bedeckt München 12°

Ramersdorf:Kein Sport in der Höhe

SWM Sportanlage in München, 2019

Endspiel: Die Mitglieder des SV Stadtwerke München werden ihr Vereinsgelände an der Lauensteinstraße vermutlich aufgeben müssen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Stadtwerke lehnen den Vorschlag ab, an der Ständlerstraße über neuen Tram-Betriebsgebäuden eine Turnhalle und auf dem Hallendach ein Fußballfeld zu bauen. Dies bedeutet, dass der SV Stadtwerke München sein Gelände an der Lauensteinstraße wohl räumen muss

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Ein Verbleib des SV Stadtwerke München auf seinem Sportgelände an der Lauensteinstraße ist wieder etwas unwahrscheinlicher geworden. Zumindest scheint ein Vorschlag der Stadtratsfraktion SPD/Volt aus dem Rennen zu sein. Die hatte in einem Antrag gefordert, dass die Stadtverwaltung und die Stadtwerke München (SWM) den Bau einer mehrgeschossigen Gebäudestruktur auf dem Areal des jetzigen Tram-Betriebshofs an der Ständlerstraße prüfen soll. Während im ebenerdigen Geschoss alle derzeit geplanten Nutzungen des neuen Tram-Betriebshofes untergebracht würden, sollte im Geschoss darüber die Errichtung einer Sporthalle inklusive Fußball-Spielfläche auf dem Hallendach geprüft werden.

Diesen Überlegungen haben die SWM und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in einer aktuellen Stellungnahme eine deutliche Absage erteilt: Sportflächen auf den Dächern der Betriebshofgebäude zu platzieren sei genehmigungsrechtlich äußerst komplex und beinhalte viele Auflagen, was wiederum wirtschaftlich nicht zu vertreten sei. Zum einen würde die Höhe der Gebäude voraussichtlich in einem Maße zunehmen, welches für die Nachbarn nicht zumutbar wäre. Gleiches gelte für die Schall- und Lichtemissionen, die ein in der Höhe platzierter Sportbetrieb mit sich bringe. Zum anderen gelten laut SWM/MVG für einen Betriebshof strenge Sicherheitsregeln, die die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung vorgibt. Eine öffentlich zugängliche Sportstätte in beziehungsweise auf einem Betriebshof zu integrieren, sei daher äußerst aufwendig. Zugang und Nutzung der Sportstätte wären nur mit erheblichen Sicherheitsvorkehrungen möglich.

Neben diesen kritischen genehmigungsrechtlichen Fragen entstünden zudem erhebliche Mehrkosten, unter anderem für Brandschutz, die nötige höhere Traglast der Betriebshofgebäude, zusätzliche Parkplätze und die Planungskosten selbst. Die SWM-Verantwortlichen warnen deshalb: "Zudem gilt, dass sich die Inbetriebnahme des Tram-Betriebshofs nicht verzögern darf, was im Falle einer Überbauung zu erwarten ist."

Ausbau und Modernisierung des Betriebshofs an der Ständlerstraße betreffen den SV Stadtwerke München, denn die Planungen erstrecken sich über das gesamte SWM-Gelände inklusive der Sportstätten an der Lauensteinstraße. Für die Zukunft der Münchner Tram sei es zwingend notwendig, den Betriebshof so zu dimensionieren, dass er den Anforderungen eines größeren und leistungsfähigeren Tramnetzes genüge. Weiter heißt es dann: "Ohne die Sportflächen ist dies nicht möglich."

Unter diesen Rahmenbedingungen galt es laut SWM, die Möglichkeit zur Sportausübung grundsätzlich für den Stadtbezirk zu erhalten. Für die entfallene Sportanlage liege mittlerweile ein in Kooperation mit dem Referat für Bildung und Sport sowie dem Sportamt entstandenes Konzept vor. Dieses sehe vor, die mitgliederstarke Fußballabteilung im direkten Umfeld der jetzigen Sportanlage zu belassen und in benachbarten Bezirks- oder Vereinssportanlagen anzusiedeln. Der Hallensport werde einerseits an die Emmy-Noether-Straße nahe der Stadtwerke-Zentrale verlagert, um so wieder an Attraktivität für aktive SWM-Mitarbeiter zu gewinnen. Andererseits würden sich durch den Neubau von zwei übereinanderliegenden Einfachhallen Nutzungsmöglichkeiten am standortnahen Beruflichen Schulzentrum Balanstraße ergeben. Von 2022 an seien auch ergänzende Anmietungen von Hallen-Kapazitäten in der Siedlung am Perlacher Forst denkbar. Zudem wurden laut SWM bereits Belegungspläne der Sportstätte Lauensteinstraße mit Verfügbarkeiten städtischer Sportstätten abgeglichen.

© SZ vom 26.11.2020/van
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema