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Prozess in München:Blutiger Streit am Stachus

Ein 26-Jähriger gesteht vor Gericht mehrere Attacken. Er soll mit einem Messer auf Menschen eingestochen und einem Mann in einem Dönerimbiss grundlos Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben.

Von Andreas Salch

Dass er stets bewaffnet ist, ist für den Verkäufer Ahmadenham P. völlig normal. "Bei uns in Afghanistan ist immer eine Waffe dabei", sagt der 26-Jährige. Im September 2019 soll P. bei einer Auseinandersetzung am Stachus mit seinem Klappmesser mindestens viermal auf einen anderen Mann eingestochen haben, den er aus der Drogenszene kannte. Ahmadenham P. sagte am Donnerstag vor einem Schwurgericht am Landgericht München I, dass das nicht "geplant" gewesen sei. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen versuchten Totschlags erhoben. Darüber hinaus soll P. in drei weiteren Fällen in München andere Menschen mit seinem Messer angegriffen haben. Ende August 2019 soll er zudem einem anderen Mann an einem Dönerimbiss grundlos Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihn getreten haben.

Als die Vertreterin der Staatsanwaltschaft die Anklage verlas, wippte Ahmadenham P. mitunter auf seinem Stuhl und lächelte. Die Tat am Stachus gestand er, nachdem sein Verteidiger Ömer Sahinci eine Verhandlungspause dazu genutzt hatte, mit seinem Mandanten zu reden. Zunächst nämlich hatte P. darauf beharrt, dass er nicht bemerkt habe, dass er seinen Widersacher, mit dem er in der Vergangenheit Drogengeschäfte gemacht hatte, "mit dem Messer gestochen" habe.

Gegen 21.10 Uhr am Abend des 11. September 2019 war P. am Stachus von hinten auf seinen Bekannten zugegangen, der dort mit etwa 20 anderen Männern stand, und hatte ihm - angeblich "aus Spaß" - gegen den rechten Unterschenkel getreten. Bei seinem Bekannten kam der Tritt jedoch nicht gut an. Er packte P. am Kragen. Es kam zum Streit zwischen den beiden. Der Tritt sei "eine Art von Begrüßung" gewesen, so P. bei seiner Vernehmung am Donnerstag. Außerdem habe er am Tag zuvor Heroin und am Tag der Tat weitere Drogen konsumiert. "Ich war abwesend - ein bisschen."

Auch die anderen Vorwürfe aus der Anklage räumte Ahmadenham P. mit einer Ausnahme im Großen und Ganzen ein. Dabei erweckte er mitunter den Eindruck, als habe er sich selbst nicht wirklich etwas vorzuwerfen. Im Herzog-Wilhelm-Park etwa habe er einem anderen Mann in den Oberschenkel gestochen, weil dieser ihn habe schlagen wollen. Zu der Attacke mit Pfefferspray auf einen ihm völlig unbekannten Mann sagte der 26-Jährige, es könne sein, dass er das gemacht habe. Jedoch könne er sich nicht mehr daran erinnern. Zu der Tat an einem Taxifahrer, den P. mit seinem Messer bedroht haben soll, machte er keine Aussage. Schließlich geht es noch um einen Vorfall in der S 2 am Stachus. Nach einem Streit mit anderen Fahrgästen soll Ahmadenham P. versucht haben, einen von ihnen mit seinem Messer zu verletzen.

© SZ vom 15.01.2021/van/vewo
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