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Ämter in München:Wie eine Stadtverwaltung im Home-Office funktioniert

Coronavirus - München

Immer mehr Büros bleiben leer: Das IT-Referat der Stadt bemüht sich, für so viele Beschäftigte wie möglich, technische Lösungen fürs Home-office anzubieten.

(Foto: dpa)
  • Für die rund 42 000 Beschäftigten der Stadtverwaltung ist der reguläre Arbeitsplatz einer jüngsten Dienstanweisung zufolge derzeit die eigene Wohnung.
  • Das IT-Referat arbeitet daran, die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen.
  • Termine auf den Ämtern gibt es für Bürger nur noch in "nachgewiesenen Notfällen".
  • Ausnahmen von der Home-Office-Regel gibt es für alle Beschäftigten, die ihre Arbeit nicht von daheim aus verrichten können - beispielsweise die Müllwerker.

In der jüngsten Dienstanweisung des Personalreferats zum Schutz der Beschäftigten vor Corona-Infektionen steht geschrieben: "Alle Beschäftigten sollen in Absprache mit der Dienststelle (...) grundsätzlich von zu Hause aus arbeiten, soweit dies möglich ist." Mit anderen Worten: Für die rund 42000 Beschäftigten der Stadtverwaltung ist der reguläre Arbeitsplatz derzeit die eigene Wohnung. Ausgenommen von der Verpflichtung, zu Hause zu bleiben, sind Mitarbeiter, deren Arbeit nicht im Home-Office erledigt werden kann, also etwa die Frauen und Männer der Müllabfuhr. Für sie gelten Sonderregelungen.

Wie viele Beschäftigte in städtischen Diensten tatsächlich daheim arbeiten, lässt sich derzeit nicht genau sagen. Einige Rückschlüsse lassen sich aber ziehen, wenn man anschaut, was das IT-Referat der Stadt unternimmt, damit die Kollegen zu Hause bleiben können. "Die IT arbeitet mit Hochdruck daran, die technischen Voraussetzungen für Home-Office zu schaffen", sagt Tobias Stephan, der Pressesprecher des Personalreferats. Vor allem brauchen die Heimarbeiter Zugang zu den digitalen Systemen der Stadt. Dafür gibt es drei Möglichkeiten, erklärt Karsten Vier, Büroleiter im IT-Referat.

Die praktischste Variante ist: Der Mitarbeiter erhält Zugang über ein städtisches Gerät, womit in der Regel dieselben Möglichkeiten verbunden sind wie am Büroarbeitsplatz; es gibt aber auch einen Zugang über private Geräte, der aber nicht ganz das volle Programm bietet. Für diese Modelle gibt es, so Vier, derzeit rund 10 000 User, die Kapazitäten werden aber gerade ausgebaut. Als dritte Möglichkeit haben die IT-Leute noch einen direkten Web-Zugriff auf städtische Mailpostfächer geschaffen, der für 25 000 Nutzer ausgelegt ist. "Alle Zugriffe in den drei Varianten werden über eine starke Zwei-Faktor-Authentifizierung abgesichert", sagt Vier. Zudem dürfen die Beschäftigten Akten und andere Arbeitsmaterialien mit nach Hause nehmen. "Man kann von zu Hause aus vollwertig arbeiten", fügt Personalreferatssprecher Stephan hinzu.

Doch es gibt nun mal Arbeiten, die man keinesfalls auf der Wohnzimmercouch erledigen kann. Die Stadtwerke München (SWM) etwa, die die Stadt mit Energie und Wasser versorgen und über ihre Tochtergesellschaft MVG auch Busse, Trambahnen und U-Bahnen betreiben, haben jede Menge solcher Aufgaben zu bieten. Raus aus den eigenen vier Wänden müssen etwa die Mitarbeiter in den Werkstätten oder den Kraftwerken, sagt Pressesprecher Michael Solic. Aber auch die Bus- oder Bahnfahrer, die Beschäftigten in den Leitstellen für Energie und Trinkwasser, die Mitarbeiter des SWM-Sicherheitsservices und des Netzbetriebs sowie die Leute im Zentrallager, im Gleisbau, in den Automaten-, Aufzugs- und Rolltreppenwerkstätten und viele mehr. Für alle gelten die gängigen Hygieneregeln, zudem sind Besprechungen, Workshops, Projekttreffen und dergleichen in digitale Räume verlegt.

