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Münchner Start-up:Unverständnis bei Schulleitungen

Also bemühten sie sich monatelang um die Ausarbeitung ihres Businessplans, suchten parallel nach Zielunternehmen, die ihre App-Idee umsetzen würden, sprachen mit Schulen, Lehrern und Mitarbeitern der Kultusministerien, ob ihre Idee denn auch Sinn ergeben würde. Vor allem bei Schuldirektoren stießen sie teils auf fehlendes Verständnis: "Ein großes Argument war, dass sie das nicht brauchen, weil sie an der Schule schon Microsoft Teams haben", sagt Schadhauser. "Aber Teams ist ja nur eine Plattform zum Austausch von Schulen und Schülern." Das führe zurück auf das Grundproblem: Bisher werde in den Schulen vieles genutzt, das nicht wirklich auf Schüler zugeschnitten sei. Anders soll das bei ihrer App sein - sagen sie zumindest: "Wir denken immer aus der Schülerperspektive", betont Kramer. Daran fand offenbar auch Adesso Gefallen, eines der führenden IT-Dienstleistungsunternehmen in Deutschland. Seit September 2020 arbeiteten die Gründer zusammen mit Entwicklern von Adesso an der technischen Ausarbeitung der Mitschrift-App, seit Anfang April ist sie im App-Store erhältlich.

Für die beiden Gründer ein Erfolg - wenn auch damit noch längst nicht alles geschafft ist. Denn das Herzstück der App, die sogenannten Micro Sessions, soll erst noch folgen: "Mir schreiben viele meiner Nachhilfeschüler, die ich nicht wöchentlich sehe, manchmal über Whatsapp eine kurze Frage", sagt Schadhauser. Diese zu beantworten, dauere meist nicht länger als ein paar Minuten. Weil sich das viele Schüler gewünscht hätten, mit denen Kramer und Schadhauser im engen Kontakt stehen, soll das zukünftig auch über die App möglich sein. Auch bei kleineren Fragen sollen sich Schüler auf Knopfdruck mit einem Nachhilfelehrer verbinden können, der seine Notizen in Echtzeit in das digitale Heft der Schüler übertragen kann.

Matthias Schadhauser und Philipp Kramer haben aber noch weitere Ideen: mithilfe von künstlicher Intelligenz den Stoff der letzten Stunde abfragen, basierend auf den vergangenen Hefteinträgen Zusammenfassungen erstellen, mit der Schule verlinkte Vertretungspläne, Hausaufgaben von der App korrigieren lassen - all das soll in Zukunft möglich sein.

Hochgesteckte Ziele, doch Zweifel daran, dass sich diese vielleicht nicht umsetzen lassen, haben Schadhauser und Kramer nicht. Sie verfolgen ihren eigenen Ansatz: "Am Anfang geht's vielleicht noch nicht so gut, aber man muss ja anfangen, damit's besser wird", sagt Schadhauser. Kramer pflichtet ihm bei: "Bis jetzt haben wir jedes Problem gelöst."

Dass sich die beiden auch über die Arbeit hinaus sehr gut verstehen, merkt man ihnen nicht nur an, wenn sie scheinbar mühelos das Wort abwechselnd voneinander übernehmen. Mal sprechen sie von vergangenen Schulzeiten, als sie sich bei der Abiturvorbereitung durch den gleichen Freundeskreis kennenlernten, einer gemeinsamen Südafrikareise oder von der Zeit in ihrer WG. Um sich auf den Aufbau ihres Start-ups konzentrieren zu können, zogen Matthias Schadhauser und Philipp Kramer anfangs sogar in eine gemeinsame Wohnung.

Heute drehen sich ihre gemeinsamen Träume um die digitale Transformation, die momentan ganze Branchen verändert. "Man kennt Spotify, N26 oder Uber und was sie verändert haben", sagt Kramer. "Warum also nicht auch im Bildungsbereich? Schule darf auch mal cool sein." Schadhauser nickt, Kramer grinst. Ächzende Kinder, die den schweren, mit Büchern und Heften vollgestopften Schulranzen zur Schule schleppen? Für sie ein Bild der Vergangenheit.

© SZ vom 08.04.2021/vewo
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