von Gudrun Passarge

Hofmann fordert, sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Komponenten stärker in die Ausbildung der Studenten einzubinden, "damit die Studierenden von Morgen mit Wertebewusstsein und verantwortungsvoll handeln können". Wenn beispielsweise zehn bis 15 Prozent in einem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang sozial- und gesellschaftswissenschaftliche Komponenten wären, "das wäre richtungsweisend in Deutschland", sagt Hofmann. Sein Ziel ist es, der nächsten Generation einen Wertekanon mitzugeben, um langfristig eine Veränderung zu bewirken.

An dem Konzept der neuen Lehrinhalte für Naturwissenschaftler wird tatsächlich auch schon gearbeitet. Hofmann rechnet damit, dass 2020 ein erster Studiengang den Anfang macht, um daraus Erfahrungen zu ziehen und es dann in die Breite bringen. Anbieten würde sich der Bachelor Ingenieurwissenschaften an der Munich School of Engineering. Geplant ist eine Kooperation mit der Hochschule für Philosophie. Damit hätten Studenten der TU die Möglichkeit, philosophische Inhalte in ihr Studium zu integrieren.

Hofmann sieht es als Aufgabe der Wissenschaftler an, sich stärker in den politischen Dialog einzubringen. Er bedauert, dass bei allen großen Themen, die heute diskutiert würden, politische Entscheidungen getroffen würden, "ohne dass die Expertenmeinung und internationale Erfahrungen der Universitäten miteinbezogen werden". Die Politik habe diese Lücke identifiziert, das sei der Grund, warum die Hochschule für Politik zur TU gekommen sei. Die Inhalte würden bereits in die Forschung hineingebracht, aber sie müssten stärker in die Lehre integriert werden. Es nütze nichts, wenn die TU sage, sie habe sozialwissenschaftliche Studiengänge, ohne dass konkret die Mediziner oder Ingenieure etwas davon hätten.

Datenwissenschaften werden ein neuer Schwerpunkt sein

Zu seiner Vision eines Austauschplatzes des Wissens gehört das lebenslange Lernen oder Studieren, das in der heutigen Welt der raschen Umbrüche immer wichtiger wird. Die TU plant ein Institute of Lifelong Learning mit zwei Schwerpunkten. Zum einen sollen dort die eigenen Mitarbeiter fortgebildet und Talente des akademischen Mittelbaus stärker gefördert werden. Zum anderen richtet sich das Institut an Externe, an Führungspersönlichkeiten und an alle Berufstätigen, die sich auf technischen Entwicklungsfeldern fortbilden wollen.

Hofmann nennt wiederum das Beispiel KI. "Wenn jemand vor 15 Jahren das Studium abgeschlossen hat, da hat er von KI noch kaum etwas gehört." Diese Menschen müssten auf ein Entwicklungsniveau gebracht werden, damit sie morgen noch wettbewerbsfähig seien. Hofmann betont dabei den Aspekt des Austauschs. Diese Menschen kämen, um von der TU zu lernen, umgekehrt könnten auch die Wissenschaftler lernen, wo neuer Forschungs- und Lehrbedarf bestehe. "Das ist eigentlich ein Geben und Nehmen", sagt Hofmann. Dieses Institut soll zunächst in Galileo in Garching unterkommen, langfristig erachtet Hofmann ein eigenes Haus für notwendig.

Ebenfalls in Galileo soll das Munich Data Science Institute untergebracht werden. Datenwissenschaften werden ein neuer Schwerpunkt sein. Diesem Institut kommt dann die integrative Funktion zu, Informationstechnologie in bestimmte Anwendungsfelder hinein zu entwickeln, etwa in die digitale Medizin. So baut etwa das Herzzentrum in München gerade einen digitalen Operationssaal in enger Zusammenarbeit mit der TU. Wie Hofmann sagt, werde das Disziplinen wie Chemie oder Materialwissenschaften verändern. "Auf diesen Gebieten wollen wir Vorreiter sein und nicht alles den Amerikanern oder den Asiaten überlassen."

Natürlich sind viele bauliche Aktivitäten am Campus geplant, wie etwa das Zentrum für Quantenengineering, aber letztlich, so Hofmann, sei es gar nicht so entscheidend, ob am Ende seiner Amtszeit ein Gebäude mehr oder weniger dastehe. "Das Entscheidende ist, dass wir in unserer Gemeinschaft eine Kultur der Veränderungsbereitschaft verstetigen." Da sieht er auch die größten Hürden. Denn manche wollten nach wie vor eher die Fachthemen ausbauen, statt Sozialwissenschaften zu berücksichtigen. "Das sind einfach überholte Denkweisen." Universitäten, die ein solches Leitbild verträten, würden langfristig auf dem Abstellgleis stehen, glaubt Hofmann.

Die Umstellung muss nach Überzeugung des neuen TU-Präsidenten jetzt beginnen. Er ist guter Dinge. "Denn die Studierenden sind mit ihrer jugendlichen Neugier oftmals gedankenoffener als wir selbst. Das ist die neue Generation." Und die Zukunft der Universitäten.

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