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Hochschule:Was der neue TU-Präsident in Garching vorhat

Seit dieser Woche Präsident der Technischen Universität: Thomas Hofmann.

(Foto: Astrid Eckert TU München)
  • Thomas Hofmann ist der neue Präsident der Technischen Universität München (TU).
  • Wissenschaftler verschiedener Disziplinen sollen an der TU künftig Lösungen für ein nachhaltiges Zusammenleben finden.
  • Den Studierenden will Hofmann ein neues Wertebewusstsein vermitteln und ihren Sinn für gesellschaftliche Verantwortung schärfen.

Thomas Hofmann steht am Fenster in einer der oberen Etagen des Institute for Advanced Study. Der neue Präsident der Technischen Universität München (TU) hat dort gerade Fotos von sich machen lassen und genießt den Blick über den Garchinger Campus. Den Überblick wird er noch brauchen. Er hat für die Zukunft große Pläne, darunter nicht weniger als einen Kulturwandel. Der TU-Präsident, der zum 1. Oktober sein Amt angetreten hat, will den Garchinger Campus zu einem "globalen Austauschplatz des Wissens" entwickeln. Wissenschaftler sollen mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenkommen, um über Grenzen hinweg Lösungen für ein nachhaltiges Zusammenleben zu finden.

Den Studierenden will der Nachfolger des langjährigen TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann ein neues Wertebewusstsein vermitteln und ihren Sinn für gesellschaftliche Verantwortung schärfen. Deswegen möchte er geistes- und sozialwissenschaftliche Inhalte in die Studiengänge der Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften integrieren. Mit dem Fokus auf lebenslanges Lernen will er am Campus zudem ein neues Profilelement implementieren.

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Der neue Posten bringt einige Veränderungen mit sich. Der 51 Jahre alte Lebensmittelchemiker hat die Leitung seines Lehrstuhls in Weihenstephan kommissarisch an eine Nachfolgerin abgegeben und auch für den Posten als Direktor des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TU ist eine Frau im Gespräch. "Zwei hervorragende Wissenschaftlerinnen", sagt Hofmann.

Damit kann er sich ganz auf das Präsidentenamt konzentrieren, das er als "150-Prozent-Job" bezeichnet. Seine Aufgabe sieht er wesentlich darin, die TU auf sich verändernde gesellschaftliche Herausforderungen vorzubereiten. "Und das gelingt nur, wenn wir als Universitätsleitung diese Veränderungsbereitschaft selbst vorleben und mit einem klaren Leitbild und neuen Formaten der Kommunikation die unterschiedlichen Menschen an der TU mit auf die Reise in die Zukunft nehmen." Dabei sieht sich Hofmann nicht als Einzelkämpfer, sondern er möchte den Leuten zuhören und lernen, was sie antreibt. Gemeinsam gehe es darum, Entwicklungsmöglichkeiten zu identifizieren und diese dann gezielt zu fördern.

Wichtig ist ihm dabei vor allem, die Leute zu motivieren, über den eigenen Tellerrand zu schauen und die Fachrichtungen interdisziplinär zusammenzubringen. Denn: "Viele Innovationsfelder liegen genau an den Schnittstellen", sagt Hofmann. Erschwert wird dieses Ziel durch die verschiedenen Standorte der TU. Dazu zählen außer Garching noch die Innenstadt, Weihenstephan, Straubing und Heilbronn, ein Campus der gerade im Aufbau ist, und dann kommt natürlich der Standort in Ottobrunn hinzu, wo Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine neue Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie ansiedeln will.

Ein Campus mit Zukunft

Um den Austausch der Wissenschaftler zu fördern, müsse man über neue digitale Formate nachdenken, sagt Hofmann, zudem brauche es den menschlichen Kontakt. "Nicht zuletzt ist Vertrauen die Grundlage jeder Kooperation, aber Vertrauen entsteht nicht über digitale Medien, sondern über persönlichen Kontakt." Es gelte, Brücken zwischen den Standorten zu schlagen und zu erreichen, dass alle wie eine Universität denken, trotz unterschiedlicher Standorte.

Zur Entwicklung Garchings hat Hofmann klare Vorstellungen: modernste Themenstellungen, talentförderliche Maßnahmen, die ganz gezielt die Einzelnen fördern, beim Studenten angefangen, und neue Kooperationsmodelle zu etablieren, die Experten auch aus anderen Wissenschaftseinrichtungen anziehen, genauso wie Fachleute aus der Wirtschaft und der Politik - in diesem Zusammenspiel entwickelt Hofmann seine Idee vom "Tauschplatz des Wissens", an dem die Zukunftsthemen gemeinsam bearbeitet werden. Dabei müsse sichergestellt sein, dass die behandelten Themen gesellschaftsrelevant seien, sagt er. So formt sich sein Bild von einem führenden europäischen Innovationszentrum, "von einem Campus, der Zukunft hat".

Diesen Tauschplatz versteht Hofmann als "turbulentes Treiben von Experten unterschiedlicher Disziplinen und Institutionen". Die TU könne damit die großen Themen angehen, etwa im Bereich der Diagnose und Therapie von neuen Krankheiten, über die unterschiedlichen Disziplinen hinweg. Ein anderes Beispiel wären nach seiner Vorstellung eine zukunftsfähige Mobilität oder der Klimawandel. "Wir brauchen da das Zusammenwirken von vielen Experten aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik."

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Die Zeit des Technologie-Nerds sei lange vorbei, sagt Hofmann. "Die Entwicklung neuer Technologien dient nicht dem Selbstzweck, vielmehr gilt es, diese auf die Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen auszurichten." Gerade der Klimawandel könne nicht "in bayerischer Isoliertheit" betrachtet werden. So große Themen müssten länderübergreifend gedacht werden.

Um die Politik, die Geistes- und Sozialwissenschaften mit einzubinden, hat die TU bereits im Jahr 2012 das Munich Center for Technology in Society (MCTS) gegründet, das künftig mit dem TU Institute for Ethics in Artificial Intelligence einen Ausleger im Galileo bekommen wird, dem gerade entstehenden neuen Zentrum des Garchinger Campus, an dem Lehre, Lernen und auch Lifestyle zusammenkommen sollen. Hofmann will ganz bewusst "die Sozial- und Ethikwissenschaften im Herzen von Naturwissenschaft und Technik platzieren".