Elektromobilität:In München sollen mehr E-Taxis fahren

Elektromobilität: E-Taxis sollen für Fahrgäste auf den ersten Blick als solche erkennbar sein.

E-Taxis sollen für Fahrgäste auf den ersten Blick als solche erkennbar sein.

(Foto: Catherina Hess)

Nur 50 von 3100 Taxis in München fahren voll elektrisch. Die Stadt München will das ändern und startet mit Beginn dieses Jahres ein neues Förderprogramm. Doch an einer Sache muss noch gearbeitet werden.

Von Andreas Schubert

Rund 3100 Taxis sind in München unterwegs. Doch bisher fahren nach Auskunft von Thomas Kroker, Vorstand der Taxigenossenschaft, nur rund 50 davon rein elektrisch - das entspricht einem Zweiundsechzigstel der gesamten Flotte.

Die Stadt München will das ändern. Schon 2017 hatte sie ein Förderprogramm für elektrisch betriebene Taxis eingeführt. Seit dem 1. Januar dieses Jahres gibt es nun ein neues Programm, das attraktiver sein soll und das Ziel hat, bis Ende 2025 bis zu 400 E-Taxis auf die Straße zu bringen. Dafür spendiert die Stadt dieses und nächstes Jahr jeweils zwei Millionen Euro an Fördergeld.

Am Samstag haben sich Vertreter der Taxibranche in der ADAC-Geschäftsstelle im Westend zum "E-Taxi-Tag" getroffen, um sich über die neue Förderung zu informieren. Das Treffen haben die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern und der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagen-Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem ADAC Südbayern, dem Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) und dem Taxiverband München organisiert. Sie verfolgen das gemeinsame Ziel, die Branche von den lokal emissionsfreien Taxis zu überzeugen.

Denn die Zahlen zeigen, dass die Skepsis nach wie vor groß ist. Das könnte sich mit dem neuen Programm ändern. Es soll einen hohen Anreiz für eine schnelle Umstellung der Taxibranche auf batterieelektrische Fahrzeuge bieten. Während die bisherige Förderung auf die Fahrleistung bezogen war (20 Cent für jeden mit Fahrgästen besetzten Kilometer), wird jetzt bereits die Anschaffung eines E-Taxis unterstützt.

Bis zu 10 000 Euro gibt es an städtischer Förderung. Sollte ein Wagen weniger als 30 000 Euro kosten, wird maximal ein Drittel der Nettoanschaffungskosten ausgeschüttet. Das ist an Auflagen gebunden: Die Haltungsdauer beträgt mindestens drei Jahre, dazu müssen mit dem Fahrzeug pro Jahr nachweisbar 30 000 Besetzt-Kilometer, wie das in der Branche heißt, zurückgelegt werden. Die Fahrdaten werden der Stadt mit einem sogenannten Fiskaltaxameter übermittelt.

Dazu müssen alle geförderten E-Taxis an den Seiten großflächig als solche gekennzeichnet sein. Um das Bekleben will sich der ADAC kümmern, den Taxlern sollen dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Für die ersten 100 Fahrzeuge können die Halter zudem einen "Klimageschwindigkeitsbonus" von zehn Prozent der Fördersumme (maximal 1000 Euro) bekommen, wenn sie die Fahrzeuge innerhalb von zwei Monaten nach der Antragstellung bestellen. Mit der Förderung der Anschaffungskosten entspricht das RKU dem Wunsch der Taxibranche.

Der Zweite Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) erklärte, die Taxis seien ein Teil respektive eine Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs. In Hamburg seien bereits etwa 600 E-Taxis unterwegs. Doch während dort von 2025 an nur noch reine E-Taxis oder mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge eine Konzession erhalten, gehe man in München einen anderen Weg, eben den der Förderung.

Nach dieser ist die Nachfrage anscheinend groß. Nach Auskunft des RKU standen schon vor Start des Programmes bereits 36 Anträge für 85 Fahrzeuge auf der Warteliste.

Elektromobilität: Sie eröffneten den E-Taxitag beim ADAC: Zweiter Bürgermeister Dominik Krause, Gregor Beiner, Stadträtin Sybille Stöhr, Alexander Kreipl vom ADAC und Thomas Kroker.

Sie eröffneten den E-Taxitag beim ADAC: Zweiter Bürgermeister Dominik Krause, Gregor Beiner, Stadträtin Sybille Stöhr, Alexander Kreipl vom ADAC und Thomas Kroker.

(Foto: Catherina Hess)

Zu den E-Taxi-Pionieren gehört Gregor Beiner, Geschäftsführer des Münchner Taxi-Zentrums. Er hat vor fünf Jahren begonnen, seine Flotte zu elektrifizieren, von 70 Fahrzeugen fahren aktuell 16 elektrisch. Bis zum Jahr 2029 sollen all seine Fahrzeuge abgasfrei fahren. Pro Schicht legen die Fahrzeuge etwa 200 bis 250 Kilometer zurück und werden dann während des Reinigens zum Schichtwechsel in der Zentrale aufgeladen. Die ersten E-Autos des Taxizentrums haben bereits 300 000 Kilometer auf dem Tacho, bis zu 400 000 sollten sie laut Beiner schaffen. Pro Jahr legt bei ihm ein Wagen 70 000 bis 100 000 Kilometer zurück. Beiners Tipp an die Kollegen: "Habt keine Angst."

E-Taxis haben nicht nur den Vorteil, dass sie lokal emissionsfrei fahren. Sie brauchen auch weniger Wartung, was den Unternehmern Geld spart. So müssen laut Beiner bei einem konventionellen Verbrenner etwa alle 30 000 bis 50 000 Kilometer die Bremsen erneuert werden. "Bei E-Fahrzeugen nie", sagt er. Dazu brauchen die Stromer kein Motoröl und was sonst noch bei Verbrennern anfällt. Doch auch E-Taxis kann es passieren, dass die Zwölf-Volt-Starterbatterie wie bei einem konventionellen Verbrenner den Geist aufgibt. Alexander Kreipl, Leiter Verkehr, Technik und Umwelt des ADAC Südbayern, versichert aber, dass der Autoklub auch in diesen Fällen helfen kann.

Noch hapert es an der Ladeinfrastruktur. Hier besteht laut Thomas Kroker noch Nachholbedarf. So gibt es nur an drei von derzeit 277 Taxiständen im Stadtgebiet Ladepunkte. Dass nicht alle damit ausgestattet werden können, ist den Taxlern bewusst. Aber an neuralgischen Stellen im Stadtgebiet würden sie sich eben schon noch zusätzliche Ladestellen wünschen.

Wie es mit der Ladeinfrastruktur weitergeht, ist derzeit noch offen. 2700 weitere Ladepunkte sollen in München entstehen, diesen Beschluss fasste der Stadtrat bereits 2018. Eine Ausschreibung des früheren Referats für Gesundheit und Umwelt ist allerdings an rechtlichen Hürden gescheitert. Jetzt ist das Mobilitätsreferat für die Vergabe zuständig, eine Ausschreibung ist nach dessen Auskunft nun nicht mehr nötig. Einfach wird es dennoch nicht mit mehr öffentlichen Ladesäulen. Der Platz in der Stadt sei begrenzt, deshalb sollen auch auf Privatgrund mehr Ladepunkte entstehen. An einem Konzept, wie das gehen soll, arbeitet das Mobilitätsreferat noch.

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