SWM-Sprecher Solic schätzt, dass derzeit etwa ein Drittel der 10 000 Mitarbeiter der Stadtwerke zu Hause arbeiten. Das klappe "hervorragend", zumal man in den vergangenen Jahren bereits "technisch und kulturell" die Voraussetzungen für mobiles Arbeiten und Home-Office geschaffen habe. Geschlossen sind die SWM-Kundenzentren und Shops, ebenso die Bäder oder das MVG-Museum. Die Stadtwerke-Mitarbeiter bleiben erreichbar, aber nur per Telefon oder E-Mail. Was den ganzen SWM-Konzern betrifft, habe man bislang vier Corona-Infektionen registriert.

Generell ist der direkte persönliche Kontakt zwischen Bürger und städtischer Amtsperson derzeit kaum möglich. Wie die Lage ist, lehrt ein Blick auf die Webseite des Kreisverwaltungsreferats (KVR). "Alle KVR-Dienststellen geschlossen", heißt es da unmissverständlich. Bürgerbüro, Standesamt, Ausländerbehörde, Kfz-Zulassungsstelle - alle haben sie dichtgemacht. Der Publikumsverkehr ist "auf das Notwendigste" reduziert, Termine erhalten die Bürger nur "für nachgewiesene Notfälle". Wer etwa partout heiraten will und einen Termin beim Standesamt hat, wird auch getraut - aber nicht mal Trauzeugen dürfen dabei sein. Einiges an Arbeit fällt da natürlich weg. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, erklärt Pressesprecher Stephan: "In Bereichen, wo auch im Präsenzbereich der Arbeitsanfall deutlich reduziert oder nicht mehr vorhanden ist, schicken wir die Beschäftigten in einen Bereitschaftsdienst. Sie können dann bei Bedarf in anderen Referaten eingesetzt werden."

Mit mehr als 15 000 Beschäftigten ist das Referat für Bildung und Sport das größte der Stadtverwaltung. Circa 5300 sind im Lehrdienst tätig, etwa 7300 in der Kinderbetreuung und 2600 in den sonstigen Bereichen. Nach Auskunft von Pressesprecherin Katharina Rieger arbeitet derzeit weit mehr als die Hälfte des Personals im Home-Office. "Grundsätzlich sind die Erfahrungen durchweg positiv", sagt Rieger.

Auch wenn die Schulen geschlossen sind, heißt das keineswegs, dass die städtischen Lehrkräfte zu Hause sitzen und Däumchen drehen. Sie haben den Auftrag, etwa auf digitalem Weg zu unterrichten sowie Notbetreuung zu leisten, wo diese notwendig ist. Präsent in den Schulgebäuden sind die Schulleitungen, auch die Sekretariate sind besetzt, sofern die Schule nicht vom Gesundheitsamt wegen Corona-Infektionen temporär geschlossen worden ist. Was die Kitas betrifft, sind rund 25 Prozent der Dienstkräfte im Einsatz, unter anderem in der Notfallbetreuung und für administrative Aufgaben. Die Kitaleitungen halten in den Kindertagesstätten die Stellung.

Auch die circa 480 Personen der technischen Hausverwaltungen an den Schulen sowie die Mitarbeiter in den Sportanlagen leisten weiterhin dort Dienst. Darüber hinaus, sagt Pressesprecherin Rieger, "ist in der aktuellen Situation der Ausgangsbeschränkung auch der Objektschutz und die Ausübung des Hausrechts eine wichtige Aufgabe in Schul- und Sportanlagen".

Es versteht sich von selbst, dass die Mülltonnen nicht per Home-Office geleert werden können. Die Abfallwirtschaft zählt zur systemrelevanten Infrastruktur, die kann man nicht einfach aussetzen. "Anders als viele von uns, die derzeit im Home-Office arbeiten und zu Hause bleiben, sind die Müllwerker und Müllwerkerinnen auch in Krisenzeiten auf den Straßen unterwegs", sagt Kristina Frank, Kommunalreferentin und 1. Werkleiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM). "Ich bin sehr stolz auf alle meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jeden Tag aufs Neue ihr Bestes für München geben. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich deutlich, wie sehr wir auf ihre Arbeit angewiesen sind."

Um sich und andere vor Infektionen zu schützen, ist den AWM-Leuten vorgeschrieben, einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu wahren. Die Mülllader sollen in der Regel nicht mit im Fahrerhaus sitzen, sondern die Strecken zu Fuß oder auf dem Trittbrett zurücklegen. Ferner haben die Müllsammelteams während der Arbeit Desinfektionsmittel zur Verfügung. Und AWM-Sprecher Willi Schüler fügt hinzu: "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind aus Arbeitsschutzgründen mit Arbeitshandschuhen ausgestattet. Die Berührung mit Abfällen birgt nach derzeitigem Erkenntnisstand keine zusätzliche Infektionsgefahr."

© SZ vom 31.03.2020/aner

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