Sendling:Der Schrein des Anstoßes

DAV Kletter- und Boulderzentrum München-Süd

"Eine Art Skulptur" erkennen die Abrissgegner in dem Kletterfelsen, den der Alpenverein durch eine Boulderhalle ersetzen möchte.

(Foto: Friedrich Bungert)

Die Grünen im Landtag sehen im Kletterfelsen des Alpenvereins ein Denkmal, die im Rathaus halten ihn für verzichtbar.

Von Jürgen Wolfram, Sendling

In der Auseinandersetzung um den Freiluft-Kletterfelsen ("Der Schrein"), den der Deutsche Alpenverein (DAV) abreißen und durch eine Boulderhalle ersetzen will, haben Kritiker der Planung bisher vor allem die Eingriffe ins Grün, die Blockade der Frischluftzufuhr sowie eine massive Verkehrszunahme ins Feld geführt. Seit einiger Zeit gewinnt ein weiterer Aspekt in der Diskussion an Gewicht: die Frage, ob es sich bei dem 1989 errichteten Felsen nicht um ein Baudenkmal handeln könnte. Um das Pro und Contra dieser Überlegung auszuloten, machten Landtagsabgeordnete der Grünen jetzt auf ihrer Denkmalschutztour 2021 Station an der Thalkirchner Straße. Am Ende des Ortstermins gelangte die denkmalpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sabine Weigand, zu dem Schluss, beim "Schrein" sei "ein Denkmalwert durchaus gegeben". Er stehe für die Anfänge einer neuen Breitensportart und deren Idee von Freiheit.

In der Diskussionsrunde hatten vor allem die Denkmalbefürworter und Abrissgegner das Wort. Es gelte, "eine Art Skulptur", ein Gebilde mit Alleinstellungsmerkmal zu bewahren, hieß es unter anderem. Erinnert wurde an die mühsame Errichtung des "Schreins", an der viele Ehrenamtliche eifrig mitgewirkt hätten. Obwohl die Idee ursprünglich aus der Schweiz stamme, gebe es nirgends Vergleichbares, jedenfalls nicht in dieser Größe. Das allerdings sei für einen Denkmalstatus auch wichtig, betonte Weigand, die hervorhob, dass die gesamte Bautechnik inzwischen ebenfalls als historisch einzustufen sei. Aus gutem Grund also habe im März der Bezirksausschuss Sendling eine Prüfung der Schutzwürdigkeit des Stahlbeton-Kletterfelsens beantragt.

Ob die Argumentation der Denkmalbefürworter verfängt, bleibt fraglich. Denn neben der DAV-Führung, die beim Neubau der Boulderhalle von "barrierefreier Modernisierung" und wirtschaftlicher Vernunft spricht, hatten sich vor der Kommunalwahl auch führende Vertreter der drei größten im Rathaus vertretenen Parteien für das Projekt ausgesprochen. Im Koalitionsvertrag von Grünen und SPD ist die Zustimmung sogar fixiert - "sofern ein leistungsfähiges Verkehrskonzept erarbeitet wird und keine Störung der Frischluftschneise vorliegt". An diesem Punkt hakte jetzt auch Christian Hierneis, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, ein. Es dürfe im Falle eines Hallenneubaus keinesfalls zu starken Eingriffen ins Grün kommen, forderte Hierneis. Mit dem aktuellen Neubaukonzept einverstanden gezeigt hat sich nach längeren Verhandlungen die Lokalbaukommission.

Die Abrissgegner geben dennoch nicht auf. Wie die Abgeordnete Weigand gehen sie davon aus, dass vor endgültigen Beschlüssen das Landesamt für Denkmalpflege die Angelegenheit gründlich prüft. Das wäre ein Herzenswunsch von Karin Nobs. Sie erinnerte beim Ortstermin an eine von Hunderten Leuten unterzeichnete Petition für den Erhalt. Zum Argument der DAV-Führung, man wolle das größte Kletter- und Boulderzentrum der Welt im Zuge der Neuplanung besser zugänglich für Menschen mit Beeinträchtigungen machen, sagte Nobs: "Das hätte man schon 2011 beim Bau der älteren Halle haben können."

© SZ vom 15.07.2021
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