Verkehrsprojekt:Radfahrer und Fußgänger auf Stelzen

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Verkehrsprojekt: Entlang der Ständlerstraße sollen Fußgänger und Fahrradfahrer den Überblick haben - und freie Fahrt.

Entlang der Ständlerstraße sollen Fußgänger und Fahrradfahrer den Überblick haben - und freie Fahrt.

(Foto: Robert Haas)

München plant an der Ständlerstraße den ersten erhöhten Geh- und Radweg - und erntet prompt Kritik. Oberbürgermeister Reiter ist angetan, doch die Politiker im Stadtviertel fühlen sich übergangen, im übertragenen Sinn.

Von Patrik Stäbler

Trotz ihrer Anmutung als Stadtautobahn birgt die Ständlerstraße im Südosten Münchens durchaus Kunstvolles. Da ist zum einen ihr Name, der sich vom Klingenschmied Wolfgang Ständler ableitet, der Ende des 16. Jahrhunderts ein Meister seiner Zunft war. Zum anderen liegen entlang der vierspurigen Trasse, die ursprünglich gar auf acht Streifen ausgebaut werden sollte, gleich zwei Kunstwerke im öffentlichen Raum: die Steinfiguren von Jai-Young Park sowie die "Schrägen Wände" des Bildhauers Kay Winkler.

Geht es nach dem Rathaus, könnte in der Ständlerstraße sogar bald ein kunstvolles Stück Architektur dazukommen: der stadtweit erste Geh- und Radweg auf Stelzen.

Für dieses ehrgeizige Projekt, das auch diverse Kritiker hat, plant das Mobilitätsreferat aktuell eine Machbarkeitsstudie. Diese wurde bereits vom Freistaat in die Auswahl für das Förderprogramm "Radoffensive Bayern" aufgenommen. Bedeutet: Die Studie soll mit bis zu 80 Prozent der Kosten und maximal 200 000 Euro bezuschusst werden.

Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Untersuchung binnen eines Jahres nach Zustellung des Förderbescheids abgeschlossen ist. Daher drückt das Mobilitätsreferat bei der Vergabe aufs Tempo - mit dem Ziel, dass bis zum Herbst 2023 Ergebnisse vorliegen.

Aktuell gibt es weder einen Fuß- noch einen Radweg - aber "großes Potenzial"

Die Studie soll die vier Kilometer lange Strecke zwischen Görzer Straße und Karl-Marx-Ring untersuchen - fast die komplette Ständlerstraße, die aktuell weder einen Fuß- noch einen Radweg hat. Dabei gebe es dort "große Potenziale für den Radverkehr", teilt eine Sprecherin des Mobilitätsreferats mit. Es lägen nicht nur zwei Stadtteilzentren in der Nähe, sondern im Osten entstehe derzeit auch ein Neubaugebiet für 3000 Menschen, das Alexisquartier. Überdies sei die heute vom Radverkehr meistgenutzte Ost-West-Route in dem Bereich "umwegig und wenig intuitiv", heißt es aus dem Mobilitätsreferat. Die Strecke führt südlich der Ständlerstraße über die Fritz-Schäffer-Straße, den Adenauerring, die Holzwiesen-, Schmidbauer- und Peralohstraße.

Der Haken an der Sache ist: Die autobahnähnliche Ständlerstraße verläuft zwischen der Autobahn A8 und der Quiddestraße in Dammlage und kreuzt andere Straßen meist höhenfrei; zudem hat sie im weiteren Verlauf großzügige Ein- und Ausfahrten. Kurzum, ein begleitender Fuß- und Radweg ist äußerst schwierig zu realisieren. Diese Probleme will das Mobilitätsreferat nun umschiffen, indem es in die Höhe geht - über Stelzen. "Mit einer abschnittsweisen Aufständerung kann der Radverkehr sicher, unabhängig und dennoch direkt entlang der Ständlerstraße geführt werden", sagt die Sprecherin.

Mittels Rampen oder anderer Bauwerke ließe sich die Verbindung mit dem bestehenden Radnetz verknüpfen. Wie ein Hoch-Radweg an der Ständlerstraße konkret aussehen könnte, soll nun die Machbarkeitsstudie aufzeigen - in drei Varianten. Erstens für den Fall einer Aufständerung auf der gesamten Strecke. Zweitens für eine Verbindung südlich der Fahrbahn, die an mehreren kritischen Stellen über Stelzen geführt wird. Und drittens für einen Fuß- und Radweg "fast ausschließlich auf Geländeniveau", ebenfalls im Süden der Ständlerstraße.

Die Studie werde zeigen, ob ein Hoch-Radweg an dieser Stelle "als Leuchtturmprojekt realisiert werden könnte", sagt Mobilitätsreferent Georg Dunkel. Er zeigt sich von der Idee ebenso angetan wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der von einem "besonderen Projekt" spricht. Kritik kommt derweil von der AfD im Stadtrat, die den Bedarf eines Stelzen-Radwegs anzweifelt. Und auch der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach (BA) hat säuerlich auf die Pläne aus dem Rathaus reagiert - jedoch aus einem ganz anderen Grund. Das Gremium moniert, dass es über das Projekt in seinem Stadtteil erst aus den Medien erfahren habe. In einer Stellungnahme wirft der BA dem Mobilitätsreferat daher "Geheimhaltungspolitik" vor.

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